„Unhaltbar und diskriminierend“

Christian Hauer sitzt im Rollstuhl und übt massive Kritik am Stendaler Bahnhof

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Von Gleis 1 kann Christian Hauer mit IC oder ICE fahren. Alles jenseits von Gleis 3 ist für den gebürtigen Stendaler gar nicht erreichbar. Statt Aufzügen zu den Gleisen gibt es Treppen. Die Bahn will ab 2019 umbauen.

Stendal. „Ich finde es unhaltbar und extrem diskriminierend, wie mit Menschen mit Handicap am Bahnhof in Stendal umgegangen wird“, ärgert sich der gebürtige Stendaler Christian Hauer über die Zustände am Rolandstädter Haltepunkt.

Er leidet an einer schweren körperlichen Behinderung. „Das bedeutet, dass ich seit meiner Kindheit in einem Aktivrollstuhl sitze. Ich bin mit meinem Oberkörper mobil. Nur ist es mir nicht möglich, mit meinem Handicap ein paar Schritte zu gehen“, schreibt Hauer in einem Brief an die AZ. Der Stendaler Bahnhof ist aufgrund seiner unzureichenden Barrierefreiheit quasi regelmäßig in der Kritik. Umbauten wurden immer wieder verschoben.

Christian Hauer leidet seit seiner Geburt an der sogenannten „spina bifida“, die teilweise auch als Wirbelspalt bezeichnet wird. Es handelt sich um eine Fehlbildung des Neuralrohrs im Embryo, wo sich das zentrale Nervensystem befindet. Aufzüge für Menschen mit Behinderung oder anderen körperlichen Einschränkungen gibt es am Stendaler Bahnhof nicht. Die Stadtverwaltung kann nicht viel tun, denn das Gebäude gehört der Deutschen Bahn und nur diese kann entscheiden, ob und wann umgebaut wird. „Das Baurecht liegt vor. Ausschreibung und Vergabe erfolgen im kommenden Jahr und ab 2019 kann der Bau beginnen“, sagt Karin Meyer, Leiterin des Bahnhofsmanagements bei der DB, bei einer Infoveranstaltung in Stendal vor wenigen Wochen. Allerhöchste Zeit, findet Christian Hauer.

„Diese Baumaßnahme ist notwendig, um es Menschen mit Handicap zu ermöglichen, mithilfe von Bahnpersonal und Hubwagen in ICE und IC zu gelangen“, sagt der Betroffene, der mittlerweile in Querstedt zu Hause ist. Es sei ihm von Anfang an nur möglich gewesen, von Gleis 1 mit einem IC oder ICE zu fahren. „Von Gleis 2 und 3 kann ich nur mit der Regionalbahn fahren. Einen ICE oder IC kann ich dort nicht nutzen. Alle anderen Gleise sind für mich gar nicht nutzbar“, sagt Hauer. Begonnen werden soll auf dem Bahnsteig 4/5, dann 2/3, dann ist das eigentliche Gebäude an der Reihe, wie das Unternehmen mitteilt. Insgesamt wird das Bauvorhaben rund drei Jahre dauern, so Meyer. Für Hauer ist das aktuell aber keine Lösung. „Ich wollte kürzlich eine Fahrt nach Hamburg anmelden, die für nächsten Mittwoch geplant war. Ich konnte diese Fahrt nicht antreten, weil der Bahnhof Stendal am 21. August per E-Mail bekannt gegeben hat, dass das Bahnpersonal an dem Tag nur bis 20 Uhr arbeitet.“

Der Querstedter fühlt sich von der Bahn hingehalten. Und übt auch Kritik am Service vor Ort. „Einem Teil der Mitarbeiter merkt man an, dass sie sehr überfordert sind, mich in den Zug zu bringen.“ Er sei schon mehrfach in den falschen Waggon gesetzt worden. Christian Hauer fordert die Barrierefreiheit: „Ich hoffe, dass wir nun endlich Inklusion stattfinden lassen können.“

Von Mike Höpfner

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