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Seuchentier aus Stendal landet in erprobtem Feuer

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Von: Marco Hertzfeld

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Ein Lkw holt Bioreste aus Restaurants in der Altstadt von Stendal ab.
Um mint- und tiefgrüne Behälter vornehmlich der Restaurants geht es regelmäßig auch in Stendals Altstadt. Mit der Tierkörperbeseitigung hat das wenig zu tun. © Marco Hertzfeld

Die Tierkörperbeseitigung ist ein weites Feld und hat im engeren Sinne nichts mit dem Lkw zu tun, der regelmäßig Restaurants in Stendals Altstadt anfährt. Der Landkreis erklärt, wer wofür zuständig ist. Das Veterinäramt schaut auf zwei Punkte besonders: Schweinepest und Vogelgrippe.

Stendal – Der Fahrer zieht mintgrüne Tonnen auf die Bordwand des Lkw. Nach einigen Minuten ist alles verstaut und die Tour geht weiter. Für die anderen Tonnen in Braun, Schwarz, Blau und Schwarzgelb interessiert sich dieses Unternehmen naturgemäß nicht. Auch hat es im eigentlichen Sinne nichts mit der zeitweise vakanten Tierkörperbeseitigung zu tun, wie Leser vermuteten. Die AZ hat nachgefragt. Die Firma ReFood sei lediglich für die Entsorgung von Speiseabfällen zuständig, heißt es aus dem Veterinäramt des Landkreises über die Pressestelle in Stendal. Der Lkw steuert nicht zuletzt Restaurants an. Und: Die Leistung Tierkörperbeseitigung sei mittlerweile durch das Land ausgeschrieben worden. „Beauftragt wurde die Firma SecAnim mit Sitz in Selm.“ Das liegt in Nordrhein-Westfalen.

Fokus: Vogelgrippe und Schweinepest

Tierkörper von Einhufern und Paarhufern, die nicht gebraucht werden und/oder eine Seuchengefahr bergen, müssen irgendwo bleiben. Auch kann es um Hund, Katze, Geflügel und andere Tiere im Besitz des Menschen gehen. Im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest und die Geflügelpest beispielsweise sind derartige Anbieter ebenfalls gefragt. Der Landkreis Stendal verfügt nach wie vor über keine eigene Beseitigungsanlage und strebt eine solche auch nicht an. Für ihn hat sich nach der Neuausschreibung nichts geändert. „Gefallene Tiere werden weiterhin direkt von den landwirtschaftlichen Betrieben abgeholt und in Genthin, Standort einer zugelassenen Entsorgungsanlage des Unternehmens, entsorgt“, heißt es aus der Verwaltung weiter.

Land schreibt Pakt für Landkreise fort

Im Jerichower Land werden die Tierkörper bei 130 Grad Celsius und einem Druck von drei bar für 30 Minuten behandelt. Heißt: Das Ganze wird verbrannt. Der Stendaler Kreistag hatte einer erneuten Ausschreibung durch das Land vornehmlich der besseren Konditionen wegen im Oktober grünes Licht gegeben. Zuständig sind zunächst einmal die 14 Landkreise und kreisfreien Städte selbst. Einen Zweckverband Sachsen-Anhalt gibt es schon länger nicht mehr, nach mehr als zehn Jahren wurde auch wieder europaweit ausgeschrieben. Der Kreis der potenziellen Firmen war von Beginn an klein (die AZ berichtete). Schon nach 2008 hatte das Unternehmen SecAnim die Aufgabe erledigt. Auf den Punkt gebracht: Der alte Tierkörperpakt besteht nun ganz offensichtlich weiter.

„Im Rahmen der Tierseuchenbekämpfung bestehen die Herausforderungen darin, dass eine große Anzahl an Tieren schnellstmöglich und ohne Verschleppung von Erregern zur Entsorgungsanlage verbracht werden muss“, lässt das Stendaler Veterinäramt die AZ wissen. „Dieses wäre zum Beispiel bei einem Ausbruch der Geflügelpest zu beachten.“ Und: „Im Rahmen der Tierseuchenbekämpfung in der Wildtierpopulation ergibt sich die zusätzliche Herausforderung, dass die verendeten Tiere in der Natur gefunden und anschließend geborgen werden müssen, bevor sie in die Entsorgungsfahrzeuge verbracht werden.“ Und natürlich: „Um die Verbreitung von Tierseuchen zu vermeiden, ist eine rechtskonforme Tierkörperbeseitigung unerlässlich.“ Heißt wohl: Alle sollten sich an die Spielregeln halten.

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