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Stendals Lichterwelt zum Advent steht kopf

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Von: Marco Hertzfeld

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Weihnachtsbeleuchtung hängt an einem Fenster.
Die Lichterwelt in Stendal und der Altmark steht kopf. Vielerorts wird die Weihnachtsbeleuchtung zumindest spärlicher ausfallen als in den Jahren zuvor. Ukrainekrieg und Energiepreiskrise wirken sich aus. © dpa

Ukrainekrieg und Energiepreiskrise schlagen sich auf Stendals Adventszeit nieder. Die Stadt dämpft die Vorfreude auf Weihnachtsbeleuchtung, Eisbahn und Weihnachtsmarkt.

Stendal – Die frohe Botschaft für all jene, die den Lichterglanz ab Ende November mögen, ja brauchen: Es wird ihn in der Hansestadt Stendal geben. Allerdings eingeschränkt. Des Weiteren: Ukrainekrieg und Energiekrise werden sich auch beim Weihnachtsmarkt niederschlagen. Die Eisbahn scheint sogar ganz auf dem Prüfstand. Und: Der traditionelle Weihnachtsbaum vorm Rathaus soll nicht ganz so leuchten wie in den Jahren zuvor. Ja, ist denn schon Weihnachten? Für das städtische Veranstaltungsmanagement und Kollegen längst. Die Vorbereitungen laufen. Bis Heiligabend sind es noch gut drei Monate.

Lampenglanz fällt morgendlich weg

„Die Weihnachtsbeleuchtung ist vom ersten Advent, 27. November, bis zum 6. Januar vorgesehen“, teilt Rathaussprecherin Susanne Hellmuth auf Nachfrage der AZ mit. Angebracht werden die Lichter wie gewohnt schon einige Tage zuvor. Leuchten werden sie dann täglich zwischen 16 und 22 Uhr. Der Einschnitt: „Die morgendliche Beleuchtung entfällt.“ Wie viel Energie die Stadt dadurch einspart, könne leider nicht beziffert werden. Für vorweihnachtliche Stimmung sorgt Beleuchtung jedenfalls nicht zuletzt entlang der Breiten Straße, der Einkaufsmeile, sowie rund um den Marktplatz, inklusive Rathaus.

Kunsteisbahn steht auf dem Prüfstand

Die Beleuchtung sollte am Sperlingsberg, am südlichen Ende der Einkaufsstraße, erweitert werden. „Da der Umbau des Sperlingsbergs verschoben ist, wird derzeit geprüft, ob eine Erweiterung der Beleuchtung technisch und baulich überhaupt realisierbar ist.“ Im Übrigen wollen Politik und Verwaltung das Energiesparen im Blick haben. „Die neue Beleuchtung für den Schadewachten besteht aus LED-Leuchten. Die bereits vorhandene Beleuchtung muss nach und nach umgerüstet werden, es wurden bereits Gespräche mit hiesigen Firmen geführt“, erläutert die Rathaussprecherin in dieser Woche weiter.

Strompreis drückt Weihnachtszauber

Die neue Beleuchtung, also die Umstellung auf LED-Leuchtmittel, werde „den Stromverbrauch um ein Vielfaches verringern“. Da die Umrüstung sukzessive erfolge, könnten die genauen Kosten sowie der Zeitpunkt der Umstellung derzeit nicht genau bestimmt werden. In den Haushalt für das Jahr 2023 sollen entsprechende Mittel eingeplant werden. „Die Mittelanmeldung ist noch nicht abgeschlossen“, weiß Hellmuth. Die Kosten der Weihnachtsbeleuchtung 2022 vermag in der Verwaltung niemand zu beziffern. Genaue Angaben zu Menge der Elemente und Lichter bleiben ebenfalls aus.

Festbaum 2022 eher bescheiden

Jedenfalls sind es offenbar nicht zuletzt Sternmotive, die in der altmärkischen Kreisstadt zu sehen sein werden. „Weihnachtsbeleuchtung hebt die Stimmung in der dunklen Jahreszeit. Sie sorgt hoffentlich für Besinnlichkeit und weihnachtliche Stimmung bei den Bürgern und Gästen der Hansestadt.“ Die Rathaussprecherin kann auf Anfrage auch gleich auf das schon fast traditionelle vorweihnachtliche Markttreiben verweisen. Es beginnt am 7. November und endet am 23. Dezember. Speis und Trank gibt es vor allem auf der Breiten Straße und am Winckelmannplatz. „Änderungen sind bisher nicht vorgesehen.“

Der Weihnachtsmarkt in Stendal steht für den 8. bis 11. Dezember im Kalender. Das Stelldichein werde „gerade fleißig im städtischen Veranstaltungsmanagement vorbereitet“. Klar ist bereits: „Es fallen höhere Stromkosten an, die auch auf die Händler umgelegt werden müssen.“ Der Markt sorge ebenfalls für Besinnlichkeit und weihnachtliche Stimmung. „Auch in Krisenzeiten möchte die Hansestadt den Menschen ein kulturelles Angebot liefern und den Zusammenhalt in der Gesellschaft fördern.“ Was der Weihnachtsmarkt kostet, eine Antwort spart Hellmuth aus. Finanziert wird er mit Haushaltsmitteln und Standgeldern.

Zur Eisbahnsaison 2022/23 bleiben die Angaben ebenfalls noch dünn. „Derzeit werden noch verschiedene nachhaltige Alternativangebote für Klick-Eisbahnen abgefragt“, heißt es aus dem Rathaus. Zahlreiche Veranstaltende denken demnach derzeit aufgrund der Energiekrise um. „Daher ist die Nachfrage bei den Anbietern von Alternativen zu herkömmlichen Eisbahnen sehr hoch.“ Was das für Stendal bedeuten kann, muss sich zeigen. Die Eisbahn fiel in den Jahren 2020 und 2021 wegen der Covid-19-Pandemie aus. Dieses Jahr könnte die deutsche Energiekrise die Pläne ins Leere laufen lassen.

Der Stendaler Weihnachtsbaum 2022 ist ein Stadtbaum, er stammt also diesmal nicht aus einem privaten Bestand. Die Blaufichte steht laut Rathaussprecherin auf dem Mönchskirchhof und muss im Zuge der Neugestaltung des Platzes gefällt werden. Der Festbaum wird erleuchtet, ja. „Allerdings werden wir in diesem Jahr keinen allzu großen Baum haben. Dieser Umstand kommt uns natürlich entgegen und wir können daher Lichterketten sparen.“ Und weiter: „Der Baum wird wie immer auf dem Marktplatz stehen und kostet nichts.“ Der Transport werde durch zwei ortsansässige Firmen unterstützt.

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Heiligabend in der Krise / Sparflamme ausreizen!
Eine Stadtsprecherin findet passende Worte, sicherlich. Die kommunalen Veranstaltungsmanager legen sich richtig ins Zeug, mag sein. Das Rathaus insgesamt will trotz allem gute Stimmung verbreiten, alles legitim und richtig. In gerade einmal acht Wochen beginnt die Adventszeit. Weihnachten soll das Fest der Liebe sein, auch in diesem Jahr. Angesichts von Ukrainekrieg und Energiekrise prophezeien so mancher Politiker und politische Beobachter einen heißen Herbst. Dabei scheint ein womöglich neu entflammtes Coronavirus noch nicht einmal groß einberechnet. Stendal fährt die öffentlichen Festlichter mindestens deutlich herunter, der Weihnachtsmarkt könnte nicht allein für die Händler teurer werden, eine Eisbahn ist keineswegs garantiert. Politik und Verwaltung in der altmärkischen Kreisstadt tun wirklich gut daran, im Veranstaltungskalender alles herauszuholen, was dieser wahrscheinliche Krisenwinter 2022/23 zulässt.

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