Stadt verteidigt die Festabsage gleich für das ganze Jahr

Stendals Roland verliert seine Bühne

Die Rogätzer Drumline zieht beim Rolandfest 2019 auf der Breiten Straße zur Hauptbühne am Rathaus. Solche Bilder wird es in diesem Jahr aus Stendal nicht geben.
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Die Rogätzer Drumline zieht beim Rolandfest 2019 auf der Breiten Straße zur Hauptbühne am Rathaus. Solche Bilder wird es in diesem Jahr aus Stendal nicht geben.

Stendal – Heute wäre der Startschuss für das dreitägige Stelldichein im Herzen Stendals gefallen. Der Oberbürgermeister und die Darsteller von Roland und Ida hätten es am Nachmittag auf dem historischen Marktplatz offiziell eröffnet. Doch Pustekuchen.

Das traditionsreiche Rolandfest fällt wegen Corona aus.

Eine mögliche Kritik an der Entscheidung will Stadtsprecher Armin Fischbach auf Nachfrage der AZ erst gar nicht aufkommen lassen. Die Absage sei unausweichlich gewesen. „Auf den Punkt gebracht: Aufgrund der 6.  Eindämmungsverordnung des Landes, laut der Großveranstaltungen bis Ablauf des 31.  August nicht stattfinden dürfen. “ Auch ein Fest zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr sei einfach unmöglich.

„Dies ist leider nicht praktikabel, da schlicht niemand voraussehen kann, wie sich das weitere Infektionsgeschehen gestalten wird“, meint Fischbach. „Es lässt sich nicht sagen, ob im Herbst wie gewohnt gefeiert werden kann. Wenn wir beispielsweise nach München schauen: Das Oktoberfest wurde ebenfalls abgesagt, obwohl es erst mehrere Wochen nach dem 31. August stattgefunden hätte.“ Die Reißleine für das 53. Rolandfest wurde Mitte April gezogen. „Seit 67 Jahren ist dies das erste Rolandfest überhaupt, das ausfallen muss.“ Anfänglich fand das Stadtfest demnach nicht jedes Jahr statt, das ist längst anders geworden. Die nächste Auflage ist nun für den 11. bis 13. Juni 2021 geplant.

Der wirtschaftliche Schaden für die Stadt und alle Beteiligten sei „relativ überschaubar“. „Wobei wir nicht die Einbußen für Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel beziffern können, denen aufgrund fehlender Übernachtungen und Gäste fraglos geplante Einnahmen wegbrechen werden.“ Einen Königsweg aus der Misere gebe es sowieso nicht. „Wir haben mit unseren vielen Partnern sehr offene, ehrliche Gespräche geführt, um einen möglichst fairen Interessenausgleich zu erzielen. Keiner bestand hier trotz der Absage des Festes auf eine Zahlung und auch weiterführende Unterstützung unsererseits wurde meist ausgeschlagen“, teilt der Rathaussprecher mit.

Die Situation im Landkreis und der Altmark ist nicht überall gleich. So verfügt Stendal über ein eigenes Veranstaltungsmanagement. Das kaum weniger bedeutsame Stadt- und Spargelfest in Osterburg beispielsweise, das alljährlich Anfang Mai über die Bühne geht, wird schon seit einigen Jahren von einem größeren Schausteller und Mitstreitern für die Kommune ausgerichtet. Der Rathauschef dort hat gegenüber der AZ bereits angekündigt, die Organisatoren finanziell nicht im Regen stehen lassen zu wollen. „Die Situation in Osterburg war uns gar nicht bekannt und lässt sich mit unserem Rolandfest auch nicht wirklich vergleichen“, stellt Fischbach für die Kreisstadt Stendal fest.

„Wegen der freigewordenen Kapazitäten durch den diesjährigen Ausfall haben wir natürlich schon erste Gespräche für das Rolandfest 2021 und sind bereits in die Planung eingestiegen.“ Mit Blick auf den Sachsen-Anhalt-Tag 2022 in Stendal gehe „nicht viel verloren“, glaubt Fischbach. Ein Landesfest sei ein ganzes Stück größer als ein einfaches Rolandfest. „Weshalb unser geliebtes Stadtfest ohnehin nur bedingt als Testlauf getaugt hätte.“ Die kommunalen Veranstaltungsmanager hätten viel Erfahrung. So mancher Bürger dürfte nun dennoch 2021 ganz genau hinschauen wollen, wie die Stadt das 53. Rolandfest gestaltet, und es durchaus als einen Probelauf für Größeres in Stendal am Jahr darauf ansehen.

2020 bleibt ohne ein Rolandfest. „Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, dass dieses sonst so bestimmende und unumstößliche Ereignis in unserem Terminkalender in diesem Jahr wegfällt. Als unser größtes und bekanntestes Familienfest fehlt das Rolandfest natürlich auch vielen Bürgern und den uns eingehenden Anrufen nach zu urteilen, auch manch einem Gast von außerhalb.“ Was das Fest die Stadt im Allgemeinen so kostet, dazu nennt ihr Sprecher keine Zahlen. „Da sich dies jedes Jahr konjunkturbedingt anders gestaltet.“ Finanziert werde die Veranstaltung aus Spendengeldern, Sponsoring heimischer Firmen und Organisationen sowie natürlich den Standgeldern.

Mögen die Zahlen für die Jahre auch unterschiedlich ausfallen, die Dimension dürfte ähnlich sein. Damit der Leser eine ungefähre Vorstellung hat, ein Blick ins AZ-Archiv: Der Haushaltsansatz bewegt sich in der Regel in einem höheren fünfstelligen Euro-Bereich. Die Kosten für das Fest können locker in den sechsstelligen Bereich gehen, die Differenz wird nicht zuletzt durch Sponsorengelder und Standgebühren gedeckt. Die Kosten für das Rolandfest 2018 beispielsweise beliefen sich auf 104 000 Euro. Jährlich besuchen Tausende Menschen die Veranstaltung. Die Gäste kommen aus der östlichen Altmark und darüber hinaus. Namensgeber ist das Standbild eines Ritters, Sinnbild der Stadtrechte.

VON MARCO HERTZFELD  

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