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Tangermünder Tor: Stendal lässt lieber Wind durchblasen

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Von: Marco Hertzfeld

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Das Tangermünder Tor in Stendal in dunklen Stunden von Licht in Szene gesetzt.
Mit kunstvollem Licht ist das mittelalterliche Tor in einigen dunklen Stunden in Szene gesetzt. © Berit Boetzer

Das mittelalterliche Tangermünder Tor in Stendal soll für eine stärkere Nutzung ungeeignet sein. So sieht es die Stadtverwaltung. Diese Absage dürfte Heimatfreunde und Husarenverein nicht gefallen.

Stendal – Die Botschaft scheint klar und deutlich, die Adressaten dürften allmählich die Köpfe hängen lassen. Wer das Tangermünder Tor stärker genutzt sehen möchte, kassiert eine Absage, nicht die erste in dieser Geschichte. Für eine stärkere Nutzung spreche natürlich die Aufwertung, die damit einhergehe. „Dagegen sprechen allerdings die baulichen Gegebenheiten“, bekräftigt Susanne Hellmuth. „Würden die Innenräume abgedichtet, entstünde Feuchtigkeit im Gemäuer des denkmalgeschützten Stadttores. Dies steht einer dauerhaften Nutzung der Innenräume als Ausstellungsort entgegen“, erläutert die Rathaussprecherin. „Das Beste für das Bauwerk wäre, wenn der Wind durchs Gebäude blasen könnte und so innen wie außen gleiche klimatische Verhältnisse herrschen.“

Sprecherin: Objekt einfach gefährdet

Nicht zuletzt Heimatfreund Michael Trösken, der Husarenverein und die Kaschade-Stiftung wollen das historische Stadttor stärker nutzen und genutzt sehen. Längst haben diese Menschen ihr Herz an das Objekt nahe Landratsamt und Alstom-Werk verloren. Ihre Initiativen haben gefruchtet. In einigen Nachtstunden wird das Tangermünder Tor mit Licht in Szene gesetzt. Ein restaurierter Wagen der Stendaler Pferdebahn parkt unterhalb, gerade in der wärmeren Jahreszeit drehen die Husaren mit Gästen ihre Runden. Viel mehr scheint aber nach wie vor nicht möglich. Auch Hans-Jürgen Kaschade, seit Juli 2017 Ehrenbürger der Hanse- und Rolandstadt, macht sich regelmäßig für mehr Leben im zweiten noch erhaltenen Stadttor stark. Das Unverständnis könnte noch einmal wachsen.

DDR-Anbau kann irgendwann weg

Zumal die Stadtsprecherin weitere Gründe parat hat, warum es bei der aktuellen Intensität mehr oder weniger bleiben sollte. „Außerdem sind für eine dauerhafte Nutzung die Voraussetzungen zu Brandschutz und Fluchtwege nicht gegeben. Führungen durch das Innere des Stadttores können jedoch stattfinden.“ Trösken, Kaschade und Husaren haben mehr auf dem Zettel. Von einer ständigen Ausstellung zu Pferdebahn und Husarenregiment etwa ist seit Längerem die Rede, auch von einem Husarenzimmer ganz oben im Tor. Inwieweit allesamt nun ihre Pläne fallen lassen und resignieren, bleibt abzuwarten. Erst kürzlich hatte Trösken ein Diorama, ein Schaubild, Tangermünder Tor aus den 1930er-Jahren aufgearbeitet, gern sähe er es im großen Tor (die AZ berichtete).

„Eine kulturelle und touristische Aufwertung des Tores wird natürlich seitens der Stadt grundsätzlich positiv bewertet. Bei dem Bauwerk handelt es sich um ein bedeutendes Einzeldenkmal“, teilt Hellmuth nach Rücksprache mit Fachämtern weiter mit. Baulich soll einiges geschehen. „Die Wasserspeier müssen verlängert werden, bei den bestehenden fließt zu viel Regenwasser am Gemäuer herunter.“ Dieser Umstand habe bereits an verschiedenen Stellen zu Feuchteschäden geführt. „Ferner sind Putz- und Verfugungsarbeiten vorzunehmen. Im Inneren stehen Malerarbeiten an.“ Im Plan für 2022 sind 16 000 Euro aus dem Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz eingestellt. „Für die Zukunft wäre ein Ersatzbau für den wenig ansehnlichen Anbau aus jüngerer Zeit wünschenswert.“

Die Diskussion um den Anbau aus der DDR-Ära ist nicht neu, manchem erscheint dieser als regelrechter Fremdkörper. Das Tangermünder Tor ist neben dem Uenglinger Tor eines der noch erhaltenen historischen Stadttore Stendals. Der untere Bereich stammt aus dem 13. Jahrhundert, wesentliche Teile oberhalb sind jünger und lassen sich auf die Zeit um 1440 datieren. Ursprünglich hatte die altmärkische Kreisstadt dieser Tage mehrere Tore und Türme, einige wurden im 18. Jahrhundert abgebrochen. Das Tangermünder Tor steht am Schadewachten, der früheren Prachtstraße Stendals. Mit deren umfassenden Sanierung vor Kurzem rückte das Tor noch einmal besonders ins Blickfeld. Der Festumzug zum Sachsen-Anhalt-Tag, wann auch immer der nun stattfindet, soll dort entlangführen.

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