Gruppe drängt auf Kreisverordnung zu frei laufenden Katzen

Tierschützer schärfen Krallen

Just in diesem Moment erhält Holger Schulz einen Anruf, und natürlich geht es um den Tierschutz. Rotraud Buch (v.l.), Gabriele Eisner und Carola Berger werden hellhörig.
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Just in diesem Moment erhält Holger Schulz einen Anruf, und natürlich geht es um den Tierschutz. Rotraud Buch (v.l.), Gabriele Eisner und Carola Berger werden hellhörig.

Wittenmoor – „Die Kastration frei laufender Katzen muss Pflicht werden“, fordert Holger Schulz. „Eine Kennzeichnungspflicht und ein Register gehören auch dazu“, ist Gabriele Eisner überzeugt.

Für alles müsse ausreichend Geld bereitgestellt werden, gerade Menschen ohne dickes Portemonnaie könnten sonst nicht folgen, glaubt Rotraud Buch.

Und natürlich: Ehrenamtliche Tierschützer in Ostaltmark und Elb-Havel-Winkel müssten finanziell unterstützt werden, sagt Carola Berger. Die Gruppe arbeitet für eine Landkreisverordnung, die dies und mehr festschreibt. Nach einigem Hin und Her war der Landrat Anfang September bei ihnen (die AZ berichtete). Es müsse nun aber endlich etwas passieren, möglichst noch dieses Jahr sollte ein erster Entwurf doch bitte in den Kreisgremien diskutiert werden.

Die Gruppe Havel-Elbe-Tanger unter dem Dach des Bundesverbandes Tierschutz (BVT) zählt insgesamt sechs Mitglieder, viel mehr wollen sie auch gar nicht sein. Seit gut zwei Jahren ist die Truppe aktiv, kennen tun sie sich alle länger, der Großteil ist seit Jahrzehnten im Tierschutz aktiv. Die Tierschutzpartei hätten sie einst gemeinsam verlassen, parteipolitisch engagiere sich aktuell niemand von ihnen, erklärt Buch in Wittenmoor der AZ. Ihre drei Mitstreiter an diesem Tag nicken. Auch in einem Tierschutzverein mischte man mit, geblieben sind die Themen und ja, die „zweifelsfrei politische Ausrichtung“. Buch: „Wir wollen etwas bewegen, hartnäckig sein, verändern mit Herz und Verstand. Dabei wollen und müssen wir die Menschen allerdings mitnehmen, denn sonst läuft alles in Leere.“

Allein in Sachsen-Anhalt sollen bis zu 100 000 verwilderte Hauskatzen leben. Wie viele es im Landkreis Stendal sind, wirklich verlässliche Zahlen gibt es nicht. Allein Berger kümmert sich in Wittenmoor und Umgebung aktuell um 80 Katzen, sie fährt dafür auch bis in den Tangerhütter Raum hinein. Mindestens 600 Euro monatlich gehen für Kastration, Futter, Entwurmung und Tierarzt drauf. Spenden gebe es so gut wie keine. Die Rechnung der anderen drei sieht ähnlich aus. Die Zahl der Wildlinge, die von der Gruppe seit 2018 betreut wurden und werden, dürfte bereits die Tausend erreichen. Nicht immer sehen sie einen Schützling wieder, er ist wie vom Erdboden verschluckt. Überfahren? Erschlagen? Vergiftet? Immer wieder gibt es solche Berichte. Das Quartett spart sie sich, es scheint gedanklich weiter.

„Katzen leben ohne Hilfe elendig auf der Straße, krank, verletzt, hungernd, Vögeln und anderen Kleintieren nachstellend. Das Problem ist seit zig Jahren bekannt.“ Tangerhütterin Buch faltet die Hände, ihr Verständnis für Politik und Verwaltung scheint allmählich aufgebraucht. Havelberger Schulz möchte am liebsten auch gleich über Fragen der Moral und des Miteinanders von Mensch und Tier reden, Massentierhaltung ist nicht nur eines seiner weiteren großen Themen. Für frei lebende Katzen soll sich nun endlich etwas verbessern, der Kreis Wesel in Nordrhein-Westfalen beispielsweise verfüge seit ungefähr eineinhalb Jahren über eine Verordnung. Halter von Freigängern etwa werden in die Pflicht genommen. Der BVT mit Sitz in Moers führt übrigens in der Kreisstadt Wesel ein Tierheim.

Diese Strukturen hat die Gruppe im Landkreis Stendal nicht. Es arbeiten das Tierheim einer anderen Organisation in Borstel und dessen Außenstelle in Osterburg. Und nicht zuletzt die Tierheime Wittenberge und Gardelegen wirken über Kreis- und Landesgrenzen hinweg, das eine mehr, das andere weniger. Die Zusammenarbeit funktioniere. Knackpunkt für alle bleibe die Kastration, Freigänger verschärften die Situation noch, der Bestand könne da und dort regelrecht explodieren. „Tierheime in Sachsen-Anhalt und anderswo allein sind überfordert“, meint auch Eisner, die im Havelberger Raum lebt. Die Gruppe hat sich ans Land gewendet, ohne aus ihrer Sicht entscheidend voranzukommen. Und die Gemeinden zögen sich immer auf die bloße Gefahrenabwehr zurück. „Es muss sich aber was ändern.“ VON MARCO HERTZFELD 

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