Änderung nötig – „Das kann nicht angehen“

SWG-Chef Jircik: Aktuelle Abfallsatzung benachteiligt Stendaler Mieter

Mit der neuen Abfallsatzung könnten Bilder wie die von Müllwerker Manuel Wallisch, der die Unterflurcontainer mit einem Kran leert, im Landkreis üblicher werden.
+
Mit der neuen Abfallsatzung könnten Bilder wie die von Müllwerker Manuel Wallisch, der die Unterflurcontainer mit einem Kran leert, im Landkreis üblicher werden.

Stendal – SWG-Geschäftsführer Daniel Jircik ist sicher: Das aktuelle Abfallsystem im Landkreis ist unfair. Historisch gewachsen gebe es zwei verschiedene Systeme. Zum einen das im Altkreis Osterburg und das im Landkreis Stendal.

Mit der neuen Abfallsatzung könnten Bilder wie die von Müllwerker Manuel Wallisch, der die Unterflurcontainer mit einem Kran leert, im Landkreis üblicher werden.

„Das kann nicht angehen“, stellt Jircik klar. Unter anderem auch, weil es seine Mieter benachteilige. „Hier haben wir 240 Wohnungen“, erklärt der Geschäftsführer und deutet dabei auf den Elfgeschosser an der Carl-Hagenbeck-Straße. Mit rund 500 Bewohnern beherberge er mehr Menschen als so manches Dorf der Altmark. Mit der Quersubventionierung des Biomülls kämen diese aber auch für die Entsorgung des Grünschnitts von Einfamilienhäusern auf – obwohl sie sich zu Hunderten eine Grünfläche in ihrem Wohnumfeld teilen, die einige Villen für sich allein zur Verfügung hätten. Deshalb sei eine Anpassung der Satzung unbedingt notwendig. „Die alte suggeriert, dass jeder zahlt, was er verbraucht“, kritisiert Jircik. Das sei jedoch offenbar nicht der Fall.

Eine der weiteren Folgen der aktuellen Abfallsatzung im Landkreis lasse sich an vielen Hinterhöfen der Hansestadt beobachten: Jeder Haushalt hat eine eigene Tonne für jede Müllsorte. Mit der neuen Version, die aktuell erarbeitet wird, soll aber auch eine Umstellung auf eine Eigentümerveranlagung erfolgen. Wie sich diese auf die Tonnenmeere auswirken könnte, lässt sich bereits heute an einigen Standorten der SWG beobachten.

Hätte jede Wohneinheit an der Carl-Hagenbeck-Straße eine eigene Mülltonne, würden sie zu Hunderten die Fläche blockieren, die aktuell zum Parken zur Verfügung steht. Stattdessen setzt die SWG seit rund drei Jahren verstärkt auf ein Unterflurmüllsystem, das nach und nach ausgebaut werden soll. Aktuell gibt es in der Stadt zehn derartige Anlagen bei der SWG, in den kommenden zwei Monaten sollen zwei weitere folgen. „Unser Ziel ist es, in zwei bis drei Jahren alle Großwohnanlagen damit ausgestattet zu haben“, berichtet Jircik.

Das System habe einige entscheidende Vorteile: Die recht platzsparenden Einfüllstutzen sind behindertengerecht und können auch von Kindern gut genutzt werden. Wegen ihrer Metallbauweise finden Ratten und anderes Ungeziefer nur schwer einen Zugang.

Auch für die zuständigen Müllwerker sei es eine Arbeitserleichterung, wie Manuel Wallisch und der mit ihm arbeitende Auszubildende Stefan Bruns des zuständigen Entsorgungsbetriebs aus Demker berichten. Anstatt Hunderte von Tonnen zum Müllfahrzeug zu ziehen, werden die bis zu fünf Kubikmeter fassenden Container mit einem Kran aus dem Boden gehoben. Und: „Klar, das macht auch mehr Spaß“, sagt Bruns. Nicht bei jedem Entsorgungsbetrieb habe man die Chance, einen Kranschein zu machen und anzuwenden. „Auch für die Kinder ist es toll“, erklärt Wallisch mit einem breiten Grinsen. Obwohl die Müllabfuhr für die Jüngsten ohnehin schon faszinierend ist – mit einem Kran wird sie noch einmal doppelt so spannend. VON STEFAN HARTMANN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare