Tauben gibt es überall auf der Welt

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Eine Runde um die Welt drehte der Bismarker Rico Dietzmeyer innerhalb eines Jahres, berichtete in der Aula des Winckelmann-Gymnasiums.

Stendal. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen. Das ist auch bei Rico Dietzmeyer der Fall.

Der 22-Jährige verließ seine Heimatstadt Bismark, um ein Jahr lang um die Welt zu reisen. Rund 100 Leute interessierten sich für seinen Vortrag, den er in der Aula des Winckelmann-Gymnasiums am Freitag hielt.

„Ich werde sehr lange reden und bin überhaupt nicht nervös“, erklärte Rico Dietzmeyer seinem zahlreich erschienenen Publikum. Im nächsten Atemzug versprach er auch noch, dass es ein „unglaublich genialer Vortrag“ werden würde. Und damit sollte er nicht unrecht behalten. Denn: Ausgenommen von einer Unterbrechung von etwa 25 Minuten, berichtete der junge Mann ununterbrochen von seinen Abenteuern, die er in einem Dutzend Ländern erlebte. 19.10 Uhr legte er los. Gegen 22.20 Uhr war er wieder „in Bismark“ gelandet, wo seine Reise begonnen und auch geendet hatte. Die Gäste blieben gespannt sitzen, lauschten seinen Anekdoten, sahen Fotos und auch Filme. Ein Weltenbummler-Fazit des Abends vorweggenommen: „Tauben gibt es überall.“

Das Abitur machte Dietzmeyer 2007. Zwei Jahre Bundeswehr wurden es danach, um „die Reisekasse zu füllen.“ Die Zeit bei der Bundeswehr sollte ihm Vorteile und auch Nachteile auf seiner Reise bringen. Ein Minus: „Mein Englisch hatte sich in meiner Zeit beim Bund nicht wirklich verbessert.“ Doch seine Sprachkenntnisse sollten sich „von Etappe zu Etappe“ auf höhere Ebenen bessern. Ein Plus: Im Australischen Bush „baute ich mir mit einem Schweizer, mit dem ich zusammen einen 30 Jahre alten Geländewagen gekauft hatte, einen Posten auf – mit Sichtschutz.“

Zunächst wollte der Bismarker ein Jahr durch die USA reisen. Doch gab es für die Vereinigten Staaten kein Visum, mit dem er auch hätte arbeiten können. Motivation zu weiteren Zielen habe Dietzmeyer in dem Buch „Endlich weg: Über eine Weltreise zu zweit“ von Rüdiger Barth bekommen. Und ein Internetvideo steigerte seinen Drang nach der großen weiten Welt ebenfalls, welches auch die rund 100 Gäste seines Vortrages zu sehen bekamen. Dieser Beitrag ist bei Youtube unter „Where the Hell is Matt?“ zu finden und wurde aktuell über 32 Millionen mal angesehen.

„New York ist wie im Fernsehen und du bist der Statist.“ Diesen Eindruck machte er auf seiner nach London zweiten Station. Dort fielen auch die Tauben als Wegbegleiter auf – in Australien sollten es die Fliegen werden. Nachdem er sich „die Schönheiten in Miami und die Niagarafälle“ angesehen hatte, ging die Reise nach Brasilien, genauer gesagt nach Rio de Janeiro. Auch wenn er dort Elend in den Favelas, den Armenvierteln Rios sah, bezeichnet der Weltenbummler diese Stadt als atemberaubend schön. Und noch eine Erfahrung musste er zu Beginn seiner Jahrestour machen. „Es gibt drei Regeln“, informierte er die Zuhörer. Man sollte in Rio nicht allein nachts am Strand lang gehen. „Ich habe es gemacht.“ Wenn man dann ausgeraubt wird, sollte man sich nicht wehren. „Ich habe mich gewehrt, was meine Räuber überraschte.“ Der eine habe nämlich vorher ein Messer blitzen lassen. Doch „mein Kampfsporttraining im Verein hat mich ermutigt und mein Wille, mein Geld, mein Handy und meinen Hut zu behalten auch.“ Doch die drei anderen jungen Männer, die zur Hilfe eilten, halfen nicht dem deutschen Touristen, sondern leerten seine Taschen, während die anderen ihn festhielten. Die dritte Regel: „Akzeptiere, dass du beraubt wurdest und gehe nicht hinterher.“ Der junge Mann ging natürlich hinterher und bekam wenigstens seinen Hut wieder, den er lautstark einforderte.

Weniger gefährliche Abenteuer erlebte er in Neuseeland, dessen Einwohner auch Kiwis genannt werden. Und um Kiwis ging es auch bei der Arbeit, die er dort antrat. „Ich musste Blüten pflücken und diese in einen Sammelbehälter füllen. Wenn man allerdings weibliche Blüten pflückte, gab es kein Geld, „eher links und rechts eine, verbal.“ Die männlichen Blüten brauchten die Kiwi-Farmer zum Befruchten der weiblichen Blüten, jene, aus denen später auch eine Frucht entstand. Nach etwas Übung fühlte er, welche er abnehmen musste. „Die Männlichen sind weich, die Weiblichen hart.“ In Neuseeland besuchte er auch Roturua. „Ich hatte vergessen, dass dort Schwefelquellen sind und fragte mich die ganze Zeit im Bus, welcher Fahrgast so nach verfaulten Eiern roch.“ Weiter nach Australien: Eine Runde rum wollte er mit motorisiertem Untersatz und lernte den Satz: „Mein Benzinkanister ist mein bester Freund.“ Er und seine Wegbegleiter hätten „das Ozonloch deutlich erweitert“, was nicht zuletzt dem 30 Jahre alten Wagen zuzuschreiben war, welcher aus lizenztechnischen Gründen die Reise allerdings nicht beendete. Sauberer war es dagegen in Tokyo. Auch wenn es dort keine Mülleimer gab. Der krasse Gegensatz war Indien. Ein Land, dass man gesehen haben sollte, womit sich Dietzmeyer allerdings nicht hatte anfreunden könne. Auf den Spuren von „Indianer Jones“ war er auch in Petra, Jordanien, sah sich die in den Fels gehauenen Tempel und Wohnhöhlen an, bevor es zu seiner letzten Station ging: Jerusalem, Israel. Ein Ort, wo bauliche und kulturelle Zentren verschiedener Weltreligionen dicht an dicht zusammenstehen und auch eine „Martin-Luther-Schule“ nicht fehlte.

Nach etwa drei Stunden war Rico Dietzmeyer thematisch wieder in Bismark angekommen. Und seine Zuhörer mussten aus dem Traum von der großen weiten Welt wieder erwachen. Geld nahm er nicht für den Abend, bat um eine Spende, die dem Kinder- und Jugendheim Stendal für den Bau eines neuen Naturspielplatzes dienen soll.

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