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Supermarktstreit in Osterburg wird teuer

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Von: Antje Mahrhold

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Stendal/Osterburg – Obwohl sich Donnerstagvormittag im Saal 121 des Landgerichts am Dom in Stendal trotz Novembernieselgräue insgesamt sieben Prozessbeteiligte pünktlich versammeln, muss sich die Runde erst in einer sogenannten akademischen Viertelstunde gedulden.

Als die Justizbedienstete, die das Protokoll dieser Berufungsverhandlung führt, um 9.16 Uhr zum zweiten Mal das Verfahren um einen Angeklagten aufruft, der sein Urteil wegen Beleidigung und Bedrohung vom Mai durch das Amtsgericht Stendal nicht akzeptiert, bleibt der Platz neben Pflichtverteidigerin Katja Albrecht-Sonne auf der Anklagebank weiterhin leer.

Anklagebank
bleibt leer

Auch ein Absuchen auf dem Gerichtsflur und vor der Eingangstür des markanten Justizbacksteinbaus durch Rechtsanwältin Antje Süß-Burgemeister, die als Betreuerin von Steve N. fungiert, bleibt ergebnislos. Auch diesen Umstand nimmt Vorsitzende Richterin Julia Rogalski in das Protokoll eines geplatzten Prozesses auf, der nur zustande gekommen ist, weil dies Wille der fehlenden Hauptperson gewesen sei.

Im Verlauf der knapp halbstündigen Verhandlung hatte Staatsanwalt Bernd Blasczyk der Betreuerin von zwischenzeitlich aktenkundig gewordenen, weiteren strafrechtlichen Vorkommnissen ihres Betreuten berichtet. Demnach sei ein Fall von Hausfriedensbruch sowie eine Leistungserschleichung, wohl wegen Schwarzfahrens, ermittlungsbehördlich registriert. Die Taten seien im Sommer nach dem Urteil des Amtsgerichts Stendal erfolgt. Dennoch habe es immer wieder ja auch Zeiten gegeben, in denen der Angeklagte, „nichts machen“ hätte können, wie die Vorsitzende dem Austausch zwischen Staatsanwalt und Betreuerin hinzufügt. Bei seiner Betreuerin erscheine N. zweimal die Woche, um sein Geld abzuholen. Eine Erinnerung an den Gerichtstermin sei über das Handy eines Bekannten von N. erfolgt, da dieser kein Mobiltelefon habe, berichtete Süß-Burgemeister.

Die amtliche Ladung zum Termin vor der Strafkammer 10 habe der Angeklagte am 21. Juli erhalten. Gegenstand des Verfahrens ist ein ein Vorfall, der sich vor einiger Zeit in einem Supermarkt in Osterburg zugetragen habe. Laut Anklage hielt sich N. dort auf, obwohl das Geschäft bereits geschlossen hatte. Als ihn zwei Mitarbeiter des Ladens kontrollieren wollten, habe sie der Angeklagte teils massiv beleidigt und bedroht.

„Unentschuldigt
nicht erschienen“

Angesichts des zu erwartenden Klärungsbedarfs hatte die Vorsitzende Richterin für den Berufungsprozess insgesamt drei Verhandlungstage angesetzt. Weil N. jedoch schon dem Prozessauftakt fernblieb und „unentschuldigt nicht erschienen ist“, wie Rogalski zu Protokoll nahm, hat die Strafkammer 10 das Verfahren beendet, ohne ein Urteil zu sprechen. „Die Berufung wird verworfen“, schloss die Vorsitzende die Sitzung, während es die Betreuerin für wahrscheinlich hielt, dass N. „hier wahrscheinlich so gegen halb elf Uhr auf der Matte steht“.

Wegen seines Fehlens soll N. zur Kasse gebeten werden. „Der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens“, erklärte die Richterin.

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