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Stendals Ehrenbürger macht Millionen locker

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Von: Marco Hertzfeld

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Prof. Hans-Jürgen Kaschade kommt in seinem Stendaler Domizil die Treppe herunter.
Prof. Hans-Jürgen Kaschade geht die Treppe in seinem Stendaler Domizil an der Weberstraße hinunter. Aber bitte: Der Hansestadt Stendal bleibe er treu. An den Wänden des Hauses hängen verschiedenste mitgebrachte Devotionalien und Geschenke. Nicht zuletzt für das Literaturhilfswerk und die Stiftung war der Professor viel auf Reisen. © Marco Hertzfeld

Stendals Ehrenbürger Prof. Hans-Jürgen Kaschade kehrt der Hansestadt keineswegs den Rücken. Im Gegenteil: Der Niedersachse stärkt unter anderem weiter die Kaschade-Stiftung. Es geht um Geld und Immobilien.

Stendal – Prof. Hans-Jürgen Kaschade reagiert schon fast ein wenig beleidigt. Natürlich kehre er Stendal nicht den Rücken. „Alles Gerüchte“, beteuert der Ehrenbürger der Hansestadt und will mit einem breiten Lächeln letzte Zweifel wegwischen. „Es ist doch eher umgekehrt.“ Der Niedersachse überträgt einen Großteil seiner Immobilien an jene Stiftung, die nach seiner Frau Hermine und ihm benannt ist. Auch ein beachtlicher Teil seines weiteren Vermögens soll in die Kaschade-Stiftung fließen. Was viele Altmärker vielleicht nicht wissen: Der Professor gilt als mehrfacher Millionär. Bereits als junger Mann verdiente er mit Wertpapieren und Aktien einen größeren Betrag. Einen Namen machte er sich nicht zuletzt als Gründungsrektor der Hochschule und später durchaus auch als Unternehmer im Fensterbau.

Als Flüchtling 1945 durch die Altmark

Der studierte Sozialpädagoge ist ein Grenzgänger. Im Juli 1945 sah er Stendal das erste Mal, damals war der gebürtige Ostpreuße fünf Jahre alt. Die Flüchtlingsfamilie erlebte nicht viel mehr als den Bahnhof, es ging mit dem Zug weiter gen Westen. Nach der politischen Wende in Ostdeutschland konnte die Verbindung zu Sachsen-Anhalt und der Altmark so richtig wachsen. Kaschade war Gründungsrektor der Fachhochschule in Magdeburg und jener in Stendal, die anfangs noch eigenständig sein sollte. Das Flüchtlingskind von einst war für einige Zeit Geschäftsführer des Existenzgründerzentrums BIC in Stendal. Noch jetzt kommt der 81-Jährige in der Regel für zwei Tage aus Hohenvolkfien, einem Dorf im Landkreis Lüchow-Dannenberg, in die benachbarte Altmark.

Projektliste selbst 2022 beachtlich

Die 1996 gegründete Kaschade-Stiftung mit Sitz in Stendal soll gestärkt werden. Daran lässt der Professor im AZ-Gespräch keinen Zweifel. „Die Stiftung trägt Früchte und das soll sie weiterhin tun. Meine Frau wird im Februar 80, ich im Juli 82. Wir wollen einfach alles zu Lebzeiten geregelt sehen, ganz klar. Und bitte: Mitnehmen lässt sich ja sowieso nichts.“ Auch und gerade nicht die 60 Hektar Ackerland in Kanada, die Kaschade gehören. Einst von einem ausgewanderten Onkel übernommen, sollten sie unkompliziert der Stiftung zugeschrieben werden. Doch Pustekuchen. Rechtliche Hürden lassen erst einmal alles unverändert. Der Zweck der Stiftung passt ganz gut in Kaschades Lebensbild, es geht um die Förderung der internationalen Beziehung in Stendal und Umgebung, vor allem um Bildung und Kultur.

Zahlreiche kleine und große Projekte sind von der Stiftung gefördert worden, auch so läuft in der altmärkischen Kreisstadt einiges über oder mit Kaschade, seit 2017 Ehrenbürger. Aktuell auf der Liste stehen zum Beispiel die nächsten Lichttage in Stendal, die Eisenbahnausstellung zum Stadtgeburtstag, das Roland-Ensemble aus Bronze vorm Altmärkischen Museum, aufzuarbeitende Diorame, Schaubilder, mittelalterlicher Bauten, der Wettbewerb Jugend forscht, die Osterburger Literaturtage. Corona und all die Regeln haben auch die Arbeit der Stiftung eingeschränkt. „Wir wirken ja nicht abgekoppelt im Elfenbeinturm. Ich weiß, dass der eine oder Antrag auf Förderung wieder vorliegt.“ Die Stiftungsgremien seien dran.

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