Gewalt und Wahlplakat: Attacke auf AfD-Politiker in Stendal

Polizei ordnet Schläger keiner Szene zu

Ein Mann streckt bedrohlich die Faust aus.
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Ein Faustrecht sollten Demokraten nicht kennen.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Einiges scheint an diesem Wahlkampf in Stendal und Umgebung rauer als gewohnt. Die Attacke auf einen AfD-Abgeordneten beschäftigt die Stendaler Polizei weiter. Und: Plakate verschiedener Parteien zur Landtagswahl Anfang Juni werden zunehmend beschädigt oder verschwinden ganz.

Stendal – Im Fall der Attacke auf einen AfD-Landtagsabgeordneten und zwei Wahlhelfer verfestigt sich das beschriebene Szenario. „Durch unabhängige Zeugen wurde der Tatablauf, wie in der Ausgangsmeldung dargestellt, bestätigt“, teilt Beatrix Mertens in dieser Woche auf AZ-Nachfrage mit. Es sind insgesamt drei Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, zwei wegen Körperverletzung und eines wegen gefährlicher Körperverletzung. „Über die Anklageerhebung entscheidet letztendlich die Staatsanwaltschaft“, erläutert die Sprecherin der Polizeiinspektion (PI). „Derzeitig liegen keine Erkenntnisse bezüglich der Zuordnung der Tatverdächtigen zu einem konkreten politischen Spektrum zu.“ Die AfD hatte die beiden Männer kurz nach dem Angriff vom 25. April der linken Szene zugeordnet.

Wahlplakate an der Moltkestraße in Stendal. Der Wind oder Zerstörungswut? In dem Fall offen.

Landespolitiker und Wahlhelfer waren an diesem Sonntagabend in Stendal unter anderem im Bereich Ostwall unterwegs und brachten Plakate an. Hierbei wurden sie mit Faustschlägen attackiert. Die Polizei registrierte, wie in der AZ berichtet, Prellungen und eine Platzwunde. Durch die umgehend eingeleitete Fahndung konnten die zwei mutmaßlichen Täter in der Nähe gestellt werden. Der 22-Jährige soll aus der Niederen Börde kommen, der 26-Jährige aus Magdeburg. Zu den möglichen Motiven der beiden Angreifer äußert sich die PI auch diesmal nicht weiter. Und: „Ähnliche Vorfälle sind der Polizei in Stendal in jüngster Vergangenheit nicht angezeigt worden.“ 2021 ist ein Superwahljahr, unter anderem wird im Juni der Landtag neu gewählt und im September der Bundestag.

Die AfD sieht sich derweil im besonderen Maße angegriffen. Neben der Attacke vom April beklagt sie einen „nunmehr massiven Vandalismus an allen Plakatwerbungen“. In Tangermünde beispielsweise seien an mehreren Stellen in einer „konzertierten Aktion“ Banner zerstört worden, in Stendal habe es zuvor ein Großplakat getroffen. „Insgesamt wurden weiterhin bereits etwa 40 Einzelplakate im gesamten Stendaler Stadtgebiet zerstört oder gestohlen“, heißt es von der Partei. „Während die Gewalt gegen die AfD gesellschaftlich totgeschwiegen wird, zeigen sich die Auswirkungen dieses Jahr im Landkreis Stendal in einem bisher nicht gekannten Ausmaße sehr deutlich“, wird in dem Schreiben behauptet.

Die Zerstörungswut trifft tatsächlich auch andere Parteien und nicht allein die AfD. „Bislang wurden Beschädigungen an Wahlplakaten folgender Parteien im Landkreis Stendal angezeigt: AfD: 12, SPD: 2, Bündnis 90/Die Grünen: 2, Partei Die Linke: 2.“ Was die PI-Sprecherin auflistet, erreichte die AZ am frühen Dienstagvormittag (4. Mai). Inzwischen hat die Polizei weitere Vorfälle gemeldet oder über die genannten breiter informiert. In Seehausen beispielsweise hat es Plakate von FDP, SPD, CDU, Bündnisgrünen und Linken getroffen. In Stendal wurde AfD-Werbung mit schwarzer Farbe besprüht. Und in Osterburg sind 18 Wahlplakate entwendet worden, allesamt gehörten sie der AfD. Die Wahl im Juni findet in Coronazeiten statt, üblichen Wahlkampfveranstaltungen sind Grenzen gesetzt.

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