Vorstellung als digitales Stück inszeniert

Theater der Altmark im Livestream: „Eigenartig, aber geil!“

Einblick in den Livestream. Siri Wiedenbusch als Fräulein Smilla spricht mit Darsteller Matthias Hinz
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Die Aufführung per Livestream ermöglicht andere Perspektiven, die bei einem regulären Theaterbesuch nicht sichtbar wären.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
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Das Theater der Altmark hat am Wochenende eine Premiere aufgeführt. Das Stück Fräulein Smillas Gespür für Schnee war im Livestream zu sehen. Als erstes Stück war es vom TdA extra dafür inszeniert worden. 

Stendal – „Hallo zusammen, ich hol´ mir dann schon mal Popcorn“, schreibt einer der Zuschauer kurz vor Beginn des Livestreams im Chat. Wegen der Corona-Pandemie ist momentan vieles anders, auch beim Theater der Altmark, das am Samstagabend sein Stück „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ in die digitale Welt verlegte. Es war nicht die erste Onlinevorstellung des TdA, aber die erste, die extra dafür inszeniert wurde.

„Ich fand das sehr inspirierend“, berichtet Regisseur Louis Villinger im Nachgespräch darüber, einen Teil der Regie an das Kamerateam abzugeben. Er wolle niemandem vorschreiben, was er wie zu sehen habe und sei es gewohnt, andere Blickwinkel zuzulassen. Mit dem Team habe man sich vorher auf eine Ästhektik geeinigt, mit der auch Nähe und Blickwinkel erzeugt werden sollten, die sonst nicht möglich sind. Es werfe auch weitere Fragen auf. „In welchem Genre bewegen wir uns?“, fragt Villinger dazu und schlägt den Begriff „gefilmtes Theater“ vor. Natürlich werde den Zuschauenden damit im Vergleich zum regulären Theater auch ein Stück weit die Möglichkeit genommen, wo sie hingucken möchten. Die ganze Zeit in einer totalen Einstellung die Bühne zu filmen sei jedoch „unglaublich dröge.“ Deshalb wurde die Entscheidung getroffen, jeweils einzelne Szenen zu zeigen. „Ich glaube, das ist ein Thema, das uns noch weiter im Theater beschäftigen wird“, stellt Villinger fest.

Auch für die Darsteller war es eine ungewohnte Situation. „Es ist keine reine Filmarbeit. Es ist gewöhnungsbedürftig“, erklärt Darsteller Matthias Hinz. Dabei war es „wahnsinnig eigenartig, aber irgendwie auch geil“, fasst Hinz seine Eindrücke zusammen. Unter anderem fehle eine unmittelbare Reaktion des Publikums. In Zukunft wünsche er sich gerne auch weitere Livestreams, aber „bitte wieder als alte mit Rascheln im Raum.“

Für Siri Wiedenbusch, die im Stück die Smilla Jaspersen verkörpert, hatte es Vor- und Nachteile, die irgendwo zwischen seltsam und schön einzuordnen sind. Sie sei nicht so hibbelig gewesen, wie vor einer regulären Vorführung. Ohne Publikum vor Ort, lasse man sich auch nicht so leicht ablenken. „Es war ein wenig wie eine Probe mit dem Wissen, dass jemand da ist. Das war auch ganz angenehm“, findet sie.

Für Schauspieler Paul Worms habe sich im Vergleich zu den Proben nichts geändert. „Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass da Leute drin sitzen“, sagt er im Nachgespräch.

Bei den Zuschauern kam das Experiment überwiegend gut an. Nach der Vorstellung hagelte es klatschende Emojis im Chat. Doch auch mit Kritik hielten sich die, die weniger begeistert waren nicht zurück. „Ja, ich finde, es ist auf jeden Fall eine Chance, überhaupt Kultur zu erleben“, schreibt eine der Zuschauerinnen. Allerdings sei es nicht mit einer Live-Vorstellung zu vergleichen. Den einen fehlte die Intensität im Spiel, während andere sich gerade wegen der Kameraeinstellungen den Darstellern sehr nah gefühlt haben.

Während die Online-Premiere von „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ gebührenpflichtig war, ist der nächste Livestream kostenfrei zu sehen. Der Film „Lockdown Stendal“ ist ab Samstag, 17. April, um 19.30 Uhr für 24 Stunden abrufbar. Der Link dafür ist für Interessierte unter www.tda-stendal.de/ zu finden.

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