Süd-Bewohner sitzen im Warmen

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Ob Gebete erhört oder einfach Plomben des Gerichtsvollziehers gebrochen wurden, wird den Mietern der rund 300 Wohneinheiten der M&E Real Estate GmbH in Stendal-Süd egal sein. Dem Fernwärmeanbieter nicht. Der Wohnungseigentümer schuldet Techem einen sechsstelligen Betrag, verweigert das Zahlen, weil angeblich Lieferpreise „sittenwidrig“ seien.

Stendal – Matthias Kuhn. Kein kaltes Wochende hatten offensichtlich die Mieter der rund 300 Wohneinheiten der M&E Real Estate in Stendal-Süd. Die im Zuge einer Zwangsvollstreckung abgestellte Fernwärme, sorgte dennoch für warme Räume. Plomben wurden gebrochen.

Als am Freitag Mittag Gerichtsvollzieher, Polizei und Techem-Mitarbeiter die Fernwärmezufuhr für die rund 300 Wohneinheiten der M&E Real Estate GmbH im Stendaler Stadtteil Süd sperrten und verplombten, stellte sich hansestädtische Verwaltung vorsorglich auf ein ereignisreiches Wochenende ein. Doch es blieb ruhig. Kein Mieter suchte nach einem Notquartier aufgrund ausgekühlter Wohnung. Dass der Fernwärmeanbieter zu solcher drastischen Maßnahme gegriffen hatte, ist in einem Rechtsstreit begründet. Der Wohnungseigentümer ist Techem einen sechsstelligen Betrag schuldig, bestätigte deren Pressesprecher Jens Christmann gestern. Seit einem halben Jahr habe die M&E Real Estate die Wohnungen kein Geld für genutzte Fernwärme gezahlt. Aus Sicht des Wohnungseigentümers würde kein gültiger Liefervertrag bestehen, Techem würde „sittenwidrige Preise“ für die Abnahme der Fernwärme verlangen, so M&E Real Estate Geschäftsstellenleiter Jörg-Michael Glewwe am AZ-Telefon. Und der Vermieter habe die Pflicht, führte er weiter aus, mit dem Geld seiner Mieter wirtschaftlich umzugehen. Techem habe von August 2009 bis August 2010 240 000 Euro für Fernwärme berechnet, legte Glewwe dar. Bei den Stendaler Stadtwerken hätten die Wohnungseigentümer je nach Vertrag zwischen 160 000 bis 180 000 Euro für die Fernwärme zahlen müssen. Der Fernwärmeanbieter verlange also ein Drittel mehr, als die Stadtwerke. „Überteuert“, meinte Glewwe. Dieser Sicht der Dinge folgten Richter in zwei Verhandlungen nicht, verurteilten den Wohnungseigentümer zum Zahlen. Doch Geld sei seit einem halben Jahr nicht geflossen, so Christmann. Für das mittelständische Unternehmen sei der Zahlungsausfall eine ernste Angelegenheit.

Dennoch blieb es das ganze Wochenende ruhig. Keiner der betroffenen Mieter suchte ein Notquartier, war aus der Stadtverwaltung zu erfahren. „Bei uns ist nicht kalt“, bestätigte auch Glewwe und sagte weiter: „Unsere Geschäftsführer sind sehr gläubige Menschen, die fünfmal am Tag beten. Offensichtlich wurden die Gebete erhört.“ Dass es keine göttliche Macht war, die die Mieter nicht frieren ließ, wusste Christmann. Die Plomben, die die Fernwärme sperrten, seien gebrochen worden. Dies hätten Techem-Mitarbeiter selbst gesehen und dokumentiert. Weitere rechtliche Schritte würden nun gegen die Eigentümer eingeleitet, so Christmann. Leidtragende seien die Mieter, die durch das Verhalten der M&E Real Estate „in Geiselhaft genommen“ werden. Dass die Wohnungen derzeit nicht kalt sind, ist das eine. Doch wie lange noch Wasser aus den Leitungen fließen werde, sei fraglich. Laut Heike Weidemann, Geschäftsbereichsleitung Vertrieb der Stendaler Stadtwerke, habe der Eigentümer auch dort Außenstände für Wasser und Abwasser. Es drohe in diesem Fall ebenfalls das Sperren. Diese Gefahr sah Glewwe gestern nicht. Die Abschläge für Wasser und Abwasser würden „seit März“ gezahlt, sagte er gegenüber der AZ.

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