Jung und schwer krank

Stiftung in Stendal startet Ambulanten Kinderhospizdienst

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Sie unterstützen Sterbende: Pfarrer Ulrich Paulsen, Koordinatorin Susanne Kanemeier, Ehrenamtliche Gudrun Jensch und Eileen Wolf-Köppe (v.l.).

Stendal – Die Begleitung kann mehrere Jahre dauern, und die kleinen Patienten sprechen ungewohnt offen über den Tod: Die Arbeit mit lebensbegrenzend erkrankten Kinder unterscheidet sich mitunter deutlich von der mit sterbenden Erwachsenen.

Mit einer Qualifizierung von 15 Ehrenamtlichen hat der Ambulante Kinderhospizdienst Altmark seine Arbeit aufgenommen.

„Wir schließen damit eine der letzten Versorgungslücken in Sachsen-Anhalt“, sagt Pfarrer Ulrich Paulsen von der Stiftung Adelberdt-Diakonissen-Mutterhaus, die in Stendal seit 20 Jahren stationäre wie ambulante Hospizarbeit leistet.

Zwei hauptamtliche Koordinatorinnen werden sich den großen Bereich räumlich aufteilen. In Stendal ist Susanne Kanemeier die Ansprechpartnerin. Ihre Kollegin Kathleen Tanger hat ihre Spezial-Qualifizierung bereits abgeschlossen. Sie wird das Hospiz-Team in Gardelegen verstärken.

„Wir hatten schon bisher ein- bis zweimal im Jahr Anfragen von Familien zur Begleitung von Kindern oder Jugendlichen“, berichtet Paulsen beim Pressegespräch. Die Hauptamtlichen nahmen sich dieser Fälle an. Etliche Bürger aus der Altmark wenden sich aber direkt an Kinderhospizdienste in benachbarten Regionen. Wie groß der Bedarf sein wird, ist unklar. Im ersten Jahr rechnet Paulsen mit „einer Handvoll“ junger Patienten, die etwa an Krebs, neurologischen oder Stoffwechselkrankheiten leiden.

Medizinisches Wissen, Entwicklungspsychologie oder Kommunikation mit Kindern stehen auf dem Lehrplan der Qualifizierung, die die Ehrenamtlichen bis zum Herbst durchlaufen werden. Viele von ihnen haben schon Erfahrung im Umgang mit trauernden Kindern, etwa im Projekt „Hospiz in der Schule“ oder beim „Trauerklettern“.

„Kinder stellen viel mehr Fragen“, weiß Eileen Wolf-Köppe (45) aus Tangerhütte. Die Stendalerin Gudrun Jensch (66) schätzt an ihrem freiwilligen Dienst, dass „so viel Leben in dieser Tätigkeit“ sei. Grundsätzlich bekämen alle Ehrenamtlichen „viel Dankbarkeit zurück“, erläutert Susanne Kanemeier.

Ob Betreuung des schwer kranken Kindes, der Geschwister oder Entlastung für Eltern: Welche psychosoziale Unterstützung die Familie braucht, wird von Fall zu Fall entschieden. Bezahlen müssen die Klienten für den Dienst nichts. Er wird von den Krankenkassen bezuschusst.

Für die langen Wege in der ausgedehnten Altmark reiche das allerdings nicht aus, und die Aufbauphase müsse die Stiftung selbst finanzieren, erläutert Paulsen. Daher würden allein in diesem Jahr 45 000 Euro zusätzlich an Spenden gebraucht. Paulsen zeigt sich „hoffnungsvoll, dass zu den engagierten Menschen und den guten gebündelten und vernetzten Kompetenzen dann auch das Geld kommen wird“.

Weitere Ehrenamtliche sind stets willkommen – unter anderem weil die flächendeckende Versorgung in der ländlichen Region schwierig ist. Die nächste Schulung beginnt im Herbst.

Familien können sich ab sofort an den Kinderhospizdienst in Stendal wenden, Wendstraße 14, Tel. (03931) 21 83 38.

VON KAREN WERNER

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