Tourismus: Neues Wegesystem auf der Zielgeraden

Knoten für Radfahrer in Stendal geknüpft

Eine Radfahrerin blick zu einem neuen Wegweiser am Ostpark in Stendal.
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Radler in der Altmark sollen es besser haben. Was am Ostpark in Stendal auch Blicke von Spaziergängern und Autofahrern auf sich zieht, ist Teil des Knotenpunktsystems.
  • Marco Hertzfeld
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So holprig wie der Name „knotenbezogene Wegweisung“ einem erscheinen kann, soll es in der Praxis für Radfahrer nicht laufen. Stendal hat neue Schilder aufstellen lassen.

Stendal – Es klingt ein wenig kompliziert. Unterwegs soll für Radfahrer aber einiges besser laufen. Die sogenannte knotenbezogene Wegweisung, auch Knotenpunktsystem genannt, erobert den Nordosten Sachsen-Anhalts. Ein Leaderprojekt macht es möglich. Schon allein in der Einheitsgemeinde Stendal umfasst sie 16 Knotenpunkte, 114 Fahnenwegweiser und 184 Zwischenwegweiser an insgesamt 176 Standorten. Dazu gehören nicht zuletzt auch 13 große eigenständige Infotafeln und elf kleine im DIN-A4-Format mit der Darstellung des Radwegenetzes. Spätestens in der nächsten Woche und noch einigermaßen zeitgleich mit dem Beginn der Fahrradsaison 2021 dürfte ein Großteil der Arbeiten damit erledigt sein.

60.000 Euro fließen in neues System

Die Gesamtkosten für die Hansestadt Stendal liegen bei circa 60.000 Euro, wovon 12.000 Euro, also 20 Prozent, aus der eigenen Kassen kommen. Die Federführung für das Kooperationsprojekt, an dem gut ein Dutzend Kommunen beteiligt sind, hat bis zu einem gewissen Punkt die Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land. „Durch die komplette Neukonzeptualisierung der Beschilderung, welche die gesamte östliche Altmark, das Havelland und das Jerichower Land umfasst, werden überregionale Radwege aufgezeigt“, weiß Rathaussprecher Armin Fischbach auf Nachfrage der AZ. Für Bürger, die es nicht so mit dem Radfahren haben, ist das Ganze vielleicht noch ein Buch mit sieben Siegeln.

Tourenkarte soll überflüssig sein

„Der größte Pluspunkt des Vorhabens ist, dass wir überhaupt erstmals eine flächendeckende, zusammenhängende Beschilderung bekommen. Ein Novum in Stendal, denn bis auf vereinzelte Ausnahmen gab es so eine einheitliche Wegweisung bislang schlicht nicht.“ Sie biete den Bürgern und Gästen der Stadt eine Orientierung. „Außerdem sind die Schilder im Stadtbild präsent und sind das wohl bislang öffentlichste Symbol der Wertschätzung gegenüber dem Fahrradverkehr“, ist der Rathaussprecher überzeugt. Und in der Tat: Der eine oder andere recht bepackte Knotenpunkt und Fahnenwegweiser könnte einem in der Kernstadt und den anderen Ortschaften schon aufgefallen sein.

Leader-Projekt überregional

„Die Knotenpunkte ermöglichen es dabei, ohne eine Karte die ausgewiesenen Radrouten zu nutzen, weil jeder Punkt in den nächsten Knotenpunkten vernetzt ist.“ Radeln nach Zahlen sei eine recht treffende Umschreibung. „Die Zwischenwegweiser stellen sicher, dass man auch am nächsten Knotenpunkt ankommt.“ Ganz neu ist die Idee nicht, Belgien und die Niederlande gelten als Vorreiter. Für die Hansestadt Stendal ist naturgemäß nicht zuletzt das Sachgebiet Veranstaltungsmanagement und Tourismus beteiligt. „Das regionale Netz wird transparenter, manch einem vielleicht erstmals überhaupt gewahr, und mit landesweiten touristischen Themenschwerpunkten vernetzt“, erläutert Fischbach.

Saison 2021 könnte Feuerprobe sein

Die Straße der Romanik und das Blaue Band nennt der Rathaussprecher als Beispiele. Ein weiterer Vorteil bestehe darin, dass individualisierte Angebote für öffentliche Tourismusstellen und für private Anbieter geschaffen werden. „Touren können mit einfachen Zahlenreihen zusammengestellt und den Gästen digital oder analog zur Verfügung gestellt werden.“ Und natürlich: „Die gesamte Region erhofft sich eine Attraktivitätssteigerung des Radwegenetzes und des Tourismus in der Altmark und die Bildung weiterer Themenrouten.“ Ob das Knotenpunktsystem in Stadt und Landkreis Stendal wirklich eine Erfolgsgeschichte wird, bleibt allerdings noch abzuwarten.

Nachteile des Systems wollen Fischbach nicht so recht einfallen. Die herkömmliche Führung werde mit den Knotenpunkten objektiv verbessert und sollte dadurch bequemer zu nutzen sein. „Möglicherweise mag sich manch einer an der Radeln-nach-Zahlen-Thematik stören, ich bin jedoch zuversichtlich, dass dies Gewöhnungssache ist.“ Dass das System vordergründig eine touristische Beschilderung und nur bei ausgewählten Strecken vorhanden sei und noch nicht im gesamten Stadtgebiet und zu allen Ortsteilen, gehöre ebenfalls zur Zwischenbilanz. Das System könne gegebenenfalls später ergänzt werden. Und wie gesagt: Die Feuerprobe im Stadtgebiet muss es nun erst noch bestehen.

Wie viele Radtouristen bereits jährlich in Stendal unterwegs sind, lasse sich auf die Schnelle und auch so verlässlich schwer sagen. Der Radtourismus solle auf jeden Fall zulegen, Corona hin, Corona her. Der Elberadweg verläuft durch den Landkreis und ist ein großer Magnet. In der Fläche gibt es noch den Altmarkrundkurs. „Dieser ist nun in die neue Wegführung vollständig integriert und mit dem Elberadweg vernetzt. Dazu kommen noch andere touristisch interessante Strecken, somit auch die gesamte Landschaft der Altmark bequem erkundet werden kann“, meint Fischbach. Und: „Der altmärkische Tourismus soll bequemer, besser nutzbar und einfach attraktiver werden.“

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