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Russland Lenin büßt in Stendal in der Ecke

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Von: Marco Hertzfeld

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Ein Lenin-Denkmal steht im Feuerwehrmuseum in Stendal in einer Ecke.
Lenin steht seit Monaten, ja Jahren, gut bewacht im Auslauf von Schäferhündin Bora. Wann und ob der steinerne Koloss überhaupt noch aus der Ecke in den Eingangsbereich des Feuerwehrmuseums gehievt wird, ist offen. © Marco Hertzfeld

Weil Lenin einst auch im Brandschutz mitmischen wollte, ist ein Denkmal des Kommunisten für das Feuerwehrmuseum in Stendal interessant. Der Ukraine-Krieg lässt Museumschef Michael Schneider nun zögern.

Stendal – Brennnesseln umgeben Lenin mindestens hüfthoch. Eigentlich wollte Michael Schneider den sowjetischen Weltrevolutionär spätestens nächstes Jahr aus der Ecke holen. Nun hat der Museumsleiter einige Bedenken. „Die Welt ist, wie sie ist, und sie ist derzeit alles andere als friedlich.“ In der Ukraine herrscht Krieg, Flüchtlinge erreichen die Altmark. Lenin stehe nun einmal mehr für die alte UdSSR und Russland und weniger für die postkommunistische Ukraine. Eine Renaissance des Denkmals aus DDR-Zeiten könnte mehr denn je nicht allen Menschen in den Kram passen. Für den 66-Jährigen nicht immer leicht nachzuvollziehen, habe Lenin doch nun einmal auch etwas mit Brandschutz zu tun gehabt.

Leiter befürchtet mehr Gegenwind

In der sowjetischen Besatzungszone nach dem Zweiten Weltkrieg und damit auch in Stendal wollten die neuen Machthaber für die Neuorganisation des Löschwesens ein Dekret heranziehen, das Lenin nach der Revolution in Russland 1917 mitverfasst hatte. Ein solcher Brandschutz wäre fast durchweg militärisch organisiert gewesen, das Prinzip der Freiwilligkeit mehr oder weniger beerdigt worden, es kam anders. Und, wer es nicht weiß: Die übermannshohe Figur in typischer realsozialistischer Pose musste Anfang der 1990er-Jahre den heutigen Nachtigalplatz in der altmärkischen Kreisstadt räumen und landete über Umwege auf dem Gelände an der Arneburger Straße. 2023 wird das Museum drei Jahrzehnte bestehen, ein Treffen der Arbeitsgemeinschaft der Feuerwehrmuseen in Deutschland steht auf der Liste.

Denkmal könnte Gäste begrüßen

So ganz will und kann der Altmärker nicht von dem Vorhaben lassen. Der ausgemusterte Kommunistenführer aus Granit könnte am Eingang die Gäste begrüßen. Eine Tafel soll den Russen Lenin, 1924 gestorben, und die Ereignisse einordnen helfen. Er sei natürlich kein Leninist, sondern mit Leib und Seele Feuerwehrhistoriker, betont Schneider auch diesmal gegenüber der AZ. Das Feindbild der freien bürgerlichen Welt sei eben tatsächlich Teil eines Projektes, das an die deutsch-sowjetische Nachkriegsgeschichte ab 1945 erinnern soll. Die Kosten bewegen sich nach bisheriger Einschätzung im überschaubaren Bereich, der Leiter des Feuerwehrmuseums geht von einem eher niedrigen vierstelligen Betrag aus.

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