Sanierte Rathenower Straße ohne Überwege

Tempo-30-Zone in Stendal offiziell: Zebrastreifen bleibt weggewischt

Der Zebrastreifen am Ende der Karlstraße ist noch da, der dahinter wird nicht mehr neu angelegt.
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Der Zebrastreifen am Ende der Karlstraße ist noch da, der dahinter wird nicht mehr neu angelegt.

Stendal – Eine Familie mit Kindern stoppt und lässt zwei, drei Fahrzeuge passieren. Erst dann können alle mit einem Schwung die frisch sanierte Rathenower Straße passieren. „Früher war das einfacher“, meint der Mann.

In diesem Bereich drängen sich die Fahrzeuge nicht Stoßstange an Stoßstange, doch unerheblich ist der Verkehr nun auch nicht.

Zebrastreifen wird es zukünftig weder auf der Rathenower Straße noch auf dem Schadewachten geben. Die Stadtverwaltung richtet offizielle Tempo-30-Zonen ein, vorher war bereits 30 als zulässige Höchstgeschwindigkeit mit den runden Verkehrszeichen angegeben. Unterm Strich kommt es auf dasselbe heraus: Zebrastreifen stehen auf einer roten Liste.

Die Zebrastreifen der Rathenower Straße sind verschwunden. Baulich wurde die Strecke aber so gestaltet, dass es gerade ältere Leute beim Überqueren leichter haben.

„Die Fußgängerüberwege dort stammten noch aus dem Altbestand unserer Straßen, als Zebrastreifen noch regelmäßiger in Straßen mit Höchstgeschwindigkeit 30 angelegt wurden“, erläutert Rathaussprecher Armin Fischbach auf Nachfrage der AZ. Für die Zukunft und nach aktuellem Recht gelte: „In Tempo-30-Zonen kommt die Anlegung von Fußgängerüberwegen grundsätzlich nicht in Betracht.“

Die alte Rathenower Straße ließ sich in etwa auf halber Strecke nahe der Sperlingsida passieren. Ein zweiter Übergang befand sich annähernd dort, wo die Rathenower Straße zum Schadewachten wird. Beide Zebrastreifen sind mit der Sanierung der Rathenower Straße in den vergangenen Monaten verschwunden und sollen nicht neu angelegt werden. „Die erforderlichen Voraussetzungen werden nach der Sanierung der Rathenower Straße und der anstehenden Neugestaltung des Schadewachtens nicht mehr vorliegen“, bringt es Fischbach für das Fachamt auf den Punkt. Beide Straßen avancieren zu klassischen Tempo-30-Zonen, die im Allgemeinen der Verkehrsberuhigung dienen sollen.

Der Zebrastreifen sei eine von mehreren Möglichkeiten, Fußgänger beim Überqueren der Fahrbahn zu schützen. Für einen sicheren und funktionierenden Überweg müssten „bestimmte örtliche und verkehrliche Voraussetzungen“ erfüllt sein. „Dazu gehören beispielsweise eine ausreichende Einsehbarkeit und ausreichende Fußgänger- und Fahrzeugstärken.“ Und wie gesagt: Für Tempo-30-Zonen seien solche Querungshilfen schlichtweg nicht mehr vorgesehen. „Durch die verminderte Geschwindigkeit wird auf die übrigen Verkehrsteilnehmer, die Fußgänger, bereits in erhöhtem Maße Rücksicht genommen“, meint der Stendaler Rathaussprecher.

Diskussionen über Zebrastreifen und Tempo 30 hat es in der Stadt immer wieder einmal gegeben, erinnert sei allein an jene zur Bruchstraße nahe dem Ramelow-Kaufhaus. Dort war es öfter zu brenzligen Situation gekommen. Bei einem Unfall im Juni 2017 starb eine Frau, sie war von einem Paketfahrzeug erfasst worden. Die Stadt ließ die Verkehrsführung auch unabhängig davon überdenken und änderte sie in Teilen nicht zuletzt mit Blick auf den kreuzungsreichen Bereich Breite Straße /Bruchstraße / Kornmarkt. Das neue Konzept scheint sich in Großem und Ganzen zu bewähren, großartige Kritik ist jedenfalls nicht zu vernehmen. Vor einigen Jahren hatte es vor dem Kaufhaus noch einen Überweg gegeben.

Die Rathenower Straße wurde Anfang November nach mehr als einjähriger Bauzeit wieder für den Verkehr freigegeben. Es flossen etwa 1,8 Millionen Euro in die Maßnahme. Im Frühjahr sollen die Arbeiten am Schadewachten beginnen. Die Kosten: insgesamt rund dreieinhalb Millionen Euro. Wo Rathenower Straße und Schadewachten aufeinandertreffen, liegt auch die Karlstraße. Sie verfügt an diesem Ende übrigens noch über einen Zebrastreifen. Inwieweit dieser zukünftig Bestand haben wird, bleibt abzuwarten.

VON MARCO HERTZFELD 

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