Erwerb der Gebäude durch die Stadt wird für Projekt vorausgesetzt

Stendal: SWG-Chef will Süd rückbauen

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Eingeschlagene Fenster, verbarrikadierte Türen und viel Grün. So sehen viele der Wohnblöcke in Stendal-Süd aus. Die Flächen seien aber attraktiv, weil bahnhofsnah, so der SWG-Chef Daniel Jircik.

Stendal – Mit teils verbretterten Türen und eingeschlagenen Fenstern sind die Blöcke in Stendal Süd ein schwierige Ecke für Vermieter. Eine Begehung mit Mietinteressenten aus Berlin hat Daniel Jircik, Chef der Stendaler Wohnungsbaugesellschaft bereits gestartet (SWG).

„Schön, aber. . . “ seien die Reaktionen gewesen.

Mit diesen Häusern sei der Markt nicht zu erschließen, so die Schlussfolgerung des SWG-Geschäftsführers. Süd sei ein spannendes Pflaster. Die SWG ist Eigentümer einiger Flächen dort. Diese seien bahnhofsnah und deswegen attraktiv. Jedoch befinden sich die Gebäude in fremder Hand, womit der Vermietungsgesellschaft die Hände gebunden sind.

Vorstellungen, was getan werden könnte, habe Jircik allerdings schon. Die Häuser könnten zurückgebaut werden. Eine Sanierung würde sich seiner Ansicht nach nicht lohnen. Mit den Eigentümern sei allerdings keine Einigung in Sicht. Deswegen macht der Geschäftsführer den Vorschlag: Die Stadt erwirbt die Gebäude, die SWG übernimmt den Rückbau.

Im Rathaus stehe man der Idee offen gegenüber, erklärt Pressesprecher Armin Fischbach. Bereits bei der Versteigerung habe die Rolandstadt mitgeboten, sei den privaten Mitbietern jedoch unterlegen gewesen. Gespräche mit der SWG gebe es bereits. Möglichkeiten Druck auszuüben werden aber kaum gesehen, so Fischbach weiter. Das Recht auf Eigentum und die ständig wechselnden Eigentümer seien eine große Herausforderung. Für die Zukunft sei die Stadtverwaltung weiter bemüht die Situation zu einem „befriedigenden“ Ende für die Anwohner zu bringen.

Grundsätzlich stehe die SWG im fünften Jahr nach der Übernahme durch den Geschäftsführer sehr gut da. Eine Million Euro Gewinn wurde im Jahr 2018 eingefahren. Angesichts eines Anlagevermögens von 90 Millionen Euro sei die Summe relativ, aber der Wohnungsbestand sei erhalten worden. Die Abrisszeiten seien bei der SWG vorbei, so Jircik. Leider gäbe es wieder mehr Leerstand, dies hänge zum einen mit der endenden Flüchtlingswelle zusammen, zum anderen könne der Leerstand in den Randgebieten, wie Stadtsee, nicht mehr kompensiert werden. In Nord, der Bahnhofsvorstadt und dem Tiergartenviertel seien alle Wohnungen vermietet.

Weil die Stadt sich gut entwickele, aber kontinuierlich Einwohner verliere, werde es perspektivisch einen Teilrückbau mit Sanierung von Gebäuden in Stadtsee geben. Diese seien noch unsaniert und als Rückbaumasse gehalten worden.

Stolz ist der SWG-Chef auf die Aufzüge. Allein im neuen Jahr werden sieben eingebaut. Dies entspreche einem Zuwachs von einem Sechstel. Die insgesamt sechs Millionen Euro Investitionen im Jahr 2020 würden dann noch in energetische Sanierungen der Fassaden, Strangsanierungen und die Vorrichtung von Wohnungen fließen. Die Ansprüche an Wohnungen seien heute gestiegen. Die Wohnungen aus den 1970ern in Nord seien bei Auszug einer Partei regelmäßig überholt worden, so Jircik.

Selbst der Geschäftsbereich Uchtspringe schreibe mittlerweile schwarze Zahlen. Die Vorwendebauten sollen dort zurückgebaut werden, die Nachwendebauten sollen erhalten bleiben.

VON SIMON GERSTNER

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