Beschmierte Stolpersteine

Anti-Nazi-Bündnis in Stendal erstattet Anzeige

Vor den Stolpersteinen an der Hallstraße in Stendal liegen weiße Rosen.
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Die Tafeln an der Hallstraße in Stendal sind gesäubert und offensichtlich noch ein weiteres Mal poliert worden.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Das Stendaler Bündnis „Herz statt Hetze“ hat wegen der zwei beschmierten Stolpersteine Anzeige erstattet. Wer die Gedenktafeln bekritzelt hat, weiß die Polizei noch nicht. Die Ermittlungen laufen.

Stendal – Im Fall der beiden bekritzelten Stolpersteine in Stendal hat das antinazistische Bündnis „Herz statt Hetze“ bei der Polizei Anzeige erstattet und Strafantrag gestellt. Mit Bestürzung habe die Gruppe erfahren, dass die Tafeln vor der Hallstraße 4 beschmiert und damit geschändet worden seien. Mitglieder des Bündnisses legten vor dem Wochenende zwei weiße Rosen neben die Steine und stellten Kerzen auf. „Es war uns ein inneres Bedürfnis, solche Vorfälle darf es einfach nicht mehr geben“, sagt Sylvia Gohsrich auf Nachfrage der AZ. Die Tafeln nahe dem Marktplatz erinnern an Auguste und Richard Cohn, jüdische Stendaler.

Mitte vergangener Woche sahen die Stolpersteine nahe dem Stendaler Marktplatz noch so aus.

Kriminalpolizei ermittelt

Die Kriminalpolizei in der Hansestadt ermittelt. Hinweise auf den oder die Täter gebe es derzeit nicht, auch hätten sich bislang keine Zeugen gemeldet, die in diesem Fall irgendwie hätten weiterhelfen können. Polizeisprecher Dirk Marscheider bestätigte gestern Nachmittag den Eingang einer Anzeige. „Die dazugehörigen Informationen sind bei der Polizei eingegangen und werden im Rahmen des Verfahrens derzeit gesichtet und ausgewertet.“

Stadt hat Farbe entfernen lassen

Die metallenen Platten waren, wie berichtet, mit einem Filzstift oder Ähnlichem bemalt worden. Die Stadt hatte die Tafeln nach Bekanntwerden umgehend säubern lassen. Weil sich die Farbe rückstandslos habe entfernen lassen und ähnliche Vorfälle bislang nicht bekannt seien, wollte die Stadtverwaltung selbst das Ganze nicht zur Anzeige bringen. Gleichwohl solle nun einmal mehr genauer hingeschaut werden, wurde gegenüber dieser Zeitung aus dem Büro des Oberbürgermeisters betont. Stolpersteine gedenken der Menschen, die in der Nazizeit ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. In der altmärkischen Kreisstadt sind insgesamt sechs Steine verlegt, weitere sind geplant.

Appell: Kampf gegen Antisemitismus

Republikweit wird dieser Tage auf 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland zurückgeblickt. Damit verbunden ist der Appell, Antisemitismus zu bekämpfen. Judentum hat in Stendal derzeit eine vornehmlich historische Dimension. Eine Tafel nahe dem Ostwall erinnert an die einstige Synagoge, zudem gibt es einen alten jüdischen Friedhof. Eine eigene jüdische Gemeinde existiert nicht, die nächstgelegene dürfte jene in Magdeburg sein.

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