Elektrogefährte suchen die Spur

Stendals Polizei sieht in E-Tretroller wachsende Aufgabe

E-Tretroller in Süddeutschland. In welchem Ausmaß sich das Gefährt auch in der Altmark durchsetzt, bleibt abzuwarten. Die Stendaler Polizei hat den E-Scooter bereits im Blick.
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E-Tretroller in Süddeutschland. In welchem Ausmaß sich das Gefährt auch in der Altmark durchsetzt, bleibt abzuwarten. Die Stendaler Polizei hat den E-Scooter bereits im Blick.

Stendal – Seit Juni sausen Elektrotretroller durch deutsche Straßen. Dass die Welle irgendwann so richtig auch Stendal und andere Städte der Region erfassen wird, davon geht die Polizei fest aus.

„Es braucht nicht lange und die Verkaufszahlen steigen bei uns ebenfalls“, meint Joachim Albrecht und sendet eine klare Botschaft: „Auch beim Fahrer mit dem E-Scooter gelten Gesetz und Ordnung. “ Schon im alten Jahr registrierten die Ordnungshüter für den Landkreis Stendal ein gutes Dutzend Vorfälle, die mit dem Elektroroller zu tun hatten.

Ordnungshüter im Straßenverkehr: Dirk Marscheider (l.) und Joachim Albrecht sehen östliche Altmark und Elbe-Havel-Winkel vor einigen Veränderungen.

Vor einigen Wochen stoppten Beamte eine 57-Jährige an der Stadtseeallee. Weil ihrem E-Roller der Versicherungsschutz fehlte, hat sie nun ein Ermittlungsverfahren am Hals. Ohne Versicherungsnachweis war auch ein 39-Jähriger unterwegs, dem die Polizei vergangene Woche an der Moltkestraße kontrollierte. Zudem reagierte ein Drogentest auf verschiedene verbotene Substanzen. Für ihn dürfte die Spritztour nicht ohne Folgen bleiben. „Wir schauen natürlich auch immer in die Betriebserlaubnis“, warnt Albrecht.

Die viel beschworene Elektromobilität gehe oftmals noch mit Unwissenheit einher. Was erlaubt ist und was nicht, ist in der sogenannten Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung geregelt. E-Roller bringen es demnach auf sechs bis maximal 20 Sachen. Ein Führerschein wird nicht gefordert und auch eine Helmpflicht besteht nicht. „Wir empfehlen dennoch einen Helm, denn schon eine Fahrt mit gut Tempo 20 ist nicht unerheblich.“ Albrecht ist in der Polizeiinspektion Stendal nicht zuletzt für die Präventionsarbeit zuständig.

Was viele nicht wissen: Beim Thema Alkohol gelten dieselben Promillegrenzen. Wer getrunken hat, sein Auto stehen lässt und stattdessen auf den Elektroroller setzt, spekuliert falsch und riskiert genauso seinen Führerschein. Für Fahrer unter 21 Jahren und Führerscheinneulinge in der Probezeit gelten sogar 0,0 Promille. „Sie dürfen also unter Alkoholeinfluss überhaupt nicht hinter den Rollerlenker“, betont Polizeisprecher Dirk Marscheider. Unfälle mit einem E-Scooter sind Stendals Polizei bislang nicht bekannt.

Die Polizei in Halle schnappte vergangenes Wochenende gleich mehrere betrunkene Rollerfahrer. Erst vor Kurzem hat in der Saalestadt die erste Verleihfirma in Sachsen-Anhalt losgelegt. Ob es hier einen Zusammenhang gibt, ist unbekannt. Auch in Magdeburg sollen laut Medienberichten in absehbarer Zeit Elektroroller ausleihbar sein. Albrecht und Marscheider wollen ein solches Angebot für Stendal nicht ausschließen, auch wenn Stendal eine eher kleine Stadt sei und das Geschäft vermutlich überschaubar wäre.

Neben den Rollern der Verleihfirmen besitzen bisher erst eine Handvoll Modelle eine Straßenzulassung. Wer mindestens 14 Jahre alt ist, darf aufsteigen. Gefahren werden darf auf Radwegen, Radfahrstreifen und Fahrradstraßen. Wenn diese fehlen, kann auf die Fahrbahn ausgewichen werden. Marscheider wünschte sich, dass Roller bei der KfZ-Behörde angemeldet werden müssten und es dort ein Zertifikat gäbe, was ein E-Roller braucht und darf und was dessen Fahrer braucht und darf. Mögliche Zukunftsmusik.

„Das würde vielen Bürgern helfen, die Anforderungen zu verstehen, und natürlich auch der Polizei die Arbeit auf der Straße einfacher machen“, ist Albrecht ebenfalls überzeugt. Dass Roller oder auch andere neumodische Elektrogefährte allein junge Leute begeistern, davon sei nicht auszugehen. „Zumal Studenten in Stendal, eine mutmaßliche große Zielgruppe für den E-Scooter, ja noch typischerweise mehr mit dem klappernden Fahrrad unterwegs zu sein scheinen“, meint Albrecht und schmunzelt. Auch das könne sich schnell ändern.

VON MARCO HERTZFELD

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