Polizei: FCM-Fans kleben und sprayen verstärkt

Ultra Magdeburg punktet in Stendal

Das Kunstrelief der Stendaler Altstadt ist unten mit einem FCM-Aufkleber versehen worden.
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Blau-Weiß in der Altmark: Selbst das Metallrelief der Altstadt auf dem Winckelmannplatz an der Bruchstraße trifft es regelmäßig. Ist ein Aufkleber entfernt, kommt der nächste nur kurze Zeit später schon wieder drauf.
  • Marco Hertzfeld
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Ultra Magdeburg punktet auswärts: Der Drittligist hat im Spielbetrieb momentan einen Lauf. Und Hardcore-Fans des 1. FCM zeigen im übrigen Sachsen-Anhalt Flagge. Die Stendaler Polizei hat illegale Sprühaktionen und wild gesetzte Aufkleber im Blick.

Stendal – Fans des 1. FC Magdeburg hinterlassen wieder zunehmend ihre Spuren im Straßenbild des Landkreises. Das Stendaler Ordnungsamt beispielsweise kann ein Lied davon singen, im Tangermünder Tourismusbüro sind Schmierereien und wilde Klebeaktionen nur allzu gut bekannt und selbst im beschaulicheren Bismark muss sich eine Ortsbürgermeisterin regelmäßig über illegal gesetzte Insignien der Klubs aus der Landeshauptstadt ärgern. „2017 wurden 102 Taten registriert. 2018, 2019 und 2020 lagen mit 18, 16 und 26 deutlich darunter. Das Anzeigenverhalten hat sich aber wieder gesteigert und ist zunehmend im Hinblick auf Sachbeschädigung durch Graffiti“, schaut Polizeisprecher Dirk Marscheider in die Statistik. Wobei Kommunen und Privatleute nicht jede Aktion auch anzeigen.

Tätern droht Freiheitsstrafe

Eine konkrete aktuelle Zahl liefert das Revier nicht. Auch sieht der Polizeihauptkommissar beim besten Willen nicht allein Ostaltmark und Elb-Havel-Winkel von einer blau-weißen Welle getroffen. „Ich glaube, der Eindruck täuscht etwas. Es ist nicht der Landkreis Stendal primär, es ist die Region, natürlich, nach Magdeburg hin sogar zunehmend.“ Eine ähnliche Entwicklung habe es vielleicht schon einmal früher in den 1990er-Jahren gegeben. „Quantitativ ist ein Anstieg zu verzeichnen, nach den Rückgängen auf 2018.“ Inwieweit allein sogenannte Ultras, Hardcore-Fans, für das Ganze verantwortlich zeichnen, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Zuletzt hatte es selbst Straßenschilder in offener Landschaft etwa nahe Borstel getroffen. FCM-Anhänger markieren offenbar ihr Revier.

Gezielte Aktionen im Lok-Gebiet?

Dabei hat gerade Stendal mit der Lokomotive seine ganz eigene Fußballtradition. Marscheider dürfte auch außerhalb des Jobs mit besonderem Auge auf die Entwicklung blicken, kickte er doch selbst nicht zuletzt in Stendal und Möringen und weiß um die Fankultur. Und natürlich: Ein besonderes Phänomen sind die FCM-Sprühbilder für den Landkreis Stendal im Vergleich zu anderen Gegenden nicht. Von Magdeburg in Richtung Halle ändert sich vielleicht die Farbe in das Rot-Weiß des Halleschen FC und weiter nach Südosten über die Landesgrenze am Ende in das Schwarz-Gelb von Dynamo Dresden. Fans wollen ihre Farben nach außen tragen und präsentieren, und das möglichst öffentlichkeitswirksam. Einfach hinnehmen will und darf das die Polizei allerdings nicht.

Autobahn schafft noch mehr Nähe

„Graffiti, welche durch Eigentümer nicht genehmigt sind, also für die Sprayer fremd, führen zu einem Schaden und sind daher als Sachbeschädigung einzuordnen. Im Blick hat die Polizei Graffiti-Schmierereien natürlich auch.“ Und weiter: „Sachbeschädigungen sind Vergehen und werden mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe geahndet. Sind historische oder sakrale Gebäude betroffen, kann es eine gemeinschädliche Sachbeschädigung sein. Sie ist dementsprechend höher zu bewerten.“ Wer sogenannte Spuckis anbringe oder andere Aufkleber müsste diese sicherlich wieder entfernen und alles reinigen. Auch könnte es sich bei solchen Fällen um eine Ordnungswidrigkeit handeln. Allerdings: Die Verantwortlichen von all dem werden so gut wie nie geschnappt.

Ob es sich um durchreisende oder einheimische Personen handelt, lässt sich kaum feststellen. Da müsste schon Kommissar Zufall helfen. Vor einiger Zeit wurde nicht zuletzt die Bruchstraße in Stendal mit Aufklebern verschiedenster Größe regelrecht überschwemmt (die AZ berichtete). Ob es sich dort und woanders gar um konzertierte Aktionen handeln könnte, der Stendaler Polizeisprecher geht darauf gegenüber der AZ nicht weiter groß ein. Der FCM habe jedenfalls eine große Fangemeinde. Unterstützergruppen aus der Altmark soll es unter anderem in Bismark, Seehausen und Salzwedel geben. Von Magdeburg nach Stendal sind es knapp 60 Kilometer, die Autobahn wird vieles noch näher zusammenrücken. Brücken, nicht alle schon vollendet, sind bereits mit Fußballzeichen versehen.

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