„Landwirtschaft nichts für Faulenzer“

Stendals Landwirt André Stallbaum beklagt hohen bürokratischen Aufwand

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„Während wir unsere bürokratischen Pflichten erfüllen, wartet die Arbeit im Stall und auf dem Feld“, kritisiert André Stallbaum, Chef des Bauernverbandes Stendal.

Stendal – André Stallbaum hat das, wovon viele träumen. Er hat einen Job gefunden, der ihn erfüllt und glücklich macht. Der Junglandwirt führt gemeinsam mit seinen Eltern Carola und Uwe den Stendaler Scheunenladen an der Osterburger Straße.

Doch nicht nur hinterm Tresen ist der gebürtige Idener zu finden.

Er fährt aufs Feld, wann immer es nötig ist – doch vor allem verbringt er viel Zeit am Schreibtisch. „In den letzten Jahren ist der bürokratische Aufwand für Landwirte enorm gestiegen“, beklagt er.

Düngeverordnung, Stoffstrombilanz und Ackerbau-Dokumentation: Die Gründe für die Zunahme der Büroarbeit liegen auch in umfangreicheren Anforderungen bei Antragstellung, Aufzeichnungen und Nachweispflichten der EU-Agrarförderung, wie aus einer repräsentativen Umfrage des „Konjunkturbarometer Agrar“ hervorgeht. Demnach müssen Landwirte mit Tierhaltung derzeit im Monat rund 32 Stunden aufwenden, um ihre bürokratischen Pflichten zu erfüllen – etwa vier Stunden mehr als noch 2014.

André Stallbaum, Landwirt.

Allein für die Registrierung der Nutztiere und die Dokumentation von Tierarzneimitteln seien monatlich gut zwölf Stunden Schreibarbeit notwendig. Zugenommen hat auch die Bürokratie bei Ackerbaubetrieben wie dem der Familie Stallbaum. Die notwendigen Aufzeichnungen bei der bisherigen Dünge-Verordnung und beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verlangen von einem durchschnittlichen landwirtschaftlichen Betrieb in Deutschland monatlich gut acht Stunden. „In der Zeit können wir uns nicht um die Tiere in den Ställen oder die Pflanzen draußen kümmern“, sagt André Stallbaum. „Wir wollen die Auflagen, die von uns verlangt werden, gerne einhalten, solange sie sinnhaft sind.“, räumt er ein.

„Aber wenn wir ein und denselben Sachverhalt an drei oder vier Stellen dokumentieren müssen, habe ich dafür wenig Verständnis“, redet der 29-Jährige Klartext. Fahren Landwirte vor der Maissaat etwa Gärreste oder Gülle aus, so besteht gegenüber dem Landkreis eine unverzügliche Meldepflicht, die sogenannte Wirtschaftsdüngermeldung. Dafür muss die Arbeit auf dem Feld unterbrochen werden. „Dabei müssten wir eigentlich auf dem Trecker sitzen und das Zeug in die Erde einarbeiten, damit wir keine Verluste einfahren“, erklärt Stallbaum der AZ.

Dringenden Handlungsbedarf sieht er vonseiten der Politik: „Bisher haben alle, die angekündigt haben, Bürokratie abbauen zu wollen, es nur noch schlimmer gemacht“, glaubt er. Und appelliert an die Kontrollbehörden, mit gesundem Augenmaß zu agieren, Ermessensspielräume zu nutzen. „Da ist uns schon viel mit geholfen.“ Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis sowie dem Amt für Landwirtschaft funktioniere weitestgehend gut. „Aber dann und wann muss man auch mal darauf hinweisen, dass es auch so bleibt“, meint der Jungunternehmer.

Eintauschen würde er seinen Job aber trotzdem nicht. „Landwirtschaft ist nichts für Faulenzer, das muss einem bewusst sein“, lacht er.

VON CHARLOTTA SPÖRING

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