Letzter Europäischer Wolf des Tiergartens gestorben

Timberwolf übernimmt Stendaler Gehege auf Dauer

Zwei Timberwölfe stehen in einem Gehege des Stendaler Tiergartens.
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Diese beiden Timberwölfe haben das Gehege des Europäischen Wolfes übernommen. Im Juli sind die beiden Nordamerikaner aus Münster an den Stendaler Stadtsee gezogen.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Die europäische Fährte verliert sich: Der ursprünglich aus Amerika stammende Timberwolf soll auf Dauer in Stendal bleiben. Der letzte Europäische Wolf im Tiergarten ist Ende Mai verstorben.

Europäischer Wolf ade: Eines der letzten Bilder, das Fähe und Rüden gemeinsam zeigt. Das Weibchen ist seit dem Frühjahr 2020 tot, das Männchen seit Mai.

Stendal – Bei aller Aufmerksamkeit für den ursprünglich aus Nordamerika stammenden Timberwolf ist sein Vorgänger im Gehege fast vergessen worden. Den Europäischen Wolf, auch Eurasischer Wolf genannt, soll es im Tiergarten Stendal auf Dauer nicht mehr geben. Das letzte Exemplar ist am 25. Mai dieses Jahres verstorben. „Europäische Wölfe werden in Zoos kaum noch gehalten und gezüchtet, sodass die Beschaffung solcher Tiere mittlerweile sehr schwierig geworden ist. Die Timberwölfe sind jedoch populärer und bilden eine attraktive Alternative“, teilt Stadtsprecher Armin Fischbach auf Anfrage der AZ mit. In freier Wildbahn ist der Europäer seit einigen Jahren auf dem Vormarsch, erobert sich auf natürlichem Wege alte Reviere zurück und neue dazu. Mehr als 20 Rudel soll es allein in Sachsen-Anhalt geben, davon auch etliche im Landkreis und der Altmark.

Letzter seiner Art im Mai gestorben

Mit dem Tod des Rüden ist durchaus eine gewisse Ära zu Ende gegangen. Der Europäische Wolf tauchte im Tiergarten der Hansestadt regelmäßig auf. Die ältesten Angaben zur Wolfshaltung stammen aus Bestandsbüchern des Jahres 1986, damals liefen zwei Alttiere hinter Gittern am Stadtsee und dazu fünf Jungtiere. Als in den 1930er-Jahren schon einmal zooähnlich das eine oder andere Gehege entstand, sollen auch Wölfe zu den Bewohnern gehört haben. Die letzte Wölfin des Tiergartens war im Frühjahr 2020 eingeschläfert worden. Begründet wurde die Maßnahme mit dem hohen Alter der Fähe, sie wurde 14 Jahre alt. Ebenso viele Lenze schaffte der Rüde. Fischbach kennt weitere Zahlen: „In freier Wildbahn werden Europäische Wölfe nur zehn bis zwölf Jahre alt. In einem Zoo wurde der bislang älteste Vertreter dieser Wolfsart 18 Jahre alt.“

Tiergarten-Neulinge noch ängstlich

Zwei Timberwölfe wechselten im Juli aus dem Allwetterzoo in Münster an den Stendaler Stadtsee. Sie sind, wie schon berichtet, nach Helden aus der Roman- und Kinowelt „Herr der Ringe“ benannt. Gandalf und Legolas haben das Gehege der Europäer sozusagen geerbt. Inwieweit es noch nach den Vorgängern riecht, können vermutlich nur sie feststellen. „Die Wölfe haben sich gut eingelebt, wenn sie auch noch ein wenig ängstlich sind“, berichtet der Rathaussprecher nach Rücksprache mit der Tiergartenleitung. Wie die Namen schon vermuten lassen, es handelt sich um zwei Rüden. „Die Zuchtoption scheidet demnach aus.“ Auch die Anschaffung weiterer Exemplare sei nicht geplant. Es soll also bei den zwei Amerikanern in Stendal bleiben. Ihr Einzug ist der erste umgesetzte größere Punkt des im Frühjahr beschlossenen Tiergartenkonzepts für die Zeit bis 2025.

Gandalf und Legolas haben gelbliches bis weißes Fell, den Timberwolf gibt es auch deutlich dunkler, ja gar nicht so selten pechschwarz. In der Wissenschaft wird übrigens nach wie vor darüber diskutiert, inwieweit der Timberwolf überhaupt eine Art oder Unterart, ja eine eigenständige Sippe sein kann. Eine wichtige Frage gerade für den Artenschutz an sich, für die praktische Arbeit. Insbesondere das genetische Verhältnis zum Rotwolf scheint noch ein Stück weit unklar. Ein solcher Streit in Fachkreisen dürfte den Besucher des Tiergartens wenig interessieren. Die Freizeitstätte besteht 2022 immerhin schon sieben Jahrzehnte, das Jubiläum soll gefeiert werden (die AZ berichtete). Der Tiergarten der Kreisstadt ist noch bis einschließlich September täglich zwischen 9 und 18 Uhr geöffnet, danach in den dunkleren Monaten öffnet sich das Tor für die Gäste nicht mehr ganz so lange. Gandalf und Legolas sind nahe den Schwarzbären und den Tigern zu finden.

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