Im Schatten des großen Nachbarn

Touristen und das Geld: Stendal verliert sich in Magdeburgs Lichterwelt

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Nur eine der zahlreichen Lichtkunstszenen: Der legendäre Halbkugelversuch, hier auf dem Domplatz.

Stendal – Deutlich mehr Gäste in der Stadt, die Touristenzahlen steigen. Einzelhandel und Gastronomie verzeichnen laut Medienberichten Zuwächse von zehn Prozent und mehr. Der Landeshauptstadt Magdeburg scheint mit der „Lichterwelt“ ein Coup gelungen.

Die Erfolgsgeschichte des großen Nachbarn ist in Stendal bekannt. Wie stark diese womöglich auf Kosten der gut 60 Kilometer entfernten Altmärker geschrieben wird, kann Stadtsprecher Armin Fischbach im AZ-Gespräch nicht so einfach sagen.

„Die Ausstellung ist in ihrer Art schon einzigartig, jedoch können wir den potenziellen Abfluss von Geldern nicht beurteilen.“

Ein Euro lässt sich nur einmal ausgeben, die Zeit vor und nach Weihnachten ist Unternehmern besonders wichtig, die Kasse muss klingeln. Und natürlich wollen auch Einheimische und Gäste unabhängig davon eine Stadt in besonderem Glanz sehen. „Schon seit einigen Jahren sind wir dabei, die Innenstadt attraktiver zu gestalten. Seien es nun Sanierungen, die Drehung des Verkehrs am Markt oder unsere illuminierte Blutbuche auf dem Winckelmannplatz, die sich großer Beliebtheit erfreut“, zählt Fischbach Beispiele auf. Und: Für die nächste Saison soll neue Festbeleuchtung angeschafft werden.

Wie tief die Stadt dafür in die Tasche greifen will, sagt der Rathaussprecher nicht. Für die großformatigen Elemente fast überall in der Innenstadt haben die Magdeburger 1,6 Millionen Euro investiert. Eine Weihnachts- und Winterbeleuchtung, die sich Stendal wahrscheinlich in dieser Form auch schlichtweg nicht leisten kann und muss. Bis Anfang Februar sollen die Lichtfiguren in Magdeburg noch aufgebaut sein und dann wieder nächste Saison. Ganz unberührt dürfte die Altmark das nicht sehen, die Region will schließlich selbst touristisch zulegen. Und das nicht nur in der Advents- und Weihnachtszeit.

„Im Vergleich zu anderen Städten unserer Region können wir mit unserer Eisbahn punkten“, zeigte sich Fischbach schon im alten Jahr überzeugt. Schon in der ersten Woche seien 1300 Besucher verzeichnet worden. „Urteilt man nach den vielen Telefonaten, die meine Kollegen diesbezüglich führen, planen auch in den nächsten Tagen noch sehr viele Familien einen Besuch Stendals, um die Eisbahn zu nutzen und anschließend vielleicht noch shoppen oder essen zu gehen.“ Bis zum Ende der Eisbahnsaison Mitte Februar leuchten übrigens auch noch die Lichter in der Blutbuche.

Der viertägige Weihnachtsmarkt im Dezember, die Innenstadtbeleuchtung, die inzwischen fast wieder abgebaut ist, und mehr: Wie viele Menschen die Kreisstadt dennoch dieses Jahr haben links liegen lassen und lieber in die Lichterwelt Magdeburg gefahren sind, sei unmöglich festzustellen. Fischbach sieht Stendal sowieso in einem guten Licht. „Auch wenn wir schon sehr stolz auf unsere aktuellen Leistungen sind, gibt es natürlich noch Potenzial für Verbesserungen.“ Und das nicht allein für diese Wochen. Es gehe dem kommunalen Veranstaltungsmanagement nicht zuletzt um neue Stadtführungen und weitere Souvenirs.

Stendal gilt neben Tangermünde als die Touristenstadt im Landkreis. Mit genauen Zahlen kann der Rathaussprecher auf die Schnelle nicht dienen. Schwierig seien solche Erhebungen in diesem Fall auch, da die Altmarkstadt dank der überregionalen Zuganbindung von vielen Tagestouristen besucht werde. „Wir können bei den Stadtführungen eine Steigerung verzeichnen, welche hoffentlich in den nächsten Jahren auch aufgrund des Sachsen-Anhalt-Tages weiter ansteigen wird“, teilt Fischbach der AZ mit, ohne auch hier gleich konkrete Zahlen nennen zu können. Das Landesfest findet 2022 statt.

Was der Stadt momentan von anderer Seite fehlt, ist ein gemeinsames Sprachrohr der Innenstadthändler, ein Verein oder auch nur festerer Zusammenschluss. „Ein Verein könnte eine ungemeine Bereicherung für unsere Einkaufsmeile sein, da er eine bessere Koordination und Vertretung der jeweiligen Interessen ermöglichen würde“, ist Fischbach überzeugt. Auf einem möglichen Wunschzettel weit oben stünde ein einheitliches Werbekonzept. Kurzum. „Die Stadtverwaltung würde es begrüßen, einen zentralen Ansprechpartner zu haben.“ Magdeburg verfügt über mindestens einen solchen Verein.

VON MARCO HERTZFELD 

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