Großkatze scheut den Sprung

Tiger für Stendals Tiergarten lässt auf sich warten

Stendal ist seit der politischen Neuzeit Tigerland. Womöglich wird es nun aber gar Winter, bis ein neuer Kater von wo auch immer in das Gehege am Stadtsee einzieht.
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Stendal ist seit der politischen Neuzeit Tigerland. Womöglich wird es nun aber gar Winter, bis ein neuer Kater von wo auch immer in das Gehege am Stadtsee einzieht.

Stendal / Berlin – Tigerfreunde werden unruhig. Dass Buran krank und leidend war, sei doch lange bekannt gewesen. Am 16. März wurde der Kater schließlich eingeschläfert, Tiergarten und Stadt versicherten umgehend, dass ein Nachfolger einziehen soll.

Mitte Mai wurde auf AZ-Anfrage öffentlich Augustus angekündigt, offene Fragen gab es schon damals.

Nun ist Juli und ein langjähriger Freund der Einrichtung will wissen, dass ein neuer Tiger frühestens im Herbst nach Stendal komme, wenn überhaupt. Die Altmärker seien nicht Mitglied im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) und wollten dennoch züchten, womöglich reiche aber auch das Gehege nicht mehr aus, mutmaßt der Mann im AZ-Gespräch. Seinen Namen will er in der Zeitung nicht lesen, skeptisch dürfe man ja aber auch so sein.

Nachwuchs hat Stendal oft verlassen. Hier kontrolliert ein Tierarzt die Narkose für den Transport.

Die Federführung beim EEP für den Sibirischen Tiger hat in diesem Jahr von London nach Berlin gewechselt. Und da geht es „unter den international involvierten Kollegen“ momentan nicht zuletzt um Fragen, wie die oben genannten. „Da die an der Entscheidungsfindung beteiligten Parteien sehr gewissenhaft arbeiten und ihre Aufgaben sehr ernst nehmen, ist dies ein langfristiger Prozess, der einiger Zeit bedarf“, lässt Philine Hachmeister, eine Sprecherin des Zoologischen Gartens Berlin, auf AZ-Nachfrage wissen. Der avisierte Kater Augustus lebt im brandenburgischen Eberswalde, eine Nachfrage bei der Stadt, Trägerin des Zoos dort, ist bislang noch ohne Antwort geblieben. Im Mai hatte ein Sprecher durchblicken lassen, dass es durchaus noch andere Interessenten gebe.

Im Rathaus gibt man sich nach Rücksprache mit der Tiergartenleitung nach wie vor zuversichtlich. „Beim EEP wird derzeit eine umfangreiche Prüfung durchgeführt, ob Stendal als neues Zuhause für Augustus geeignet ist.“ Dies nehme einfach Zeit in Anspruch. Ein Jahr Wartezeit sei durchaus „kein Einzelfall, da sich verschiedenste Zoos und Tiergärten aus Europa“ an Berlin wendeten, teilt Armin Fischbach der AZ mit. Ob es in oder auch an Stendals Bewerbung hakt, kann der Stadtsprecher nicht sagen. „Die Interna der Prüfung sind uns nicht bekannt.“ Und weiter: „Wir glauben aber, bislang einen positiven Gesamteindruck hinterlassen zu haben.“ Augustus wäre nicht der erste Zugang aus Eberswalde, schon eine der ersten Großkatzen in Stendal 1990 stammte von dort.

Grundsätzlich stimme es, dass Mitglieder des EEP bei der Verteilung von Zuchttieren bevorzugt würden. „Jedoch werden durchaus auch Nicht-Mitglieder bei der Verteilung berücksichtigt. Und so lange wir es nicht versuchen, werden wir es nicht erfahren.“ Und überhaupt: Der Tiergarten der Hansestadt verfüge sehr wohl über ein „hochmodernes Tigergehege, das den neuesten Standards entspricht und alle Haltungsanforderungen zur Genüge erfüllt“. Fischbach bringt es für Tiergarten und Stadt auf den Punkt: „Bauliche Defizite können aus unserer Perspektive in keiner Art und Weise den Wechsel verhindern.“ Die Großkatzen aus Asien gelten als großer Publikumsmagnet. In freier Natur sind alle Unterarten in ihrem Bestand mindestens stark gefährdet.

Im Tiergarten am Stadtsee in Stendal ist Burans Tochter Taina derzeit allein. Der Kater aus der Nähe von Berlin dürfte mittlerweile gut zweieinhalb Jahre alt sein. Beide sind im Zuchtbuch geführt und reinrassig, wie es unter Fachleuten heißt und ihnen wichtig ist. „Aktuell fokussieren wir unsere ganzen Anstrengungen darauf, Augustus aus Eberswalde zu uns zu bekommen“, bekräftigt Rathaussprecher Fischbach. Und baut für alle Fälle schon einmal vor: Sollten dies die EEP-Verantwortlichen verwehren, „werden wir die Suche nach einem geeigneten Partner für Taina aber natürlich fortsetzen. Eine seriöse Prognose dazu, wie viel Zeit die Suche nach einem weiteren geeigneten Tiger dauern könnte, kann ich jedoch nicht abgeben.“ Inwieweit all das kritische Stimmen beruhigt, bleibt abzuwarten. VON MARCO HERTZFELD  

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