Übungen bleiben theoretisch

Feuerwehren der Stadt Stendal verzichten vorerst auf praktische Ausbildung

Große Gruppen treffen sich bei der Feuerwehr momentan meistens nicht. Für das Warten auf eine Nachalarmierung wurden jedoch auf einem Fahrzeugstellplatz einige Sitzmöglichkeiten mit Mindestabstand eingerichtet.
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Große Gruppen treffen sich bei der Feuerwehr momentan meistens nicht. Für das Warten auf eine Nachalarmierung wurden jedoch auf einem Fahrzeugstellplatz einige Sitzmöglichkeiten mit Mindestabstand eingerichtet.

Stendal – Stadtwehrleiter Martin Jurga geht auf Nummer sicher: Zwar sind ab heute nach einer Mitteilung des Ministeriums für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt wieder Übungsdienste mit bis zu zehn Personen erlaubt, jedoch werden die Stendaler Feuerwehrleute weiterhin überwiegend theoretisch üben.

Alles andere sei noch mit zu viel Aufwand verbunden. Auch vom Versicherer lägen noch keine neuen Vorschriften vor. Nach Pfingsten sollen jedoch die Jugendfeuerwehren auch wieder theoretische Übungsdienste haben können. .

„Die letzten sechs Wochen hatten wir keinen Übungsdienst“, erklärt Jurga. Einsätze seien natürlich gefahren worden, auch wenn es da Einschränkungen gegeben habe. Normalerweise sind Löschgruppenfahrzeuge (LF) auf eine Feuerwehrgruppe ausgelegt. Diese besteht aus drei Trupps zu je zwei Mann, dem Gruppenführer, einem Melder und dem Maschinisten, der das Fahrzeug fährt und die Geräte bedient. Um Abstandsregeln einhalten zu können sind diese Fahrzeuge in den vergangenen Wochen nur mit einer Staffelbesatzung ausgerückt. Bei dieser fehlen ein Trupp und der Melder. Um dennoch Einsätze mit einer vollständigen Gruppe fahren zu können, folgen die fehlenden Mitglieder in einem Mannschaftstransportwagen (MTW). „Die Feuerwehren der Ortsteile mit LF haben dann noch einen MTW dazu gekriegt“, erläutert Jurga. So konnte auch in kleineren Ortsfeuerwehren die Einsatzbereitschaft aufrecht erhalten werden. Die Aktivitäten, für die die MTWs sonst genutzt werden, fielen ohnehin aus.

Zu Beginn der Krise seien auch viele Konzepte entwickelt worden, wie Feuerwehren im Einsatz agieren sollen, wenn kein Mund-Nasen-Schutz oder keine FFP2 Masken verfügbar sind. „Im Zweifelsfall wird dann unter schwerem Atemschutz gearbeitet“, sagt Jurga. Mittlerweile habe sich die Liefersituation jedoch eingespielt. Dass die Feuerwehrleute eine Türöffnung oder einen Patiententransport mit Pressluftatmern absolvieren müssen, ist also eher unwahrscheinlich. „Wir halten uns da an die Empfehlungen der Fachleute“, stellt Jurga klar. Deshalb wurde auch eine kleine Wartezone in der Fahrzeughalle eingerichtet. Die Einsatzleiter seien dazu angehalten vor Ort möglichst schnell die Lage zu erkunden und an die Leitstelle zu melden, ob noch mehr Einsatzkräfte benötigt werden. Die auf eine mögliche Nachalarmierung wartenden Feuerwehrleute können in dieser Zeit unter Einhaltung des nötigen Mindestabstands Platz nehmen. Mit der schnellen Rückmeldung können sie dann wieder nach Hause fahren und so Menschenansammlungen vermeiden.

Trotz hoher Ausbildungsstandards sollte möglichst bald wieder ein praktischer Übungsdienst möglich sein. Schließlich gebe es in Stendal keine Berufsfeuerwehr, in der die Mitglieder täglich stationiert sind. Zwar verlerne man es nicht so schnell einen Schlauch zu rollen, aber bei anderen Aufgaben und Abläufen könne man aus der Übung kommen. „Praktische Ausbildung ist nur eingeschränkt möglich“, erklärt Jurga. Einen Löschangriff zu proben sei beispielsweise unmöglich, technische Ausbildung an Funkgeräten jedoch zu realisieren.

VON STEFAN HARTMANN

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