Verwilderter Dreckfink nimmt selbst das erste Haus am Platz ins Visier / Stadt: Noch kein Problem

Taube pfeift auf „Schwarzen Adler“

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Stendals Tauben lieben hohe Gebäude wie die Jacobikirche und die Marienkirche. Auch der „Schwarze Adler“ und weitere Häuser am Marktplatz werden gern angeflogen.

Stendal. Der „Schwarze Adler“, Stendals erstes Haus am Platz, scheint Tauben magisch anzuziehen. Die Tiere wechseln mitunter in beachtlicher Zahl zwischen Marienkirche und Hotel hin und her.

Wenn sie auf dem Dach und in den Nischen hocken, fällt entlang der Fassade das, was naturgemäß irgendwann fallen muss: Kot und Dreck. Fensterbretter und Fußgängerweg sind mal mehr, mal weniger betroffen. Auch andere Gebäude am Marktplatz bleiben nicht verschont. „Das gute Nahrungsangebot zieht die verwilderten Haustauben in die Innenstadt, leider wird zusätzlich auch noch durch Passanten gefüttert. Verschmutzungen in den Straßen durch achtlos weggeworfene Essensreste sind für die Tiere verlockend“, weiß Stadtsprecher Klaus Ortmann.

Bei Tieren in Massen setzt Bekämpfung ein

Ein regelrechtes Taubenproblem habe die Rolandstadt allerdings nicht. Zumal diese Vögel für viele Bürger einfach zum Stadtbild dazugehörten. Aktuell habe es eine Beschwerde aus der Stendaler Ortschaft Vinzelberg über allzu viele Exemplare gegeben. Ortmann: „Die vermehrte Zahl von Tauben dort hat sich bei mehrfacher Besichtigung durch das Ordnungsamt der Hansestadt Stendal bestätigt, der Vorgang ist zuständigkeitshalber an den Landkreis Stendal weitergegeben worden.“ Der Landkreis sehe jedoch noch kein massenhaftes Auftreten von wild lebenden Tauben und somit keinen Handlungsbedarf. Der Gesetzgeber ordnet die verwilderte Haustaube als tierischen Schädling ein. Tritt das Federtier länger massenhaft auf, muss es bekämpft werden.

Züchter in der Pflicht: Bausubstanz leidet

Augenscheinlich fühlen sich die Tauben auf hohen Gebäuden besonders wohl und halten sich mit Vorliebe auf Kirchendächern auf. „Stadttauben sind sehr standorttreu, ein gewolltes Zuchtergebnis bei der Haus- oder Brieftaube“, führt Ortmann ein Dilemma vor Augen. In der Regel handelt es sich um die Nachkommen von Tieren, die bereits vor langer Zeit aus den verschiedensten Gründen nicht mehr in den heimischen Schlag zurückgekehrt sind. Taubenzüchter seien grundsätzlich für ihre Tiere verantwortlich. Da es derzeit aber kein wirkliches Problem in Stendals Innenstadt gebe, müsse auch niemand in die Pflicht genommen werden. Das dürfe jeder Bürger natürlich gern anders sehen.

In der Hansestadt sei jedenfalls derzeit keine Bekämpfung von verwilderten Tauben geplant. Inwieweit die kulturhistorisch wertvolle Bausubstanz explizit unter Taubendreck leiden könnte, darüber will sich Ortmann kein Urteil erlauben. „Umwelteinflüsse sind natürlich immer auch ein Problem für alte Bausubstanz.“ Auch mit Blick auf mögliche Parasiten bleibt der Stadtsprecher recht gelassen: „Jedes Tier kann Krankheiten übertragen, Hund, Katze, Wellensittich oder andere. Tierkrankheiten, die Menschen anstecken können, sind selten, bei Einhaltung der üblichen Hygienemaßnahmen ist die Gefahr sich anzustecken gering.“

Abwehr der Plagegeister: Netz, Gitter und Spike

Wo sich die Taube zu einem regelrechten Plagegeist entwickelt hat, reagiert so manche Stadt mit extra angelegten Schlägen. Den Tieren werden dort einfach künstliche Eier untergejubelt, um die Population besser kontrollieren zu können. Ähnliches sei für Stendal nicht geplant, so Ortmann. Grundsätzlich könne die Taube durch bestimmte Maßnahmen in Schach gehalten werden. „Bei der Gestaltung von Fenstersims oder Mauervorsprüngen können Tauben ab einem Winkel von mehr als 55 Grad nicht mehr sitzen. Netze, Gitter, Spikes oder Drahtverspannungen vertreiben sie von den Gebäuden, letztlich jedoch nur verdrängend auf andere Häuser.“ Bei allen Abwehraktionen, unterstreicht der Stadtsprecher dabei, müsse der Tierschutz beachtet werden.

Stendals Turmfalke bevorzugt Mäuse

Von den in der Ostaltmark lebenden Greifvögeln gelten lediglich Sperber, Habicht und Wanderfalke als natürliche Feinde der Taube. In der Marienkirche scheinen sich Turmfalken eingenistet zu haben. Dieser Greifvogel ernähre sich hauptsächlich von Mäusen, hat sich Ortmann informiert.

Der Luftraum über Kirche, Rathaus, Roland, Markt und die angrenzenden Gebäude gehört vor allem den Tauben. Inwieweit die Geschäftsführung des Hotels „Schwarzer Adler“ in diesen Federtieren überhaupt eine Belastung sieht, dazu hat sich bislang keiner geäußert.

Von Marco Hertzfeld

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