Keine Romanze für Kinder / Thriller und Spannung für Jugendliche

Theater der Altmark: Pädagogin Eva Lankau will „maßgeschneiderte“ Stücke

Theaterpädagogin Eva Lankau steht vor einem Baum.
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Eva Lankau hat sich dem Team der Theaterpädagogik im Theater der Altmark angeschlossen.
  • Stefan Hartmann
    VonStefan Hartmann
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Theaterpädagogin Eva Lankau will für ihre jugendlichen Schützlinge ein maßgeschneidertes Stück. Fest steht: Romanzen wollen die Kinder nicht.

Stendal – „Theatermenschen wie ich sind nie lange irgendwo“, stellt Eva Lankau, Theaterpädagogin im Theater der Altmark, fest. Bevor sie nach Stendal gewechselt ist, war die geborene Limburgerin als Theaterpädagogin und kommissarische Leiterin im Theater Nordhausen angestellt. Der Wechsel nach Stendal war eine bewusste Entscheidung. Während an ihrer vorherigen Station das Musiktheater im Vordergrund stand, werde in Stendal mehr für Kinder- und Jugend getan. Das zeige sich unter anderem an der großen Zahl von Klassenzimmerstücken und Workshops, die angeboten werden. Und genau das passt zu Lankaus Herangehensweise ans Theater. Denn „Theater gehört nicht nur auf die große Bühne, man muss es auch unter’s Volk bringen“, erklärt Launkau ihre Philosophie. Aber sie komme nicht nach Stendal, um eine große Revolution anzustoßen, stellt sie klar. Sie wolle sehen, wie es läuft und wie sie sich einbringen kann.

Damit das gut klappt und sich kein Teilnehmer an den Workshops und Gruppen bevormundet fühlt, setzt sie darauf, dass sich alle einbringen können. Aktuell hat Lankau die Leitung über die Jungmärker, Klassenstufe fünf bis sieben, und den Jugendclub Schauspiel, ab Klassenstufe acht, übernommen. Auch wenn die Clubs offiziell mit Klassenstufen angegeben sind, sei der Schulbesuch wohl technisch gesehen keine Voraussetzung, erklärt Lankau zu dem Stichwort Schulabbrecherquote. „Es geht eher um die Verfügbarkeit der Kids“, sagt sie in Bezug auf Ferien- und Unterrichtszeiten. So könnten auch die teilnehmen, die Schwierigkeiten in der Schule haben. Ein explizites Inklusives oder Integratives Konzept gebe es dafür jedoch nicht. Da müsste ganz anders gearbeitet werden, stellt sie fest. Das Klischee vom unzuverlässigen Schüler, der deshalb die Schule verlässt, könne sie so nicht stehen lassen. „Schulabbrecher haben ein Problem mit der Schule, nicht mit Verbindlichkeit“, erklärt sie. Und darum gehe es in der Theaterpädagogik: „Wir müssen dafür sorgen, dass sich junge Menschen in ihrer Freizeit vor diesen Karren spannen und sagen: Wir ziehen den!“

In den kommenden Wochen sollen die Themen entwickelt werden. „In den Ferien treffe ich dann eine theaterpädagogische Entscheidung, damit das Stück passt wie ein maßgeschneiderter Anzug.“ Bei ihren ersten Treffen mit den Kindern und Jugendlichen hätten sich auch schon die ersten Vorstellungen herauskristallisiert. „Die Kinder wollen keine Liebe, Romanze und Knutschen“, stellt sie fest. Viel beliebter, seien die Themen Mythen und Legenden. Interesse bestehe dabei an quasi allem. Von germanischen über keltische bis zu den griechischen Sagen.

Die etwas größeren Jugendlichen haben andere Interessen. „Drama, Spannung, Thriller“, gibt Lankau als Schlagworte. Besonders fasziniert seien sie von den Themen Dystopie und Utopie. Aber eine, vermutlich gerade in der aktuellen Zeit, naheliegende Verknüpfung hätten sie ausgeschlossen. „Kein Virus!“, hätten die Heranwachsenden beschlossen. „Das ist ja auch gut zu wissen“, kommentiert die Pädagogin.

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