1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Stendal

Umbau des Tunnelhäuschens: Bahnfans in Stendal gucken in die Röhre

Erstellt:

Von: Marco Hertzfeld

Kommentare

Das Tunnelhäuschen in Stendal führt nicht mehr nach unten, die Platten sind verlegt.
Der Röxer Tunnel, abgenutzt und durch eine neue Röhre daneben so ziemlich überflüssig, ist verfüllt worden. Obenauf liegen ganz offensichtlich frühere Treppenstufen. © Marco Hertzfeld

Bahnfans in Stendal gucken in die Röhre. Der Umbau des Tunnelhäuschens zu einem kleinen Ausstellungsraum hängt offenbar fest.

Stendal – Längst sollte aus dem übrig gebliebenen zweiten Tunnelhäuschen in Stendal ein Ausstellungsraum geworden sein. Nach dem Verfüllen der Röhre herrscht nun aber wieder Ruhe auf dem Bahnhofsvorplatz. Inwieweit das Projekt wann eine Chance hat oder ob vielleicht doch sogar ein Abriss erwogen wird, das Rathaus lässt sich nicht großartig in die Karten schauen. „Das Denkmal befindet sich im Besitz der Deutschen Bahn. Grundlage für alle weiteren Planungen wäre eine Vereinbarung mit dem Eigentümer Deutsche Bahn“, lässt Stadtsprecherin Susanne Hellmuth in Abstimmung mit den beteiligten Fachämtern wissen. So oder ähnlich klingen die Antworten auf Presseanfragen seit Monaten.

Das Tunnelhäuschen am Bahnhof in Stendal ist marode und soll umgestaltet werden.
Wo auf dem Hauptbahnhof auch Fernzüge halten, steht in Sichtweite das marode frühere Tunnelhäuschen. © Marco Hertzfeld

Von einem drohenden Abriss will Michael Trösken nichts wissen. Mit Wolfgang List, einem weiteren Eisenbahnfreund, macht er sich für den Erhalt des gerade einmal an die 20 Quadratmeter großen Objektes stark. „Das Häuschen gehört doch einfach zum Ensemble. Es einfach wegzunehmen, wäre fahrlässig und unklug. Zudem steht es unter Denkmalschutz, ein Abriss wäre nur unter bestimmten Bedingungen möglich“, meint Heimatfreund Trösken in dieser Woche gegenüber der AZ. Es bleibe dabei: Bauplanung und Sanierung seien Sache anderer, List und er würden ausschließlich bei der Ausgestaltung der kleinen Halle helfen. „Mehr können wir als Bürger nicht leisten.“

Stadt kommentiert Option Abriss nicht

Nach AZ-Informationen soll eine Sanierung etwa 65.000 Euro und mehr kosten. Wie viel Fläche den Bahnfreunden danach zur Verfügung stehen könnte, ist noch offen, wie so vieles. Historische Aufnahmen vom Häuschen zeugen von einer durchaus ansehnlichen Fensterarchitektur. Trösken ordnet sie im weitesten Sinne dem Jugendstil zu. Orientiert sich der Umbau des mehr als 100 Jahre alten Kleinods daran, bleibe auf einer Seite der untere Bereich, etwa für eine Art Bilderband zur Stendaler Eisenbahngeschichte. Auf einer Seite soll die Kopie eines sechs Meter langen Gleisplans von 1925 angebracht werden, womöglich verkleinert. Untergebracht werden soll zudem ein Regal mit Fachliteratur.

Ausstellungsraum bleibt das Ziel

Mit einem Gitter möge der Zugang zum Abend hin versperrt werden, die Bahnhofsmission könnte die Halle betreuen. So hatte es Trösken zuletzt umschrieben. Der Stendaler glaubt an ein lohnendes Projekt, dessen Ergebnis Einheimische und Gäste gleichermaßen freuen würde. Bei der Zeitschiene sieht er keinen Druck, momentan jedenfalls nicht. Der Sachsen-Anhalt-Tag als größeres Schaufenster der Stadt ist wegen Corona von 2022 auf 2024 verlegt worden. Aus dem Rathaus heißt es aktuell noch: „Zwischen den beteiligten Fachämtern und der Bahn gab es bereits mehrere Austauschrunden. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es in der Sache allerdings noch nichts Konkretes zu berichten.“

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Zuggeschichte(n) / Areal verdient besondere Note:
Der ganz große Zeitdruck besteht nicht mehr, das Landesfest mit einer viertel Million Besucher und mehr ist auf 2024 verschoben. Die Initiatoren, engagierte Heimatfreunde seit Jahren, geben sich ziemlich entspannt, das ehrt sie. Doch allmählich sollten Stadt und Bahn zu Potte kommen. Böse Zungen könnten ansonsten meinen, es bestehe gar kein echtes Interesse am Bestand des Objektes und ein Abriss sei durchaus eine Option. Dabei ist ein saniertes und umfunktioniertes Tunnelhäuschen eine echte Chance, den Bahnhofsvorplatz der Kreisstadt unverwechselbar zu gestalten. Stendal könnte mit einem Schmuckkästchen nicht zuletzt bei Touristen punkten.

Auch interessant

Kommentare