An der Spitze des landesweit größten Kreises

Stichwahl bringt Politikwechsel: „Kein Grund, übermütig zu werden“

+
„Die Aufgabe wird nicht leichter, nur weil das Wahlergebnis gut ist“, wirkt Patrick Puhlmann wie fassungslos.

Stendal – Generationswechsel mit „Jung“ schlägt „Erfahren“ auf dem höchsten Posten im Landratsamt: Als zweiter Sozialdemokrat der jüngeren Geschichte des Landkreises kickt Patrick Puhlmann (SPD) am Sonntag den zwei Jahrzehnte älteren Amtsinhaber vom Chefsessel der Stendaler Kreisverwaltung.

Damit zeigt er Carsten Wulfänger (CDU) die Rote Karte – obwohl der 36-Jährige aus Storkau zuletzt keinen Fußball, aber SPD-rote Boxhandschuhe sowie Pfeil und Bogen als Wahlkampfutensilien ins Feld um Stimmen geführt hat.

Und was dem neuen Hauptverantwortlichen des größten Landkreises Sachsen-Anhalts einen klaren Sieg eingebracht hat – mit rund 70 Prozent.

Allein das „Publikum“ hat sich an diesem Ersten Advent deutlich weniger an die Urnen der landkreisweit 185 Stichwahllokale locken lassen. Im Vergleich zum ersten Wahlgang vor drei Wochen, als AfD-Bewerber Arno Bausemer als dritter Kandidat 20,6 Prozent geholt hat und die Wahlbeteiligung bei 36,2 Punkten lag, sind dieses Mal rund zehn Prozent weniger aller 95 000 Wahlberechtigten der Ostaltmark bereit, ihre Stimme abzugeben.

Fest steht schon gut eine Stunde nach dem Schließen der Wahllokale, dass sich die rund 700 Mitarbeiter der Kreisverwaltung mit einem neuen Dienstherrn anfreunden müssen. Die Amtszeit von Wulfänger, der zuletzt damit für sich geworben hat, „der Region immer treu geblieben“ zu sein, endet im März. Bis dahin fließt noch viel Wasser durch Elbe, Biese, Uchte und Aland, aber das Weihnachtsfest des Christdemokraten aus Ostelbien dürfte von der klaren Niederlage beeinflusst sein. Ebenso in Gange ist bereits das Scharen um begehrte Posten, die mit dem Wechsel in der Chefetage an der Hospitalstraße erwartungsgemäß vonstattengehen werden. Für den Nachfolger von Alt-Landrat Jörg Hellmuth (CDU) kreuzten rund 30 Prozent an, was eine deutlich klare Niederlage ist – trotz Amtsbonus.

Am schnellsten mit dem Auszählen und dem Melden des Ergebnisses ins Kreiswahlbüro in Stendal fertig waren am Abend ähnlich wie vor drei Wochen wieder die ehrenamtlichen Wahlhelfer im zur Gemeinde Altmärkische Wische gehörenden Wendemark. Sein bestes Ergebnis hat der abgewählte Landkreis-Chef in der Verbandsgemeinde Seehausen mit 43,12 Prozent (1012 Stimmen) geholt. Die meisten Stimmen sicherte sich der neue Landrat in der Kreisstadt: 75,57 Prozent (6190).

„Kein Grund, übermütig zu werden“, köpft Patrick Puhlmann kurz nach 19 Uhr im Bistro, Hohe Bude, einen Chardonnay-Sekt und gießt cremigen Brut Dargent unter tosendem Beifall zum kollektiven Freudentaumel ein. „Die Aufgabe wird nicht leichter, nur weil das Wahlergebnis gut ist“, gibt sich der Sieger bescheiden, während seine aus Frankreich stammende Frau Margaret Pardo-Puhlmann lächelnd klatscht.

VON ANTJE MAHRHOLD UND LAURA KÜHN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare