Kamerafrau Kathrin Kroll schenkt Eltern eine schöne letzte Erinnerung an ihr Sternenkind 

„Tote Kinder fotografiert man nicht“

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Das letzte Bild von dem kleinen Pablo und seinen Eltern. Der Junge kam in Salzwedel auf die Welt. Kathrin Kroll versuchte, die schönen Seiten des kleinen Körpers festzuhalten, um den Eltern eine schöne Erinnerung an ihr Kind zu hinterlassen.

Stendal/Gardelegen. Ihr Steckenpferd sind Hochzeitsbilder, Familienfotos, werdende Mütter, die stolz ihre Babybäuche ablichten lassen wollen, und Babys. Lauter glückliche Momente, die Fotografin Kathrin Kroll aus Gardelegen mit einigen Schnappschüssen festhält.

Doch das Leben besteht nicht nur aus glücklichen Ereignissen, sondern auch aus schmerzhaften Schicksalsschlägen. Wie zum Beispiel den Verlust eines Neugeborenen – eines Sternenkindes.

Fotografin Kathrin Kroll (33).

Seit einem Jahr engagiert sich die 33-jährige Fotografin ehrenamtlich im Verein „Dein Sternenkind“. Eltern, die bereits ein totes Baby auf die Welt gebracht haben oder denen der Tod des Neugeborenen unausweichlich bevorsteht, können über die Webseite „www.Dein-Sternenkind.eu“ Fotografen anfordern, die dann kostenfrei professionelle Erinnerungsfotos von ihrem Kind machen. In der Altmark ist Kathrin Kroll die Einzige, die sich dieses Themas annimmt. Manchmal nimmt sie sogar Aufträge aus Wolfsburg und Magdeburg an. „Leider funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den altmärkischen Krankenhäusern und ‘Dein Sternenkind’ noch nicht so gut. In anderen Teilen Deutschlands sieht das anders aus“, sagt sie und bedauert das. In Sachsen-Anhalt sei das ihrer Erfahrung nach immer noch ein sehr starkes Tabu-Thema, denn „tote Kinder fotografiert man nicht“ höre sie oft.

Insgesamt 20 Einsätze hatte sie bisher, darunter in Salzwedel und Stendal. In Gardelegen allerdings bisher keinen. „Ich gehe mit diesem Thema ganz offen um, wäre ich verklemmt, könnte ich diesen Job nicht machen“, sagt die zweifache Mutter. An ihren ersten Termin kann sie sich sehr gut erinnern: „Nach dem Termin war ich komplett durch den Wind. Ich verließ die Klinik und musste draußen erstmal tief durchatmen.“ Heute ist sie gefasster. Spricht von den Shootings mit den Eltern und erkundigt sich nach Missbildungen, „damit ich vorbereitet bin“. Bei einigen Kindern fehle die Nase oder sie haben einen offenen Rücken oder Kopf. Hier ist viel Feingefühl angebracht, um die schönen Seiten des kleinen leblosen Körpers hervorzuheben. „Die wenigsten Kinder sehen in Wirklichkeit so aus wie auf den Bildern. Die Fotos sind stark bearbeitet“, erklärt sie. 

Kathrin Kroll macht diese Arbeit gerne. Sie möchte den Eltern eine schöne Erinnerung an ihr Kind ermöglichen. Nach Angaben der 33-Jährigen sucht „Dein Sternenkind“ noch nach weiteren Berufs- oder Hobbyfotografen. Kathrin Kroll würde sich über Unterstützung in der Altmark freuen. „Wichtig ist, dass der Fotograf einfühlsam ist, sich das zutraut und mit seiner Kamera gut umgehen kann“, erklärt sie. Interessenten können sich über www.Dein-Sternenkind.eu informieren.

Von Marilena Berlan

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