Landrat Wulfänger: „Wir brauchen zwei Autobahnen: Die A 14 und die Datenautobahn“

Finanziell keine Luft nach oben

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„Leider viel zu lange“ musste der Verwaltungsrat der Kreissparkasse Stendal auf den Prüfbericht im vergangenen Jahr warten.

Stendal. Die Affäre um die Kreissparkasse Stendal, die Folgen des Hochwassers im vergangenen Jahr, aber auch die finanzielle Situation des Landkreises: Themen, über die die Altmark-Zeitung mit Landrat Carsten Wulfänger sprach.

Dabei sprach sich Wulfänger, der seit 19. März 2013 im Amt ist, für die A 14 und die Datenautobahn schnelles Internet für die Altmark aus. Sie würden dazu beitragen, die Region weiter voranzubringen.

Herr Wulfänger, worüber haben Sie sich 2013 am meisten geärgert?

(Denkt lange nach). Da würde mir jetzt auch nach längerem Nachdenken nichts einfallen.

Interview

Ich denke da beispielsweise an die Affäre um die Stendaler Kreissparkasse ... 

Ja, aber das war ja auch letztendlich schon angelaufen, als ich mein Amt antrat. Es ist sicher ärgerlich und misslich, dass es da zu Verfehlungen gekommen ist und das hat sich ja über das ganze Jahr hingezogen.

Das Thema hat für viel Ärger gesorgt. Haben sich der Verwaltungsrat und dessen ehemaliger Vorsitzender etwas vorzuwerfen? Haben sie geschlafen? 

Stendals Landrat Carsten Wulfänger im Interview mit der Altmark-Zeitung.

Was den ehemaligen Vorsitzenden betrifft, da muss man mit ihm reden. Bei der Sparkasse ist es vom Grundsatz her so, dass es mehrere Gremien gibt, die jetzt dort aufpassen. In den letzten Jahren, das habe ich schon einmal gesagt, hat es keinerlei Anlass gegeben, dass der Verwaltungsrat Verfehlungen erkennen konnte. Es gibt ein Prüfgremium beim Ostdeutschen Sparkassenverband, die Sparkassenaufsicht des Landes Sachsen-Anhalt und die interne Revision bei der Sparkasse. Und aus keinem dieser drei Gremien soll es Hinweise an den damaligen Verwaltungsrat gegeben haben. Als die Verfehlungen Anfang des Jahres bekannt wurden, hat der Verwaltungsrat auch sofort gehandelt.

Wie? 

Wir haben die Kündigung gegen den ehemaligen Sparkassenvorsitzenden ausgesprochen, Schadensersatzansprüche geltend gemacht. Zusätzlich wurden weitere Prüfberichte in Auftrag gegeben, um die Zeit vor 2010 aufzuarbeiten. Die Aufarbeitung wird sich noch mindestens bis Ende 2014 hinziehen – wenn nicht sogar noch länger. Das hängt auch von den Gerichten und den Staatsanwaltschaften ab, wie lange die brauchen.

Zurückblickend: Hätten Sie, im Nachhinein betrachtet, das eine oder andere anders gemacht? 

Ich denke, vom Zeitlichen her gab es nicht viel Spielraum, es anders zu machen. Wir mussten erst auf den Prüfbericht warten, der leider erst Ende September vorlag. Auch weil man sehr intensiv geprüft hat. Und dann haben wir das Thema auch behandelt. Und inhaltlich haben wir das konsequent gemacht, haben Fristen eingehalten und waren dadurch immer handlungsfähig.

Sie haben am 19. März das Amt als Landrat angetreten und hatten gleich große Probleme zu bewältigen. Man kann eine neue Aufgabe auch leichter beginnen ... 

Das Hochwasser ist eben gekommen und es war schnell klar, dass Katastrophenalarm ausgerufen werden musste. Ich bin da ja nicht total unbeleckt, sondern habe seit 2002 jedes Hochwasser mitgemacht. In den unterschiedlichsten Funktionen. Klar könnte man es auch ruhiger angehen, aber das Problem ist aufgetreten und dann braucht man nicht lange rumlamentieren, sondern muss das Problem lösen – mit den Leuten vor Ort.

Zu den aktuellen Themen des Landkreises. In welchen Bereichen haben Sie konkreten Handlungsbedarf? 

Wir wollen das Regionalmarketing mehr in den Vordergrund bringen, um die Region Altmark besser bekannt zu machen. Beispielsweise jetzt auf der Grünen Woche in Berlin. Wir müssen dafür aber auch die Strukturen schaffen und haben dafür im Haushalt des Landkreises 50 000 Euro eingestellt. Wofür wir das Geld verwenden, ist noch offen. Aber das Thema halte ich für wichtig, ebenso das schnelle Internet für die Altmark. Da sind wir schon seit mehreren Jahren dran. Der Verband ist gegründet, wir müssen sehen, dass die beiden großen Städte Stendal und Salzwedel beitreten. Die europaweite Ausschreibung mit Blick auf den Betreiber ist gut gelaufen, wir sind da auf dem richtigen Weg. Wir brauchen zwei Autobahnen: Die Richtige, das ist die A 14, und die Datenautobahn. Das sind die Dinge, die die Region in den nächsten Jahren voranbringen werden.

Wie sieht es mit der geplanten Vernetzung mit der Stadt Stendal aus? 

Wir wollen die einzelnen Verwaltungsstandorte mit der Hansestadt noch weiter vernetzen. Dazu sind Glasfaserkabel verlegt und eine gemeinsame Telefonanlage geplant worden.

Wie sieht es mit Investitionen aus? 

Wir wollen die Diesterweg-Sekundarschule in Stendal und die Hinrich-Brunsberg-Sekundarschule in Tangermünde weiterbauen und den Straßenbau weiter voranbringen. Den normalen Straßenbau, den wir im Buch haben, oder eventuell auch die Straße hinaus zum KKW. Dazu kommen noch die Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Hochwasser, die erledigt werden müssen. Und wir gehen davon aus, dass wir die entsprechenden Zuschüsse bekommen.

Wie beurteilen Sie die momentane finanzielle Lage des Landkreises?

Sehr, sehr angespannt. Der Haushalt ist zwar ausgeglichen, er bietet aber keine zusätzliche Luft. Deshalb sind wir auf Zuschüsse – beispielsweise aus dem Förderprogramm Stark III – angewiesen.

Von Arno Zähringer

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