Ein einsamer Wolf altert

Tote Fähe könnte Ende Isegrims in Stendals Tiergarten einläuten

Isegrim zu seinen Hochzeiten. Momentan lebt nur noch ein Tier im Gehege, Nachwuchs hatte es schon länger nicht mehr gegeben. Wie es weitergeht, scheint recht offen.
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Isegrim zu seinen Hochzeiten. Momentan lebt nur noch ein Tier im Gehege, Nachwuchs hatte es schon länger nicht mehr gegeben. Wie es weitergeht, scheint recht offen.

Stendal – Die Wölfin ist tot. Im Tiergarten Stendal lebt aktuell nur noch ein Tier, ein einsamer Wolf sozusagen. Die Fähe ist bereits vor einigen Wochen am 26. März eingeschläfert worden.

Begründet wird die Maßnahme aus dem Rathaus der Hansestadt in dieser Woche mit dem hohen Alter des Weibchens, es wurde 14 Jahre alt.

Eine Lebensleistung, die Isegrim in freier Wildbahn eher selten erreicht. Das Fehlen des Tieres dürfte so manchem Besucher nun erst auffallen, die Einrichtung am Stadtsee hatte wegen der Coronakrise wochenlang geschlossen. Der verbliebene Rüde zählt 13 Jahre. Ob der Wolf, welcher in der Altmark weiter auf dem Vormarsch scheint und sich die alten Reviere zurückerobert, in Menschenhand wieder im größeren Stil gehalten werden soll, muss erst einmal offenbleiben.

„Wir beraten derzeit intern über das weitere Vorgehen und spielen einige Szenarien durch“, lässt Stadtsprecher Armin Fischbach nach Rücksprache mit der Tiergartenleitung auf Nachfrage der AZ wissen. „Leider haben wir zurzeit noch nichts Spruchreifes zu präsentieren. Ziel aller Verantwortlichen ist es, unseren Tiergarten für die kommenden Jahre auf sichere Beine zu stellen und dabei sowohl das Tierwohl als auch die Attraktivität für Besucher zu berücksichtigen.“ Inwieweit und warum ausgerechnet weiterhin der Wolf hinter Gittern dazugehören könnte, muss an dieser Stelle vorerst offenbleiben. Die ältesten Angaben zur Wolfshaltung in Stendal stammen übrigens aus Bestandsbüchern des Jahres 1986, damals liefen zwei Alttiere durchs Gehege und dazu fünf Jungtiere.

Tiergärten und verwandte Einrichtungen gelten nach wie vor als wichtige Freizeitstätte. Der Erholungsfaktor des Menschen sei aber nur ein Punkt, warum überhaupt „wilde Tiere untergebracht und zur Schau gestellt“ würden. Fischbach nennt drei weitere Aspekte: Artschutz und Arterhalt, Umweltbildung sowie Forschung. Es sollen demnach nicht zuletzt Genreserven für bedrohte Arten angelegt werden, um stabile Populationen zu schaffen, die unabhängig von ihren wild lebenden Artgenossen existieren können. Die Öffentlichkeit soll über die verschiedensten Tier- und Pflanzenarten informiert werden. Auch können Wissenschaftler das Verhalten von Tieren untersuchen. In welchem Maße tatsächlich alle vier Punkte in Stendal eine Rolle spielen und spielen sollen, bleibt unklar. VON MARCO HERTZFELD  

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