„Erheblich vernachlässigt“

Stendals Veterinäramt beschlagnahmt mehr als 70 Tiere

Einer der zwölf Hunde, die vom Hof in der nördlichen Altmark geholt wurden. Allesamt sollen sie stark von Parasiten befallen sein. Ein Spezialbad kann helfen.
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Einer der zwölf Hunde, die vom Hof in der nördlichen Altmark geholt wurden. Allesamt sollen sie stark von Parasiten befallen sein. Ein Spezialbad kann helfen.

Stendal – Die Behörden haben einem Halter im Norden des Landkreises mehr als 70 Tiere weggenommen. Angela Vogel spricht von „unhaltbaren, erheblich tierschutzwidrigen Zuständen“.

Auf dem vermüllten Hofplatz seien circa 30 Hühner, ebenso viele Enten, dazu Ziegen und Schafe sowie einige Ferkel und sieben Hunde frei herumgelaufen.

„In den Stallungen wurden verendete Tiere und Teile von ihnen in den unterschiedlichsten Stadien der Verwesung vorgefunden“, schildert die Kreissprecherin der AZ. Hunde waren zudem in einem vermüllten Teil des Gebäudes untergebracht. Eine Strafanzeige ist geschrieben. Zudem soll der Mann mit einem generellen Tierhalte- und Betreuungsverbot belegt werden.

Die Polizei hatte am Donnerstag einen Anruf erhalten, eine hilflose Person käme wegen frei laufender Hunde nicht auf das Grundstück. Ein Tierarzt rückte an, mithilfe der Polizei habe er sich Zutritt verschafft. Besagte hilflose Person habe es so nicht gegeben, dafür seien „erheblich vernachlässigte Tiere verschiedener Arten“ gefunden worden, informiert Vogel auf Nachfrage. Zwei weitere Veterinäre wurden geholt und noch zusätzliches Personal des Landkreises. An diesem Tag wurden vier Rinder, zwei Pferde, zwölf Hunde, neun Schafe, sieben Ziegen und drei Katzen beschlagnahmt. Die Begründung des Landkreises: „Gefahr im Verzug.“

Der Einsatz des Tierheimes in Borstel und die Aufnahme von Schweinen durch den Wildpark Weißewarte (wir berichteten über beides) hängt mit diesem Großeinsatz bei Seehausen zusammen. Weil für die 39 Schweine in diesem Moment kein anderes Quartier gefunden werden konnte, fütterte und tränkte der Besitzer unter Aufsicht die Tiere. Die Kreissprecherin: „Die Tiere hatten keinen Zugang zu Wasser und erheblichen Durst.“ Am Freitag kamen sie in den Wildpark und sollen heute in einem anderen Betrieb untergebracht werden. Das Geflügel sei vom Besitzer selbst eingefangen worden und anderswo untergebracht. „Damit verbleiben zwei Katzen auf dem Gelände, die nicht einzufangen waren.“

Der Tierhalter, seit Sommer 2018 im Landkreis ansässig, ist für die Behörden kein Unbekannter. Bei einer unangekündigten Kontrolle Mitte November sei der Mann nicht anwesend gewesen, eine angekündigte folgte vier Tage später. Damals habe der Landkreis noch keine großen Missstände feststellen können. Es gab Tiere ohne Ohrmarke, Meldefehler, ein Rind lahmte, sicherlich. Doch im Großen und Ganzen erschienen die Tiere ausreichend genährt und in einem ordentlichen Zustand. Futter, Wasser und Einstreu hätten bereitgestanden. Nun hat der Landkreis entschieden, die Reißleine ziehen zu müssen. Der Tierhalter war für eine Stellungnahme in der AZ bislang nicht zu erreichen.

Der Landkreis stand in der Vergangenheit wegen möglicher unzureichender Kontrollen landwirtschaftlicher Betriebe in der Kritik. Der Fachamtsleiter räumte seinen Stuhl. Eine neue Spitze ist inzwischen gefunden.

VON MARCO HERTZFELD

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