Zoo-Förderer wünschen sich zusätzliche Fläche und dazu Wisent und Wildpferd

Tiergarten gewinnt an Größe

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Das Konik stammt ursprünglich mehr aus Osteuropa.

Stendal. „Nebel steigt hoch. Auf der Wiese stehen Wisente und Wildpferde.“ Ein romantisches Bild mit urwüchsigen Arten, das es bislang nur in Dr. Uwe Donners Kopf gibt. Der Tiergarten könnte um den Bereich hinter der Pferdekoppel in Richtung Erich-Weinert-Straße erweitert werden.

„Wenn ich denn einen Weihnachtswunsch frei hätte, dann den, dass Politik und Verwaltung zumindest darüber nachdenken“, sagt der Vorsitzende des Zoo-Fördervereins gegenüber der AZ. Es geht um mindestens 3000 Quadratmeter, auf denen momentan Bäume und Sträucher dicht und wild ineinander wachsen.

Die mögliche Erweiterungsfläche erinnert derzeit mehr an einen Dschungel. Dort müsste gerodet werden.

Die Riesenfläche ist das nicht, entspricht noch nicht einmal einem halben Fußballfeld. „Wir wollten das Areal eigentlich mehr oder weniger in seiner Funktion belassen und als Biotop nutzen“, unterstützt Tiergartenleiterin Anne-Katrin Schulze den Erweiterungsplan. Der Zaun müsste vielleicht auch nur bis zu dem Teich am anderen Ende des Geländes gezogen werden. „Ein paar Bänke aufstellen, Beschilderung dazu, fertig – und einfach nur die Natur genießen.“ Aber ja, Dr. Donners Vorstellung habe natürlich auch seinen Reiz.

Die Fläche gehöre der Stadt bereits. Wahrscheinlich müsste man sich für eine Art entscheiden. „Mit der Wisenthaltung haben wir bereits Erfahrung.“ Weil der Platz fehlte, stampften nie mehr als ein Zuchtpaar samt Nachwuchs durch den Sand. Das letzte Exemplar starb im Oktober 2011. Die Zoo-Chefin weiß um die Anziehungskraft der urigen Tiere, die im Mittelalter noch zahlreich durch Europas Wälder zogen. „Nach den neuesten Vorschriften müssten wir im Tiergarten einen Bullen und mindestens vier Kühe halten.“

Bis 2002 konnten Besucher Przewalski-Pferde im Stendaler Zoo betrachten. Die Haltung des eurasischen Pferdes gilt als recht schwierig. Dr. Donner denkt auch mehr an das Konik, ein robustes Pony, das ähnlich urtümlich wirkt. Es wird da und dort auch in der Altmark gezüchtet und mitunter als Landschaftspfleger eingesetzt. Das Wildpferd in reiner Form gibt es nach jüngsten wissenschaftlichen Untersuchungen nicht mehr. Bis vor Kurzem wurde das Przewalski-Pferd für die einzig überlebende Unterart gehalten.

Der Wisent war früher in Europa weitverbreitet.

Wisente waren auch im Wildpark Weißewarte jahrelang ein Magnet. 2006 sorgte ein ausgebüxter Bulle für Schlagzeilen. Um ihn wieder einzufangen, war das halbe Tangerland auf den Beinen. Eine ominöse Krankheit raffte später die kleine Herde dahin. Nicht ganz so massig wie der Wisent ist das Heckrind, das dem ausgestorbenen Auerochsen ähneln soll. Einige Heckrinder lebten im Stendaler Tiergarten und wurden gemeinsam mit den zwei Przewalski-Pferden an den Naturschutzbund Köthen abgegeben.

Von Marco Hertzfeld

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