Öffentliche Toiletten kosten über 24 000 Euro im Jahr / Gastronomen wollen keine Kooperation

Stilles Örtchen bleibt Kostenfaktor

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Eine der öffentlichen Toiletten Stendals befindet sich an der Priesterstraße, direkt am Winckelmannplatz. Gut für Bürger und Besucher, teuer im Unterhalt für die Stadt.

Stendal. Wohl jeder Mensch kennt das Gefühl, wenn man unterwegs ist und von einem dringenden natürlichen Bedürfnis heimgesucht wird. Dann ist man froh, wenn ein stilles Örtchen in der Nähe ist. Im Stadtgebiet der Hansestadt existieren derzeit vier öffentliche Toiletten.

Sie sind mit Ausnahme der Toilette am Hauptbahnhof kostenfrei. Die Stadt hat deutlich mehr Ausgaben als Einnahmen. Und eine Kooperation der Stadt mit Gastronomen, die ihre Toiletten Menschen in Not zur Verfügung stellen könnten, kommt wohl nicht zustande.

Die vier Bedürfnisanstalten befinden sich am Hauptbahnhof, an der Priesterstraße, an der Hospitalstraße und am Uenglinger Tor. „Dazu kommen zwei öffentliche Toiletten im Tiergarten und auf dem Friedhof. Zudem haben wir am Abenteuerspielplatz im Stadtforst eine mobile Dixi-Toilette aufgestellt“, informiert Stadtsprecher Klaus Ortmann auf AZ-Anfrage. Der Bestand an öffentlichen Toiletten werde als ausreichend erachtet. Auch gebe es seitens der Einwohner keine Forderungen nach mehr öffentlichen Toiletten.

Allein für die Reinigung dieser Einrichtungen werden jedes Jahr über 22 000 Euro fällig. Hinzu kommen Unterhaltung, 2000 Euro, und die Miete der mobilen Toilette am Abenteuerspielplatz, 950 Euro im Jahr. Lediglich die Toilette am Bahnhof erwirtschaftet einen Gewinn von 540 Euro im Jahr, das entspricht etwa 1800 Nutzern. Die Toiletten werden durch städtische Mitarbeiter gereinigt. Die Miettoilette am Abenteuerspielplatz wird durch das Vertragsunternehmen gereinigt. Weitere öffentliche Toiletten seien demzufolge laut Information der Stadtverwaltung nicht geplant. „Forderungen nach mehr öffentlichen Toiletten werden aus der Bürgerschaft derzeit nicht geäußert“, so der Stadtsprecher.

Denn für viele Menschen bietet die sanitäre Einrichtung eines Restaurants oder einer Gaststätte ein angenehmeres Umfeld als eine öffentliche Bedürfnisanstalt. Also doch eigentlich ein Grund, um über eine Kooperation mit Gastronomen nachzudenken. So geschehen bereits im Jahr 2013. Die FDP-Fraktion im Stadtrat forderte seinerzeit die „Nette Toilette“. Ein Konzept, was bereits in über 230 deutschen Städten Anwendung findet. Der Hintergrund: Die Stadt unterstützt die Gastronomen finanziell bei der Pflege der Toiletten und spart dadurch Kosten. Der Gastronom bekommt den einen oder anderen neuen Gast und die Bevölkerung erhält ein flächendeckendes Netz an frei zugänglichen Toiletten.

Das Problem in Stendal: „Eine Umfrage ergab, dass seitens der Gastronomen bis auf wenige Ausnahmen keine Bereitschaft bestand, ihre Toilette für Gäste und Einwohner der Stadt zur Verfügung zu stellen“, sagt Ortmann.

Von Mike Höpfner

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