Unternehmen auch kritisch sehen

Josephine Harzer (16) aus Lichterfelde untersucht für ihre Facharbeit die Situation des Osterburger Betriebs Ost-Bau.

Stendal. „Problematisieren Sie! Seien Sie kritisch!“ Jens Schößler findet Lisa Brunaus Rosarot-Porträt über die Regionalfiliale des Eon-Konzerns gestern Morgen zu „sehr positiv“ und „einseitig“. Dabei hat sich die Fachgymnasiastin aus Büste alle Mühe gemacht, den Arbeitgeber ihres Vaters möglichst sachlich darzustellen. Das die 17-Jährige dabei unerfreuliche Tatsachen, wie steigende Strompreise außen vor lässt, mag daran liegen, dass sie selbst für solche Kosten noch nicht löhnt.

So nimmt der Fachgymnasiumsleiter bis Mittag mit seinen Kolleginnen Anja Brauer, Renate Schröder und Kerstin Henning den Halbzeitstand entstehender Facharbeiten von 42 Elftklässlern der Klassen FG 10 a und FG 10 b in Augen- und Ohrenschein. Dabei muss sich das Pädagogenquartett nicht nur mit Grammatikfehlern, sonder auch mit der höchst webaffinen Arbeitsweise der Kinder der digitalen Multimediarevolution auseinandersetzen. Gerade deren verführerische Werte-schwächen hatte Schößler angesichts des Falls Dr. a.D. Karl-Theodor zu Guttenberg in seinem „Märchen zum Morgen“ an den Beginn der Zwischenbilanz im Dachgeschoss-Konferenzraum gestellt. Dennoch hörte er im Laufe des Vormittags von seinen Schülern immer wieder, dass fast ausnahmslos das Internet Quelle gewesen sei.

So schlug Betriebswirtschaftsfachlehrerin Brauer ihrem Schützling Jan Düwert aus Petersmark vor, das Unternehmen, über das er schreibe, unbedingt zu besuchen. Der 16-Jährige habe mit einem Betriebsratsmitglied gesprochen, eine Stippvisite im Zellstoffwerk bei Arneburg soll nun folgen. Einen Besuch an der Basis plant nun auch Stephan Engelhardt (21) aus Tangermünde, dessen Facharbeit von der Schiffbau- und Entwicklungsgesellschaft (SET) in seiner Heimatstadt handelt. Ebenfalls eine kurze Projektbetriebsanreise steht Roman Franke (17) aus Kamern bevor, der das Einmann-IT-Unternehmen seines Vaters beschreibt, während Tobby Günther (17) aus Neukirchen dafür in die Nachbarstadt Seehausen reisen muss, da er sich den Traditionsbetrieb Graepel-Stuv zu seinem Facharbeitsthema machte.

Wie schwierig echte Kontakte an der Basis mitunter aus Zeit- und Personalgründen zu haben sind, merkte Josephine Harzer (16) aus Lichterfelde durchaus kritisch an. So habe ein Betrieb ein 14-tägiges Praktikum verlangt, bevor es Facharbeit-Zuarbeit leisten wollte.

Von Antje Mahrhold

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