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SWG-Chef: Einfach nur bauen reicht nicht, um Berliner anzulocken

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Von: Lisa Maria Krause

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Wohnungen in Dessau
Plattenbauten locken die Berliner nicht aus der Großstadt, selbst wenn sie billig wären, findet SWG-Chef Daniel Jircik. Es braucht Standortfaktoren in Stendal. © Jens Kalaene

„Wir können 5000 Wohnungen bauen, aber dann stehen 5000 Wohnungen leer“, erklärt Daniel Jircik, Geschäftsführer der Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG). Die Lösung für den von der Ampel-Koalition vorgesehenen sozialen Wohnungsbau sieht er nicht einfach nur im Bau von Wohnungen in Stendal, wie es Michél Eggert, der Bezirksvorsitzende der IG Bau Altmark-Börde-Harz, vorgeschlagen hatte.

Stendal - Es brauche mehr Attraktivität und Zusammenhalt.

Eggert findet, dass in Stendal weitaus mehr Wohnungen gebaut werden könnten. Er sprach über ein großes schlummerndes Potenzial (AZ berichtete). So einfach ist das nicht, betont Jircik. „Immobilien haben einen ganz großen Nachteil.“ Seit Jahren verlieren der Landkreis und auch die Stadt Stendal Einwohner. Nur mit Sterbenden sei das nicht zu erklären. „Es gibt auch eine negative Wanderung.“

Einfach nur noch mehr Wohnungen zu bauen, werde nicht die Berliner nach Stendal locken. Dazu braucht es mehr, sagt der Geschäftsführer. Das Saldo sei die Demografie. „Oder dafür zu sorgen, dass Leute hierher wollen.“ Da wäre auch Jircik dabei.

Seiner Meinung nach müssen verschiedene Akteure zusammenspielen, damit Berliner nach Stendal ziehen. „Es muss sichergestellt werden, dass der Zug auch funktioniert.“ Denn die Neu-Stendaler würden nur hier wohnen, wenn der Weg zur Arbeit bequem ist. Es müsse eine bessere Verbindung für Regionalzüge geben. Aktuell gibt es drei tägliche Direktverbindungen, alle am Nachmittag. „Das wird auch vormittags gebraucht. Das ist sonst völlig unattraktiv.“ Die 5000 Neu-Stendaler müssten eben auch in diese Züge passen.

Außerdem hat Jircik die Erfahrung gemacht, dass die Menschen aus den Großstädten im ländlichen Raum etwas Schickes zum Wohnen suchen. „Plattenwohnungen habe ich genug.“ Aber das gebe es in Berlin eben auch. Warum also nach Stendal ziehen? An dieser Problematik ist die SWG dran. Für Stendal Süd plant sie zumindest als Test eine Erschließung zwischen dem bereits bestehenden Neubaugebiet und der Rostocker Straße.

Dort könnten Mehrfamilienhäuser sowie Bauflächen für Eigenheime entstehen. Sollten diese gut angenommen werden, erwägt die Geschäftsführung einen Ausbau Richtung Osten. Der Standort hat bereits viel zu bieten, findet Jircik. Neben der Nähe zum Bahnhof und der Natur im Süden könnte der Kindergarten dort neu etabliert werden.

Damit kleinere Städte für Großstädter als Wohnort attraktiv werden, braucht es vor allem drei Faktoren, zählt der Geschäftsführer auf: eine Hochschule, ein Kino und ein Theater. All das kann Stendal für sich verbuchen. Er denke nicht, dass Stendal eine Schwarmstadt werden könnte. Aber: „Eine Schwarmstadt light wäre schon gut für uns.“

Für eine positive Zuwanderung können nicht nur Wohnungsunternehmen allein sorgen, betont der SWG-Leiter. „Es müssen sich alle zusammentun.“ Vielleicht sei dies auch als Aufruf für die Politik zu verstehen. „Kämpft um die Bahn, jeden Standortfaktor. Sie sollen nicht wegen fünf Euro den Theaterstandort aufs Spiel setzen.“ Grundsätzlich sei Stendal eine wunderschöne Stadt. „Das steht außer Frage.“ Nur müsse sie für Menschen aus den Großstädten attraktiver zum Wohnen werden.

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