Interesse bleibt trotz Corona-Krise ungebrochen

Thema Selbstständigkeit in Stendal: „Nicht bremsen lassen“

Projektleiterin Katja Bricke und BIC-Geschäftsführer Sebastian Stoll, überprüfen die gute Mietauslastung des Gründer- und Innovationszentrums. Derzeit liegt sie bei beiden Häusern bei 97 Prozent.
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Projektleiterin Katja Bricke und BIC-Geschäftsführer Sebastian Stoll, überprüfen die gute Mietauslastung des Gründer- und Innovationszentrums. Derzeit liegt sie bei beiden Häusern bei 97 Prozent.

Stendal – Wie in vielen Bereichen fiel das Innovations- und Gründerzentrum BIC in eine kurze Schockstarre. Nach aber nur wenigen Tagen seien wieder viele Anfragen zu Unternehmensgründungen eingegangen, wie Projektleiterin Katja Bricke berichtet.

Natürlich habe es auch die Befürchtung eines Rückgangs gegeben, der aber nicht eingetreten sei. „Handwerker sollten sich nicht bremsen lassen“, erklärt Geschäftsführer Sebastian Stoll. „Das Handwerk kriegt endlich wieder goldenen Boden.“

Es könne nach vielen Jahren wieder das Geld verlangen, dass seine Arbeit wert ist. Eine pauschale Empfehlung zur Gründung wolle Stoll jedoch nicht geben. Wer jedoch seit Längerem darüber nachdenke, sich selbstständig zu machen, solle sich nicht von der Krise abschrecken lassen. „Eine Gründung will gut vorbereitet und überlegt sein“, pflichtet ihm Bricke bei. Ein Schnellschuss wegen krisenbedingter Arbeitslosigkeit sei nicht empfehlenswert. Schwieriger sähe es zudem in anderen Branchen aus. Eine Selbstständigkeit im Hotelgewerbe zu suchen, sei momentan schwierig. „Die Saison ist gelaufen“, gibt Stoll zu bedenken. Eine Gründung sei zwar nicht aussichtslos, müsste aber mit einem schwierigen Start zurechtkommen.

Wie sich die wirtschaftliche Situation weiterentwickele, könne nicht gesagt werden. Während einige Handwerksbetriebe, gerade die, die im Freien arbeiten, relativ unbeschadet weiterarbeiten konnten, sei noch nicht abzusehen, wie die Auftragslage sich entwickelt. Derzeit seien bei vielen Handwerksbetrieben die Auftragsbücher mehrere Monate im Voraus voll. Natürlich sei es möglich, dass ein Teil der Termine wegen finanzieller Schwierigkeiten der Kunden abgesagt werden. Dass der Markt komplett zusammenbricht, sei unwahrscheinlich.

Auch das BIC kann sich über gute Zahlen freuen. Momentan seien die beiden Häuser zu 97 Prozent mit Mietern ausgelastet. Die Lage sei sogar so gut, dass einige Mietanfragen abgelehnt werden müssten. Die Sorge sei jedoch groß gewesen, dass, bei den vielfältigen Unternehmen im BIC, einige wegbrechen. Bisher sei das jedoch noch nicht eingetreten, auch wenn vier der 34 Mieter einen Mieterlass beantragt und bewilligt bekommen haben. „Es zeichnen sich aber keine Kündigungen ab“, erklärte Bricke.

„Es wäre wünschenswert, ein wenig von der Onlineaffinität zu behalten“, erklärte Stoll weiter. Kurz nach Beginn der Krise seien die Mitarbeiter im BIC schnell ins Homeoffice gewechselt. Das könne zwar toll sein, aber nicht jeder würde das gerne als seinen Standardmodus beim Arbeiten haben. Es gelte abzuwägen, was dem jeweiligen Mitarbeiter wichtiger ist. Das, manchmal, unkomplizierte Arbeiten von zuhause oder die sozialen Kontakte auf der Arbeit. „Einige Mitarbeiter gehen gerne ins Homeoffice, andere wünschen sich ihren gewohnten Schreibtisch zurück.“ Natürlich sei dies nicht bei allen Berufen möglich. Während Homeoffice bei einem Bürojob relativ unkompliziert, zumindest tageweise, eingerichtet werden könne, sei dies am Fließband nicht so ohne Weiteres machbar. In jedem Fall glaube Stoll, dass sich auch nach der Krise die Arbeitskultur ändern werde.

VON STEFAN HARTMANN

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