Frischvereidigter beantragt vierstelligen Haushaltsposten / Finanzpolitiker kontert: „Alle nutzen Privatcomputer“

Tackes Wunschliste sorgt für Kopfschütteln

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Hinter dem Fenster unten rechts hat Bürgermeister Wolfgang Tacke im Rathaus an diesem Montag sein Büro bezogen. Das soll nach seinem Willen jetzt so schnell wie möglich mit stabilem Sitzgerät und mit Dienstcomputer ausgestattet werden.

Werben. Aufruhr im Advent rufen die Weihnachtswünsche des vor vier Tagen vereidigten, neuen Bürgermeisters von Werben in Teilen des Stadtrates hervor.

Wer große Pläne hat, verlangt als Erstes nach einem großen Stuhl.

Wolfgang Tacke (parteilos) hatte am Mittwoch im Gespräch mit der AZ angekündigt, dass er für sein Büro im ersten Stock des Rathauses am Markt der weltkleinsten Hansestadt sofortigen Ersatz für einen Stuhl verlange, den der 63-Jährige wortwörtlich als „Sperrmüll“ bezeichnet hat. Ebenso hat das neue ehrenamtliche Stadtoberhaupt inzwischen nach Informationen der AZ einen Posten im Haushalt der von Konsolidierung bedrohten Kommune dafür beantragt, dass er möglichst schnell mit einem Dienstcomputer ausgestattet wird. Die Investition soll sich dem Vernehmen nach im vierstelligen Bereich bewegen. Wie aus Kreisen des Finanzausschusses der Verbandsgemeinde am Freitag zu erfahren war, verfüge aber kein einziger ehrenamtlicher Bürgermeister Arneburg-Goldbecks über einen Dienstrechner. „Sämtliche Bürgermeister benutzen alle ihre Privatcomputer“, erklärt ein Mitglied des Gremiums auf AZ-Anfrage. Der Mann möchte ungenannt bleiben, wundere sich aber doch sehr über die Erwartungshaltungen des neuen Werbener Stadtoberhaupts.

Wolfgang Tacke begründete die Neuanschaffung eines Sitzmöbelstücks für das Werbener Bürgermeisterbüro explizit mit seiner körperlichen Erscheinung. Der gebürtige Niedersachse sei mit seinen 1,97 Meter zwar ähnlich lang wie sein regulärer Vorgänger Jochen Hufschmidt. Aber seine 150 Kilogramm Gewicht verlangten nach einer stabilen Sitzgelegenheit. Schließlich verfolge der Sieger der Stichwahl gegen den Behrendorfer Übergangs-Bürgermeistervertreter Wolfgang Trösken „Große Pläne für Werben“.

Diese zumindest hat der 63-Jährige großformatig und plakativ im September für seinen Wahlkampf von dem Magdeburger Partyfotografen Engelbert Dudek eindrucksvoll in Szene setzen lassen. „Meine Liebe zu Werben war sehr schnell entfacht und hält jetzt schon fast zehn Jahre an. Bisheriger Lebensmittelpunkt ist Magdeburg. Ich verfüge über 34 Jahre Verwaltungserfahrung und entsprechende Praxis mit Parlamenten“, verkündet Tacke im Vorfeld seiner Kandidatur, über die die AZ bereits am 18. August exklusiv berichtet hat. Damals wollte der Ministerialrat im Magdeburger Finanzministerium seine Identität noch um jeden Preis geheimhalten – obwohl er für Werben eine „Liebe auf den ersten Blick“ empfinde.

Wann Tackes neuer Stuhl Einzug hält im wichtigsten Gebäude der Kleinstadt dürfte nicht zuletzt vom Stadtrat abhängen, der voraussichtlich erst wieder am 10. Januar tagt. Der 63-Jährige ist Mitglied des Arbeitskreises Werbener Altstadt (AWA), dessen Mitglieder relativ stark in der stärksten Fraktion, Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG), vertreten sind. Geleitet wird die UWG von Elisabeth Gellerich, die auch den Bau-Ausschuss anführt. Im Streit zwischen Mühlenverein und AWA (AZ berichtete mehrfach) setze Tacke jedenfalls darauf, „mit dem Ordnungsamt Einvernehmen herzustellen“. Dabei komme es ihm explizit auf das Ausschöpfen von „Entscheidungsspielräumen“ an.

Von Antje Mahrhold

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