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Tunnelhäuschen: Projekt Kleinstmuseum in Stendal erhält Schub

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Von: Marco Hertzfeld

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Im alten Röxer Tunnel in Stendal laufen Leitungsarbeiten.
Momentan laufen Leitungsarbeiten an der Röhre. Der Röxer Tunnel wird anschließend ganz geschlossen. © Marco Hertzfeld

Das mehr als 100 Jahre Tunnelhäuschen in Stendal soll ein Kleinstmuseum werden. Bahnfreund Michael Trösken glaubt wieder stärker an ein Projekt.

Stendal – Mit schwerer Technik setzen Arbeiter dieser Tage dem Röxer Tunnel zu. Die Röhre wird bekanntlich bald geschlossen, das ebenso mehr als 100 Jahre alte Tunnelhäuschen auf dem Stendaler Bahnhofsvorplatz bleibt erhalten. Eisenbahnfreund Michael Trösken nimmt derweil für ein Kleinstmuseum in dem denkmalgeschützten Objekt, das sich vielleicht auch als Bahn- oder Gleisgalerie bezeichnet lässt, positive Signale von der Stadt wahr. „Wenn die konkreten Planungen noch in diesem Jahr beginnen, sind wir alle miteinander glücklich“, kann der Altmärker der AZ nach einigem Hin und Her berichten. Und natürlich: Der Sachsen-Anhalt-Tag im Juli ist nun keine Zielmarke mehr, er wird wahrscheinlich auf 2024 verschoben. Bei einem solle es bleiben: Trösken und Mitstreiter kümmern sich um die Dokumentation, die Stadt ist für das Bauliche zuständig.

Das Tunnelhäuschen auf dem Bahnhofsvorplatz in Stendal macht einen maroden Eindruck.
Kein Aushängeschild am Bahnhof: Das Häuschen wurde in den vergangenen Jahrzehnten stark vernachlässigt. © Marco Hertzfeld

Nicht auf Abrissliste: Ausbau rückt näher

Dass die Eigentumsfragen mit der Bahn entsprechend geklärt sind oder weiter werden, davon geht Trösken aus. Überhaupt sieht der Altmärker das Projekt derzeit wieder stärker in der Spur. Das Häuschen muss rundum erneuert werden, die Kaschade-Stiftung sitzt mit im Boot. Die Grundfläche misst vielleicht 20 Quadratmeter, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wolfgang List, ein Eisenbahnforscher in der Hansestadt, und Trösken beginnen mit den Vorbereitungen zur Ausgestaltung, wenn sie wissen, wie viel Fläche ihnen an den Wänden zur Verfügung steht. An der hinteren Wand könnten Stiftung und Büchernetzwerk ein Regal für Eisenbahnliteratur unterhalten. An der Ostseite möchte Trösken gern die Kopie eines sechs Meter langen Gleisplans von 1925 anbringen, womöglich verkleinert.

Landesfest keine Zielmarke mehr

Die Westseite des Fachwerkbaus soll möglichst wieder eine ordentliche Glasfront bekommen. „Ob es nun Bleiverglasung wird oder nicht, die Stadt macht sich Gedanken“, ist Trösken überzeugt. Historische Aufnahme vom Tunnelhäuschen zeugen von einer durchaus ansehnlichen Fensterarchitektur. Der Heimatfreund ordnet sie im weitesten Sinne dem Jugendstil zu. Was unterhalb der Glaspartie möglich wäre, müsste sich dann zeigen, vielleicht ja eine Art Bilderband. „Stopp, halt, noch einmal zurück zur Ostseite! Was wir nicht vergessen dürfen, sind die Infotafeln, die einzelne Abschnitte in Stendals Eisenbahngeschichte beleuchten sollen. Die Zeit bis zum Ersten Weltkrieg, die Zeit zwischen den Kriegen und so weiter.“ Die Tafeln könnten regelmäßig getauscht werden, damit keine Langeweile aufkommt.

Trösken: Geschichte populär anbringen

Trösken sieht sich in einem konstruktiven Austausch mit den Fachämtern. Für die Vorderseite könnte es auf ein Gitter hinauslaufen. Die Bahnhofsmission könnte die kleine feine Ausstellungshalle betreuen. Zerstörungswütige sollen auf keinen Fall zum Zuge kommen. Zuletzt hatte Trösken von einer richtigen Tür gesprochen und davon, dass die nahe Taxizentrale den Schlüssel führen könnte. Das scheint vom Tisch. Die Eisenbahnfreunde glauben wieder mehr an ein möglichst zeitnahes Projekt. Und übrigens: „Dass die Stadtwerke den alten Tunnel von 1912 stärker für Versorgungsleitungen nutzen und dieser nicht einfach nur zugeschüttet wird, ist eine richtig kluge Lösung“, findet Trösken. Die Röhre soll in diesem Frühjahr geschlossen sein (die AZ berichtete).

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