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Tierschutz: Dicke Linda in Stendal geht nicht vor die Hunde

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Von: Marco Hertzfeld

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Eine viel zu dicke Sheltie-Hündin liegt am Boden.
Linda an ihren üppigsten Tagen. Eine falsche Ernährung durch den damaligen Besitzer und einfach zu wenig Bewegung sollen die Sheltie-Dame krank gemacht haben. © Privat

Der Sheltie ist kaum wiederzuerkennen. Hunde-Dame Linda hat radikal abgespeckt. Tierschützerin Claudia Ladwig in Stendal zeichnet eine Erfolgsgeschichte.

Stendal – „Sie war so krank und träge. Immer wieder musste sie bei Spaziergängen Pausen einlegen. Und nun tobt sie mit dem kleinen Kameraden im neuen Zuhause umher.“ Wenn sich Claudia Ladwig Videos und Fotos von ihrer Linda in Potsdam anschaut, geht ihr das Herz auf. Mit mehr als 25 Kilogramm war der Sheltie bei seiner Ankunft in Stendal im Frühjahr 2020 viel zu dick, normal sind demnach vielleicht um die zehn Kilogramm. Die Hundedame verlor Pfund um Pfund, ein Kampf. Als die AZ zuletzt im Spätsommer vor zwei Jahren länger vorbeischaute, war sie schon einigermaßen fit für ein neues Leben. Tierschützerin Ladwig sieht eine Erfolgsgeschichte. „Abgegeben haben wir sie mit 15 Kilogramm, inzwischen hat sie laut einem Tierarzt die Marke von 13 erreicht und fühlt sich pudelwohl.“

Hündin Linda und ein Shieltie-Jüngling trotten durch den Wald.
Die altmärkische Hündin Linda hat in Potsdam ein neues Zuhause gefunden. Seit Kurzem lebt zudem Sheltie-Jungspund Wiecki direkt an ihrer Seite. © Privat

Linda kam fünfjährig aus dem Tierheim Gardelegen in die Ostaltmark. Für Ladwig ist Linda auch deshalb etwas Besonderes, weil sie sich ansonsten nur Katzen als Pflegefälle ins Haus geholt hatte. Diese Hündin aber brauchte intensive Betreuung und Pflege. In den Napf kam Spezialfutter, gezielte Bewegung stand auf der Tagesordnung. Das Übergewicht führte zu mehreren Krankheiten, Veterinäre waren gefragt und Operationen nötig. Die Rechnungen wurden länger, die Ausgaben gingen in die Tausende, Spenden und andere Unterstützung halfen. „Linda hat noch das halbe Leben vor sich, der Einsatz hat sich gelohnt“, ist die Tierschützerin im Gespräch mit der AZ überzeugt. In ihrem Ehemann Andy, Bahnmitarbeiter und gelernter Zootierpfleger, habe sie eine wichtige Stütze.

Neues Zuhause in Potsdam gefunden

Am liebsten hätte Ladwig Linda für sich behalten, eine private Lösung und auf Dauer sozusagen. Doch so richtig gut verstanden mit den Katzen habe sich die Sheltie-Dame nicht. „Meine Linda hat es auch in Potsdam gut. Die älteren Leute kümmern sich hingebungsvoll, ein Haus, Freigang im Garten, lange Spaziergänge sowieso, beim Urlaub mit dem Wohnwagen fährt die Hündin mit.“ Seit Kurzem ist auch Wiecki dabei, ebenfalls ein Sheltie und noch im Flegelalter. Die Kontakte zum Tierheim Gardelegen hat die Stendalerin aus persönlichen Gründen abreißen lassen. Ihre Bilanz könne sich sehen lassen. „Zwischen April 2019 und Ende 2020 habe ich 47 Katzen vermittelt.“ Das Netzwerk aus Heimen sowie Vereinen und Initiativen bundesweit funktioniere dann doch recht gut, Linda fand darüber eine neue Heimat.

Ladwig betont auch Katzenhilfe

Die Coronapandemie habe auch dem Tierschutz überall Grenzen gesetzt, natürlich. „Umso wichtiger ist jetzt neuer, frischer Elan“, sagt die Zeitungszustellerin. Wie bestellt und angekündigt, meldet sich Foxi hinter einer Absperrung im Garten zu Wort. Der Windhund-Pinscher-Mix bringt es gerade einmal auf ein Jahr. Irgendwo steckt auch noch die zweijährige Mona Lisa, eine Mischung aus Pumi und Pudel. Wer es nicht weiß: Pumi ist ein ungarischer terrierähnlicher Treibhund. Ungarn sei auch das Land, in dem sich der Verein Pfotenhilfe Sauerland besonders engagiere und dem sie sich seit einigen Monaten verpflichtet fühle. Foxi und Mona Lisa sind keine Pflegefälle, sie bleiben für immer bei dem Ehepaar. Ladwig hilft dem Verein bei der Vermittlung von anderen Hunden in die Altmark.

Stendalerin richtet Blick auf Ungarn

Das Herz der Stendalerin scheint groß und kennt vor allem Katzen, auf dem Grundstück gibt es einige. Aus dem Tierheim Gardelegen hatte sie zuletzt Mohrchen geholt, einen schwarzen Kater. Das Problem: Auf Streicheleinheiten konnte er getrost verzichten. „Er wurde richtig giftig, wenn man ihn anfasste. Nun ist alles gut, er hat Vertrauen entwickelt und lässt sich berühren.“ Ihr Appell: „Es lohnt sich, verwilderte Katzen aus dem Tierheim zu holen, auch wenn diese sich zunächst nicht anfassen lassen. In den Tierheimen sitzen Hunderte Katzen.“ Die Endfünfzigerin will vielleicht verstärkt den Kontakt zum Tierheim in Stendal und zu Vereinen der Gegend suchen. Momentan kümmert sie sich privat um drei Katzenbabys, die mutterlos auf dem Heuboden ihres Bruders Ralf gefunden worden seien.

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