„Überprüfen die Informationskette“

Nach „Geruchsereignis“ kündigt Zellstoffwerk in Arneburg Konsequenzen an

Großalarm wegen „faulen Eiern“: Spezialkräfte der Feuerwehr haben Schwefelwasserstoff gemessen. Die Chefetage der Großfabrik stellt als Reaktion die Kommunikation mit dem Landkreis auf den Prüfstand.
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Großalarm wegen „faulen Eiern“: Spezialkräfte der Feuerwehr haben Schwefelwasserstoff gemessen. Die Chefetage der Großfabrik stellt als Reaktion die Kommunikation mit dem Landkreis auf den Prüfstand.

Arneburg – Als Reaktion auf den Feuerwehr-Großeinsatz und dem vom Landkreis Stendal ausgerufenen Gasgeruch-Alarm hat sich das Zellstoffwerk in einer offiziellen Mitteilung entschuldigt.

„Mercer Stendal bedauert diese Belästigung und bittet alle Betroffenen für die Unannehmlichkeiten um Entschuldigung“, teilt Unternehmenssprecherin Daniela Wedel der AZ mit.

André Listemann, Geschäftsführer Mercer Stendal

Wie berichtet, waren am Freitagnachmittag ab etwa 16.30 Uhr insgesamt 59 Feuerwehrkräfte aus Goldbeck, Klein Schwechten, Hohenberg-Krusemark, Arneburg, Werben, Osterburg und Stendal mit insgesamt zwölf Fahrzeugen üblen Gerüchen auf der Spur. Auch zwei Spezialfahrzeuge für CBRN-Gefahren (chemische, biologische, radiologische und nukleare Stoffe) wurden in Goldbeck und Klein Schwechten eingesetzt – weil Gasgeruch vermutet worden war, der sich in westlicher Richtung ausgebreitet hatte.

Messungen hätten dann ergeben, dass keine gesundheitsschädliche Konzentration vorgelegen habe. Deshalb habe auch keine Gefahr für die Bevölkerung bestanden, teilt die Verbandsgemeinde mit. Über die Leitstelle sei in Absprache mit der Einsatzleitung besagte Gasalarm-Warnung veröffentlicht worden, weil zwischenzeitlich diverse Anwohner den üblen Geruch auch aus westlicher Richtung gemeldet hatten. Der Gestank erinnert an faule Eier. Er ist in der näheren Umgebung der Großfabrik vielen Durchreisenden nicht neu.

Das Unternehmen spricht von einem „Geruchsereignis“, das sich am besagten Tag gegen 15.15 Uhr ereignet habe. Demnach seien etwa 20 Minuten lang „Geruchsgase über den Schornstein“ ausgeströmt. Grund sei gewesen, dass „die Verbrennungseinrichtung für Geruchsgase kurzzeitig nicht zur Verfügung“ gestanden habe, wie die Sprecherin schildert. Betroffen gewesen seien Orte, die westlich von der Großfabrik liegen. Besonders stark sei der Gestank im „Raum Goldbeck“ aufgetreten.

Verantwortliche der Leitstelle und der Polizei hätten sich den Angaben der Sprecherin zufolge erst etwa eine Stunde nach der Alarmierung der Feuerwehr beim Unternehmen gemeldet. Ein Schichtleiter habe dann über das Ereignis informiert. „Für die Bevölkerung bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr“, betont die Sprecherin.

Dennoch hat der Zwischenfall Konsequenzen. So will das Unternehmen seine Kommunikation überprüfen. Die Sprecherin kündigt jedenfalls an, dass die Chefetage um Geschäftsführer André Listemann „die etablierte Informationskette für derartige Vorkommnisse“ auf ihre Funktionstüchtigkeit kontrollieren wolle. Demnach will der Großbetrieb mit Verantwortlichen des Landkreises die Informationskette „überprüfen“, kündigt die Verantwortliche im Namen des Tochterunternehmens des nordamerikanischen Konzerns Mercer International Inc. in einer Presseinformation an. In Arneburg sind circa 455 Mitarbeiter, darunter rund 30 Azubis, tätig.

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