Klinikum und Kommunalpolitik verärgert über Schandfleck

Uchtspringe: Alter Bahnhof sorgt für Rätselraten

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Ein Zaun grenzt das marode Gebäude ab. 

Uchtspringe – Der Wolf bedroht drei kleine Schweinchen, das Strohhaus und das Holzhaus der ersten zwei pustet er weg, am Steinhaus des dritten scheitert er. Wer den alten Bahnhof in Uchtspringe sieht, könnte meinen, der Wolf hätte an dieser Stelle Erfolg gehabt.

Das nicht sonderlich große Gebäude wirkt wie aus der Zeit gefallen. Eine schöne Geschichte oder ein Märchen mit glücklichem Ausgang kann Salus-Sprecherin Franka Petzke dort schon lange nicht mehr erkennen. Das marode Objekt steht an repräsentativer Stelle nahe dem Gesellschaftshaus, welches das Land für zwei Millionen Euro hat sanieren lassen.

Auf wackligen Füßen steht diese Seite des Bahnhofs, ein Teil ist bereits eingestürzt.

„Der desolate Zustand des Objektes ist in der Tat ein großes Ärgernis, denn das baufällige Objekt hebt sich störend vom sanierten Areal der Salus ab und beeinflusst den Gesamteindruck äußerst negativ.“

Zug-Konzern: Haus vor Jahren verkauft

In so manchen Bereich des Fachklinikums ist nach der politischen Wende in Ostdeutschland ein zweistelliger Millionenbetrag gesteckt worden. Die Salus und ihre Tochtergesellschaften sind einer der größten Arbeitgeber in der Region. „Was den alten Bahnhof betrifft: Er gehört nicht der Salus gGmbH, sondern der Bahn“, vermutet die Sprecherin in Magdeburg auf Nachfrage der AZ. Und liegt damit offenbar falsch.

Oder zumindest nicht ganz richtig. Wem der ausrangierte Bahnhof gehört, scheint in Politik und Verwaltung momentan niemand richtig zu wissen. „Das Bahnhofsgebäude ist seit vielen Jahren nicht mehr im Besitz der Deutschen Bahn“, lässt Sprecher Jörg Bönisch in Leipzig wissen. Ortsbürgermeister Jürgen Schlafke und Ortschaftsrat wollen von einem neuerlichen Besitzerwechsel im April wissen. Nachforschungen in Nordrhein-Westfalen blieben ohne Erfolg. Und Rathaussprecher Philipp Krüger meldet: „Eine offizielle Bestätigung des Verkaufs wurde der Hansestadt Stendal bis heute noch nicht angezeigt.“

Ortschef sucht nach richtigem Besitzer

Ein Schild, das viel sagt.

Sozialdemokrat Schlafke verliert allmählich die Geduld. „Die Ruine muss weg, einfach abreißen, plattmachen und gut ist es.“ Als vor mehr als zwei Jahrzehnten die ICE-Strecke gebaut und der Bahnhof nach Norden verlegt wurde, kam das Gebäude weiter aus der Spur. Bauhistorisch besonders wertvoll sei es eh nie gewesen und es stehe auch nicht unter Denkmalschutz, meint der Ortschef im Gespräch mit der AZ. Es ist mehr und mehr zerfallen. Zwischenzeitlich sollen zumindest in einem Teil des Komplexes Menschen gewohnt haben. „Das Gebäude steht leer und es ist nicht mehr zu retten.“

Der Komplex ist mit einem Bauzaun gesichert. „Weshalb eine Gefährdung des öffentlichen Bereiches nicht zu erkennen ist“, heißt es aus der Kernstadt Stendal.

Stadt wartet auf Ansprechpartner

Im rechtsgültigen Flächennutzungsplan der Gemeinde Uchtspringe sei der Bereich als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen. Demnach seien rein baurechtlich „zum Beispiel Wohnen, der Versorgung des Gebietes dienende Läden, Schank- und Speisewirtschaften, nicht störende Handwerksbetriebe, Anlagen für kirchliche, kulturelle, soziale, gesundheitliche und sportliche Zwecke“ allgemein zulässig, formuliert Krüger mit aller Vorsicht.

Wirklich verbindlich und entschieden scheint momentan wenig. Ein Teil des Areals könnte auch der Kommune gehören. Ortsbürgermeister Schlafke würde es nach eigenem Bekunden schon reichen, wenn dort künftig Bäume und eine Sitzgruppe stünden. „Dort kommen so viele Leute vorbei, der Schandfleck liegt auf dem Weg zu unserem modernen Bahnhof, zu den Sportstätten. Es ist ein unmöglicher Zustand.“ Als Uchtspringe noch eigenständig war, sollte das Grundstück gekauft und nicht zuletzt ein Feuerwehrgerätehaus dort errichtet werden. Doch auch dieser Plan verlief im Sand. „Wir bleiben dran.“

VON MARCO HERTZFELD 

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