Winterdienst rutscht aus

Streusalz türmt sich in den Hallen: Landkreis Stendal zieht die Reißleine

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Straßenwärter Dietmar Handzelek zeigt im November 2017 die Salzberge. Die Halden in der Halle der Kreisstraßenmeisterei in Osterburg sind in diesem Winter nicht sonderlich kleiner geworden.

Stendal – Die Straßenmeisterei des Landkreises bleibt auf dem Streusalz sitzen. Mindestens 1000 Tonnen lagen zu Beginn des Winters im Lager in Tangermünde und Osterburg. Im Norden sind gerade einmal 140 Tonnen verbraucht, im Süden 170 Tonnen.

Die vielen milden Winter der jüngeren Vergangenheit lassen das Landratsamt umdenken. Es wird überlegt, in diesem Sommer weniger große Mengen einzulagern.

Das Salz liegt in den Hallen aus Holz auf Asphalt, Metall und Beton. Die Böden sind wegen der Aggressivität der Kristalle ungeeignet. In diesem Jahr ganz auf neues Salz zu verzichten, sei nicht möglich. „Eine Ausschreibung muss stattfinden, um aktuelle Lieferpreise abzufragen und auch einen Preis für Nachlieferungen im Winter zu haben, falls dieser wieder strenger wird“, erläutert Kreissprecherin Angela Vogel auf Nachfrage der AZ.

Für die laufende Saison waren nur 175 Tonnen Salz neu bestellt worden, mehr als 800 Tonnen waren Bestände der Vorjahre. Das Streumittel werde nicht gleich unbedingt schlecht. Wichtig sei eine trockene Lagerung.

Im harten Winter 2009/10 wurden 1900 Tonnen Salz verbraucht, im Winter 2010/11 immerhin 1000 Tonnen, 2016/17 noch 565 Tonnen und in dieser Saison bislang 310 Tonnen. Vogel kennt weitere Zahlen und die Extreme: Das harte Kältejahr 2010 ging ins Geld, der Winterdienst für Januar bis März sowie November und Dezember kostete fast 740.000 Euro. Hingegen waren es im Jahr 2017 nur 220.000 Euro. „Dieser Wert wird 2018 noch einmal unterboten.“

Die Kosten werden immer jahresbezogen ermittelt. Ein durchschnittlicher Winter kostet den Landkreis 250.000 Euro, einschließlich Lohn, Material und Technik. Davon ist die jüngste Saison weit entfernt. Der Frühling hat begonnen, mit einem Wintereinbruch rechnet kaum noch jemand. Die Straßenwärter mussten in den vergangenen Monaten zu 14 Einsätzen ausrücken, in strengen Wintern bewegt sich die Zahl mindestens im dreistelligen Bereich. Verbraucht wurden auch 100 Tonnen Magnesiumchlorid. Die Lauge wird auf dem Streuteller mit dem Salz vermischt und ausgebracht.

Sechs Lkw und fünf sogenannte Universalmotorgeräteträger, besser bekannt als Unimog, gehören zur Flotte. Betreut werden 474 Kilometer Kreisstraßen und etwa 13 Kilometer Gemeindestraßen. Entsprechend der Fahrzeugzahl gibt es elf Streubezirke, der Einsatz erfolgt zeitgleich.

Die kürzeste Tour der Straßenmeisterei beträgt 26 Kilometer, die längste 62,5 Kilometer. Während sich der Winter in der Altmark von der milden Seite zeigte, versanken Teile Süddeutschlands im Schnee. Der Winter forderte dort sogar Tote.

VON MARCO HERTZFELD

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