Stimmung durchwachsen

Gewerbetreibende über die Arbeiten an den Schadewachten

Gerade sind die Bagger vor dem Altmärkischen Museum im Gange. Der Tiefbau könnte wie bereits berichtet im Frühling fertig sein.
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Gerade sind die Bagger vor dem Altmärkischen Museum im Gange. Der Tiefbau könnte wie bereits berichtet im Frühling fertig sein.
  • Lisa Krause
    vonLisa Krause
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Stendal – An Stendals Schadewachten kommt langsam Frust auf. Passanten und Anwohner regen sich über den andauernden Lärm und Schmutz auf und selbst die Stadt hat schon von dem Ärger erfahren (AZ berichtete). Nun fragte die AZ noch einmal genauer nach.

Christine Kumpmann ist Verkäuferin in einem Buchladen an den Schadewachten in Stendal.

Und zwar bei den Gewerbetreibenden, die wohl am meisten von den Straßenbauarbeiten betroffen sind. Das Stimmungsbild der drei Befragten zeigt sich durchwachsen. „Es ist gar nicht so schlimm, wie ich erwartet habe“, gibt Bettina Höft zu, die an der Straße einen Blumenladen besitzt. Sie hatte zuvor die Bedenken, dass die etwa zwei Jahre andauernden Arbeiten eine Katastrophe für ihr Geschäft bedeuten würden. „Hier vorne haben wir aber Glück“, denn das Geschäft befindet sich am nördlichen Ende der Schadewachten. Auch Lieferanten würden keine Probleme haben, zu dem Blumenladen zu kommen. Es seien nur ein paar Schritte. Die Kunden zeigten laut der Ladenbesitzerin ihr gegenüber Verständnis und Mitgefühl.

Die Bauarbeiter haben die Anweisung, zu jeder Zeit einen Zugang zu den Geschäften zu gewährleisten. „Die Zusammenarbeit mit ihnen läuft wunderbar“, berichtet Höft. „Ich hatte schon erwartet, dass ich keine Blumen mehr rausstellen kann, aber das ist kein Problem.“ Derzeit sind zwei Brücken vor der Ladentür ausgelegt, um auch bei schlechtem Wetter einen Zugang zu ermöglichen.

Nur beim Baggern direkt vor dem Geschäft im Sommer habe es Probleme gegeben. „Es war sehr laut, sodass wir uns anschreien mussten. Und wir lassen im Sommer gern die Tür offen. Also musste der Staub regelmäßig weggewischt werden“, erklärt die Geschäftsführerin. „Alles im allem sind die Arbeiten aber nur Pillepalle im Vergleich zu der Unsicherheit wegen der Corona-Pandemie.“

Ein weiterer Ladenbetreiber an den Schadewachten, der anonym bleiben will, zeichnet ein gänzlich anderes Bild von den Bauarbeiten: Mindestens die Hälfte seines Umsatzes sei zurückgegangen, berichtet er sichtlich frustriert. „Da habe ich mich erschrocken, denn erwartet habe ich das nicht“, gibt der Besitzer zu.

Gerade der Lärm sowie der Schlamm und Schmutz sind für ihn belastend. „Es gab Kunden, die haben sich beschwert, dass ihre Schuhe kaputt gehen, wenn sie herkommen.“ Nur noch Stammkunden würden den Weg in den Laden finden. Laufkundschaft gebe es wenig bis gar keine.

Dennoch sieht er ähnlich wie Höft das Verhältnis zu den Bauarbeitern positiv. „Sie arbeiten sehr intensiv, sind kulant und hilfsbereit“, berichtet der Ladenbesitzer. Trotzdem gibt es auch Kritik: „Es sind zu wenige, so zieht sich das noch ewig hin.“ Zusammenfassend bedeute der Straßenbau eine „geballte Ladung an Problemen“ für sein Geschäft.

„Wir dachten, es wird schwierig“, berichtet Christine Kumpmann, die in einem Buchladen an der Straße arbeitet. Das Geschäft sei bereits bei den Bauarbeiten in der Rathenower Straße, die an Stendals Schadewachten grenzt, im vergangenen Jahr betroffen gewesen. Da konnte die Verkäuferin bereits Erfahrungen mit dem Baulärm sammeln.

Anfangs seien die Arbeiten in ihrer Straße auch belastend gewesen. Jeden Tag sei der Weg zu ihnen anders gelegt worden. Die wenigen Kunden, die kamen, mussten sich dementsprechend mehr Mühe machen. Dadurch habe es auch Einschnitte in den Verkauf gegeben, und für eine Weile sei Kurzarbeit in dem Geschäft angeordnet worden. „Jetzt geht es inzwischen. Nur die andere Seite hat es derzeit schlimm“, findet Kumpmann. Auf der Seite des Buchladens gibt es immerhin wieder einen Asphaltweg. Es kämen auch wieder mehr Laufkunden. Nur die An- und Auslieferung von Waren sei schwer, da man nur weiter weg parken könne, anstatt wie früher direkt vor der Ladentür.

Aber die Bauarbeiter seien immer ansprechbereit und hielten die Gewerbetreibenden meist auf dem Laufenden über die Entwicklungen. Abschließend sagt Kumpmann: „Es ist zwar manchmal nervig, aber nicht nur negativ. Wir freuen uns auf die neu gemachte Straße.“

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