Stadt hat kein Interesse an einer Förderung des Quartiers / Entscheidung aus dem Jahr 2000

Süd-Investor auf sich allein gestellt

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Wenn die Raks-Blöcke unter den Hammer kommen, könnte ein Käufer mit eigenen Mitteln investieren. Die Stadt fördert Stendal Süd nicht – eine Entscheidung des Stadtrates. 

Stendal. „Es gibt seitens der Stadt absolut kein Interesse, in Stendal Süd zu investieren. Damit folgt die Verwaltung einem Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 2000, der einen Rückbau in Süd fordert."

So lautet die eindeutige Aussage von Stadtsprecher Klaus Ortmann im Hinblick auf die Versteigerung der Raks-Blöcke im Mai (AZ berichtete). Nun könnte man sagen, die Blöcke stehen quasi leer und sind optisch sicherlich kein Highlight im Stadtbild. Somit wäre der vom Stadtrat forcierte Rückbau nicht nur sinnvoll, sondern gewissermaßen auch alternativlos. Was aber, wenn von anderer Seite das Interesse besteht, dort zu investieren?.

Folgende Situation: Ein Unternehmen tritt an die Stadt heran, mit einem potenziellen Investor an der Hand. Dieser würde, wie die Bezeichnung suggeriert, Geld in die Hand nehmen, um die Immobilien zu kaufen. Und hofft dabei auf Unterstützung von der Stadt. Das passiert laut Ortmann regelmäßig. Doch der Versteigerungstermin steht bereits fest. Er wurde auch von der Stadt mitbeantragt. Denn der jetzige Besitzer der Blöcke, die Raks-AG, hat Schulden im sechsstelligen Bereich – bei der Stadt, den Stadtwerken und der Abwassergesellschaft. „Eine Versteigerung ist in unserem Interesse, um an die Außenstände zu kommen“, so Ortmann.

Die Versteigerung ist aber auch ein eindeutiges Signal für einen potenziellen Geldgeber, dass die Entwicklungsmöglichkeiten nicht nur eingeschränkt, sondern gar nicht vorhanden sind. Denn: Rückbau bedeutet auch, dass zum Beispiel keine Buslinien eingerichtet oder wiederhergestellt werden sollen. Auch eine Belebung des Viertels durch die Ansiedlung von Geschäften oder ähnliches ist nicht vorgesehen. „Es gibt auch keine öffentliche Förderung“, stellt Ortmann klar.

Und der Unternehmer, ein in Deutschland lebender Türke, fühlt sich nachteilig behandelt. „Die Stadt legt mir bewusst Steine in den Weg“, sagt er im AZ-Gespräch. Er sieht in Stendal Süd die Möglichkeit, in relativ kurzer Zeit preisgünstigen Wohnraum anbieten zu können. Und wundert sich dementsprechend, warum die Verwaltung ihn nicht unterstützt. Klaus Ortmann: „Der Bedarf an dem Wohnraum ist einfach nicht vorhanden. Wir haben in den vergangenen Jahren rund 6000 Wohnungen vom Markt genommen.“

Die Argumentation der Verwaltung bezieht sich, so Ortmann, jedoch lediglich auf eine mögliche Förderung der Stadt für Bauvorhaben in Süd. Aber erscheint am 18. Mai am Amtsgericht ein Käufer, der bereit ist, 2,049 Millionen Euro für die Blöcke zu zahlen, muss er die Häuser natürlich nicht abreißen. „Der Ersteigerer kann bauen, wenn er Geld dafür ausgeben will“, sagt der Stadtsprecher.

Und das wäre wohl auch nötig. Denn ein Wertgutachten, erstellt von einem Bauingenieur im Auftrag der Hansestadt, sagt Eindeutiges. „Es wird dringend empfohlen, vor einer Investition eine detaillierte Schadenserfassung in den Wohnungen durchzuführen. Die Mehrfamilienhäuser waren zum Ortstermin ohne Mieter. Von vereinzelt noch ausharrenden Bewohnern muss nach eigenem Augenschein jedoch ausgegangen werden“, so das Gutachten.

Von Mike Höpfner

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