Vogelspinne bleibt der Dauergast

Stendals Zoo kümmert sich um verletzte Wildtiere und verwaiste Exoten

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Einer der beiden jungen Uhus, die im Tiergarten in Stendal aufgezogen und inzwischen wieder ausgewildert wurden.

Stendal – Extra das Terrarium öffnen und die giftige Rotknie-Vogelspinne auf die Hand nehmen, das möchte Anne-Katrin Schulze dann doch nicht. Die Art stammt eigentlich aus Mexiko und soll unter deutschen Terrarianern recht beliebt sein.

Dieses Exemplar hat die Stendaler Feuerwehr Mitte August von einer Hauswand geholt und im Tiergarten abgegeben.

Eine Rotknie-Vogelspinne wie diese ist von der Feuerwehr aufgegriffen und im Tiergarten abgegeben worden.

Die Einrichtung am Stadtsee ist auch Aufnahmestelle für Wildtiere, Exoten sind eher selten darunter. Wem die Spinne gehört, ob sie ausgebüxt oder vielleicht sogar bewusst ausgesetzt wurde, kann die Leiterin nicht sagen. „Wir haben ihr jedenfalls ein Terrarium gebaut, in dem sie sich wohlzufühlen scheint. Sie bleibt erst einmal weiter bei uns.“

Die Rotknie-Vogelspinne verfügt über Brennhaare und auch ein Biss ist nicht ohne. Ihr Gift soll für den Menschen allerdings nicht weiter gefährlich sein. Schulze geht trotzdem auf Nummer sicher, der Glasquader steht abseits der normalen Besucherpfade im Verwaltungsgebäude. Die Tiergartenchefin hat den Fall dem Tierheim in Borstel und dem Fundbüro der Stadt gemeldet in der Hoffnung, dass sich der Besitzer doch noch meldet. Eine Vogelspinne wie diese könne unter optimalen Umständen bis zu 15 Jahre alt werden. „Wir kümmern uns um sie genauso intensiv wie um jene, die aus heimischer Wildnis kommen. Dieses Jahr sind doch auffallend viele Tiere von außen bei uns gelandet.“

Die Liste ist lang: Steinmarder, Amsel, Nilgans, Feldhase, Saatkrähe, Elster, Mäusebussard, Turmfalke, Rauchschwalbe ... Ein Großteil kam dem Straßenverkehr oder Elektroleitungen zu nahe, andere waren aus dem Nest gefallen oder hatten sich auf andere Weise verletzt. „Nicht alle haben es geschafft und mussten vom Tierarzt eingeschläfert werden.“ Für Schlagzeilen sorgte 2019 ein Höckerschwan, der tagelang fußlahm am Stadtseeufer lag, eingefangen und behandelt wurde und es letzten Endes doch nicht schaffte. Zur Pflege aufgenommen werden allein sogenannte nicht jagdbare Arten. Leide ein Tier aber sichtlich und brauche schnell Hilfe, greife die Einrichtung grundsätzlich ein.

Dieses Eichhörnchen, recht dunkel gefärbt, ist eines von zwei Exemplaren, die ständig in einem Gehege des Zoos in Stendal leben. Das Paar soll Nachwuchs haben, das Jungtier hat sich bislang noch nicht allzu oft gezeigt.

Zu den Findelkindern dieser Saison gehören auch Eichhörnchen. Ein großer Schwung stammt aus dem Raum Seehausen, die Jungtiere müssen bei einem Sturm von ihren Eltern getrennt worden sein. Drei der fünf Halbstarken hat der Tiergarten durchbringen können. Aus dem Bereich Stendal kam noch ein weiteres Exemplar dazu, es hat schwarzes Fell und kein rotes, wie es bei Eichhörnchen eher die Regel ist. Das Quartett ist mittlerweile wieder ausgewildert worden und das sogar auf dem Zoo-Gelände. Schulze hatte für die Anfangszeit sogar Fressstellen und Schlafhöhlen aus Holz anfertigen lassen. „Wir haben sie nun schon einige Wochen nicht mehr gesehen und gehen davon aus, dass sie nun ganz gut auf eigenen Beinen stehen.“

Was aus den beiden Uhu-Kindern des Frühjahres geworden sei, danach erkundigt sich noch der eine oder andere Zoo-Besucher. Die Jungtiere waren nacheinander aus ihrem Nest am Havelberger Dom gefallen. Ein Ornithologe hatte sich ihrer angenommen und brachte sie in die Kreisstadt. Die Eulenvögel sind in Stendal aufgepäppelt worden und wurde vor einigen Wochen in ihrer alten Heimat wieder ausgesetzt. „Das hat alles ganz gut geklappt“, zeigt sich Schulze im Gespräch mit der AZ zufrieden. Um Sorgenkinder dieser Art hatten sich die Stendaler zum ersten Mal gekümmert, eine Premiere. Der Uhu ist die größte Eulenart in Deutschland und Europa.

VON MARCO HERTZFELD  

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