„Unvernunft nicht zu übersehen“

Stendals Kinochef Günther Tyllack: „Mit Maßnahmen war zu rechnen“

Noch wenige Tage darf das Stendaler Kino geöffnet bleiben. Ab Montag ist wieder ein Monat Pause angesagt.
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Noch wenige Tage darf das Stendaler Kino geöffnet bleiben. Ab Montag ist wieder ein Monat Pause angesagt. 

Stendal – Sonderlich lange durften die Kinos nicht öffnen: Erst Ende August konnte Theaterleiter Günther Tyllack im Uppstall-Kino die Popcornmaschine und Projektoren entstauben und anwerfen. Mit dem neuen beschränkten Lockdown wird erneut eine Pause eingelegt.

Unerwartet kam die Maßnahme für ihn nicht: „Die Unvernunft der Leute ist nicht zu übersehen“, erklärt der Kinochef im AZ-Gespräch. „Die Einschläge kommen näher“, gibt er zu verstehen, dass auch eine Region, die bisher im Vergleich glimpflich davon gekommen ist, die bundesweit geltenden Regeln befolgen muss. „Die Leute wollen es nicht wahrhaben, aber das Corona-Virus ist in Stendal angekommen.“

Trotz der schlechten Nachrichten bleibt der Kinoleiter ruhig, fast schon entspannt. Es sei richtig, dass die Notbremse gezogen werde, bevor es aussieht wie in anderen Ländern, in denen die Intensivbetten knapp werden. Da zeige es sich, welchen Vorteil es habe, eine Bundeskanzlerin zu haben, die Wissenschaftlerin ist. Dennoch sei es ärgerlich, dass es erneut die Kinos getroffen hat, denn diese seien eigentlich ziemlich sichere Orte. Sie sind belüftet, die Menschen sitzen auf festen Plätzen, reden und singen nicht. Aber der große Ansatz sei vermutlich, alles zu beschränken, wo viele Menschen zusammenkommen.

So könne möglichst bald wieder das gewohnte Leben stattfinden. Sollten die Maßnahmen keinen Erfolg bringen, drohe Schlimmeres: Dass sie bis Weihnachten oder darüber hinaus ausgedehnt würden. „So schlimm und ärgerlich es ist, dass die Betriebe geschlossen werden, die Vernunft sollte obsiegen“, appelliert Tyllack an alle, die mit den Maßnahmen unzufrieden sind. „Ich hoffe, dass die Leute jetzt vernünftiger werden und auf andere Rücksicht nehmen“, sagt der Kinoleiter. Das Gemeinwohl müsse von höherem Interesse sein als persönliche Vorlieben. „Natürlich gehört das Kino auch zum Gemeinwohl“, stellt er klar.

Auch das spiegele sich in den neu vorgestellten Unterstützungen für Firmen wider. „Zunächst ist die Maßnahme eine gute Nachricht“, schätzt Tyllack die Situation ein, auch wenn er und seine Mitarbeiter nicht von dem Umsatzausgleich von 75 Prozent profitieren können. Da das Uppstall-Kino zu einer großen Kette gehört, ist die dafür zulässige Maximalmitarbeiterzahl von 50 deutlich überschritten. Von daher müsse geschaut werden, wie der Ausgleich nach EU-Beihilferecht aussehen werde.

Das Stendaler Kino bleibt noch bis einschließlich 1. November geöffnet. An diesem Sonntag gibt es auch einige Sonderveranstaltungen. Um 14 Uhr wird ein Heimatfilm über Grassau gezeigt, der vom Heimatverein gedreht wurde. Um 17.30 Uhr läuft im Rahmen der Aktion „Lebenszeit“ der Film „Der marktgerechte Mensch“. Dafür ist der Eintritt kostenfrei.

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