Die Falken und „Herz statt Hetze“ organisieren in Stendal Gegenproteste

„Thügida“ und die Altmark: Rechte will marschieren

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Ein Aufmarsch in Jena, im Hintergrund ein Plakat „Heimatlos“. Die flüchtlingsfeindliche „Thügida“ sieht sich selbst als Volksbewegung und beschränkt sich nicht allein auf Thüringen.

Stendal. „Wir bereiten uns intensiv vor“, lässt sich Polizeisprecher Marco Neiß nicht großartig in die Karten schauen. Wie sehr der Sonnabend für die Sicherheitskräfte ein heißer werden könnte, scheint so klar nicht.

Fest steht: Mit der flüchtlingsfeindlichen „Thügida“ will an diesem Nachmittag ein rechtsextremes Netzwerk in Stendal auftreten, das sich auf Expansionskurs befindet. Offiziell angemeldet hat die Veranstaltung für 50 Leute und mehr laut Landkreis-Sprecherin Angela Vogel ein Altbekannter, Martin Knaak, eine frühere Führungsfigur der Bürgerbewegung Altmark. Welche Rolle der Demkeraner am Sperlingsberg genau spielen will, bleibt abzuwarten. Die Demonstration könnte über Schadewachten und weiter bis ins Stadtseegebiet führen.

„Magida 2.0“ in Magdeburg, ein Ableger der islamfeindlichen Pegida-Bewegung, hatte im Internet bereits Anfang des Jahres für die Veranstaltung in der Kreisstadt geworben. Die Bürgerbewegung Altmark zog erst einige Wochen später nach, betont aber weiterhin, nicht die Federführung zu haben. Als möglicher Redner kommt nicht zuletzt David Köckert, ein einschlägig bekannter Neonazi aus Greiz, infrage. So lassen es zumindest die Aufrufe im Internet vermuten. Das Motto der Veranstaltung lautet: „Vereint für ein freies und souveränes Deutschland.“ Das SPD-nahe Informationsportal „Blick nach rechts“ sieht Thügida seit geraumer Zeit über Thüringen und Sachsen hinaus aktiv. Nach einer Demonstration im Januar in Saalfeld waren Thügida-Anhänger auf dem Heimweg vermutlich von Mitgliedern der linken Szene angegriffen und verletzt worden. Sprengstoff gibt es genug.

Der Gegenprotest formiert sich. Die Falken, eine sozialistische Jugendorganisation, will an der Rathenower Straße, in unmittelbarer Nähe zu Knaak und Thügida, Flagge zeigen. Das eher bürgerliche Bündnis „Herz statt Hetze“ und Mitstreiter rechnen mit Neonazis aus Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt und da vor allem aus dem nahen Magdeburg. Herz statt Hetze plant ein „Fest gegen den braunen Aufmarsch“. Es soll in etwa zeitgleich zur Kundgebung der Rechten um 13.30 Uhr am Dom beginnen. Geplant sind unter anderem Bastelaktionen sowie Auftritte lokaler und regionaler Musiker. Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU), Juliane Kleemann (SPD), Wulf Gallert (Linke) und weitere Teilnehmer wollen das Wort ergreifen. Der Tenor: „Das ist unsere Stadt!“ Im Eine-Welt-Haus werden Kuchen, Waffeln und Getränke zubereitet. Der Dom-Chor singt ab 16 Uhr. Tänzer aus Jugendklubs haben sich ebenfalls angesagt. Inwiefern Linksradikale und Autonome an diesem Sonnabend in Stendal mitmischen wollen, lässt sich derzeit nicht absehen.

Von Marco Hertzfeld

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